Land will Kosten nicht übernehmen

Berufseinstieg ohne Hilfe vom Bund - Schulen im Landkreis Kassel bedauern Ende des Förderprogramms

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Hilfe beim Übergang von der Schule in den Beruf: Für viele Schüler war das eine sinnvolle Unterstützung. Nun läuft das Programm des Bundes aus, das Land Hessen wird die Finanzierung nicht übernehmen.

Die Berufseinstiegsbegleitung für Schüler wird es in Hessen künftig nicht mehr geben – das berichtet Manuela Strube, SPD-Landtagsabgeordnete für den Landkreis Kassel.

Kreis Kassel – Dass 2012 initiierte Programm sei ein Förderinstrument des Bundes gewesen, um Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf auf ihrem Weg von der Schule ins Berufsleben zu begleiten. 

„Jetzt, da die Förderung auf Bundesebene ausläuft, und die Landesregierung die Hälfte der Kosten übernehmen müsste, wird die Berufseinstiegsbegleitung nicht fortgesetzt“, kritisiert Manuela Strube, die der Regierung Untätigkeit in diesem Bereich vorwirft. 

Die Förderung auf Bundesebene läuft für den Anteil von 50 Prozent aus. Diese waren zu Beginn eine Anschubfinanzierung. Diese Mittel sind zeitlich begrenzt und fallen jetzt weg. Dies war von Beginn an für das Land Hessen klar, so Strube, und es habe sich seit Jahren auf den finanziellen Einstieg vorbereiten können. Die anderen 50 Prozent finanziert der Bund weiter, da die Mittel der Bundesagentur für Arbeit als Bundesbehörde auch Bundesmittel sind.

Auch die Schulen im Landkreis Kassel bedauern, dass es die Berufseinstiegsbegleitung künftig nicht mehr geben wird. „Berufsberatung ist Vertrauensarbeit“, sagt Meike Erbarth-Fischer, die an der Erich-Kästner-Schule in Baunatal für das Thema zuständig ist. Es habe jahrelang eine enge Zusammenarbeit mit den Berufseinstiegsbegleitern gegeben, die für viele Schüler „unglaublich wichtig“ gewesen seien. 

„Wir haben keine Ressourcen, um die Arbeit kompensieren zu können“, sagt Erbarth-Fischer. Man habe früh versucht, auf das Problem hinzuweisen und im Schulamt nachgefragt. „Da entsteht ein ganz großes Loch“, sagt die Berufsberaterin der EKS. Man hoffe auf ein neues, ähnliches Programm – vor allem für die Schüler, die für die Unterstützung beim Berufseinstieg immer sehr dankbar gewesen seien.

Mehrere Gesamtschuldirektoren haben sich dafür stark gemacht, dass die Berufseinstiegsbegleitung aufrechterhalten wird, sagt Walter Kayser, Leiter der Theodor-Heuss-Schule in Baunatal. Vonseiten des Landes gebe es aber offenbar keine Bereitschaft, Geld für das Projekt in die Hand zu nehmen. Die Berufseinstiegsbegleitung sei deshalb künftig nicht mehr in der Form möglich wie bisher: „Das ist ein richtig großes Problem.“ 

Nicht nur die Fachkräfte, sondern auch deren Wissen gehe verloren. Die Schüler hätten von dem Programm sehr profitiert und ganz konkrete und praktische Unterstützung erhalten. „Es war immer eine gute Möglichkeit, den Übergang in den Beruf zu erleichtern“, sagt Ana Viehmann, Leiterin der Wilhelm-Leuschner-Schule in Niestetal. Berufsberatung finde zwar in vielen Familien statt, aber manche Eltern könnten das nicht leisten. 

Viehmann drückt ihr Bedauern darüber aus, dass es das Programm künftig nicht mehr gibt. Die Berufseinstiegsbegleiter habe man bereits zu Beginn des Schuljahres verabschiedet. „Sie war genau an der Stelle aktiv, an der es Not gab“, sagt Viehmann. Auch Alexander Jabs von der Ahnatal-Schule Vellmar findet das Programm sinnvoll – es sei eine große Hilfestellung für Schüler gewesen. Zwei externe Mitarbeiter seien dank des Programms finanziert worden.

Das sagt das Land Hessen

Die Bundesregierung hat entschieden, ihre Finanzierung der Berufseinstiegsbegleitung nicht fortzusetzen, berichtet Alice Engel, Sprecherin des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration. Im Jahr 2018 hätten deshalb Verhandlungen zwischen dem Land Hessen, der Regionaldirektion Hessen und der Bundesagentur für Arbeit über die Fortsetzung der Berufseinstiegsbegleitung stattgefunden. „Die Verhandlungen waren bedauerlicherweise nicht zielführend“, sagt Engel. 

In Hessen existierten jedoch „zahlreiche bewährte Maßnahmen und Programme, die junge Menschen in vielfältiger Form beim Übergang von der Schule in den Beruf unterstützen“, betont Engel. So beginne die Unterstützung in den allgemeinbildenden Schulen beispielsweise mit Schulsozialarbeit, mit Unterstützung durch sozialpädagogische Fachkräfte des Landes sowie mit dem Programm „Praxis und Schule“. Nach Beginn der Ausbildung gebe es weitere Unterstützungsmöglichkeiten wie etwa das Programm „Wirtschaft integriert“.

Hilfe beim Weg in den Job

Die Berufseinstiegsbegleitung hilft Jugendlichen dabei, den Weg in den Beruf zu meistern. Sie richtet sich laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung an Schüler, die einen Hauptschul- oder Förderschulabschluss anstreben und danach eine Ausbildung beginnen möchten, auf diesem Weg aber besondere Unterstützung benötigen. Die Begleitung beginnt ein Jahr bevor die Schüler die Schule verlassen und läuft bis zum ersten Ausbildungsjahr. Gefördert wurden rund 115 000 Schüler an knapp 3000 Schulen der Sekundarstufe 1. Die Finanzierung des Bundes lief bis zum Schuljahr 2018/2019.

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