Von süßen Brötchen und Rauchschwamm

So feiern Menschen in den Partnerkommunen des Altkreises Kassel Ostern

Auch in Alcalá unterwegs: Büßer mit ihrer typischen Spitzhaube gehören zu fast allen spanischen Osterprozessionen. Foto: Jugendpflege Lohfelden

Ostereier suchen, Schokohasen, Ostermessen – so feiern wir hierzulande Ostern. Doch wie wird in den Partnerstädten des Landkreises Kassel Ostern gefeiert?

England

Getoastet (was auch sonst) und mit Butter bestrichen schmecken sie den Engländern am besten: die gewürzten Rosinenbrötchen, die es dort traditionell zu Ostern gibt. Verziert sind die sogenannten „Hot Cross Buns“ mit einem Kreuz.

Das Kreuz spielt auch in den Feierlichkeiten am Osterwochenende eine große Rolle. In Vellmars Partnergemeinde Bewdley, etwa drei Stunden nord-westlich von London gelegen, tun sich alle Kirchen der Stadt zusammen, um Ostern zu feiern. „Es sind ganz spezielle Feierlichkeiten, die immer wieder etwas variieren“, erklärt Janice Bell, die im Vorstand des Partnerschaftsvereins in Bewdley ist. In diesem Jahr wird es einen Kreuzweg in der katholischen Kirche der Stadt geben, gefolgt von einem gemeinschaftlichen Gottesdienst aller Kirchen in den „Jubilee Gardens“, einer kleinen Parkanlage im Zentrum der Stadt. „Von dort geht es zu Fuß hinauf auf einen in der Nähe gelegenen Hügel, von dem man die ganze Stadt sehen kann“, sagt Bell. Dort werden drei Kreuze aufgestellt. In der Vergangenheit, erzählt Bell, wurde an Karfreitag auch schon ein Kreuz von Kirche zu Kirche durch die Stadt getragen und in jeder Kirche ein Gottesdienst abgehalten.

Am Ostersonntag dürfen dann auch die englischen Kinder Schoko-Ostereier und Schokohasen suchen, ganz wie in Deutschland.

Österreich

In der Fastenzeit wird jeweils freitags vormittags in der Kirche St. Athanas Messe gefeiert, erklärt Tanja Weiß-Thalmann vom Tourismusbüro von Berg im Drautal, Lohfeldens Partnergemeinde. „Das Besondere: Anschließend kann man beim Bäcker, der extra mit dem Lieferauto kommt, die traditionellen Fastenbrezeln kaufen. Auf die freut man sich so richtig, man nimmt diese auch gern mit zu den Lieben daheim.“

Am Karsamstag um 7 Uhr findet die Feuerweihe statt. „Das gibt es nur in wenigen Gemeinden“, sagt Weiß-Thalmann. Es werde ein Feuer entzündet, das der Pfarrer weiht. Die Berger würden dann die Rauchschwämme, die sie im Herbst in den Wäldern gesammelt haben, ins Feuer geben.

Der glühende Schwamm wird dann, meistens an einem längeren Metalldraht angebracht, nach Hause getragen und geschwungen, während für eine gute Ernte gebetet wird. Ab Mittag werden dann Speisen gesegnet, die im Anschluss mit der Familie bei der traditionellen Osterjause verspeist werden. Am Abend wird in der Kirche die Auferstehungsfeier zelebriert.

Spanien

Ostern in Spanien ist geprägt von den Prozessionen und den Feiern der Semanta Santa, der heiligen Woche von Palm- bis Ostersonntag. So ist es auch in Alcalá la Real, der Partnerstadt von Lohfelden. „Es lohnt sich auf jeden Fall in dieser Zeit Spanien zu besuchen“, sagt Maike Oertel von der Jugendpflege, die 2012 in der Semanta Santa den Ort besuchte. Es sei sehr beeindruckend zu sehen, wie Prozessions-Teilnehmer die oft sehr schweren Heiligenbilder (Pasos) durch die Gassen tragen. Für deutsche Touristen etwas befremdlich könnte die Kleidung der Teilnehmer, den Bruderschaften, wirken. Denn deren Köpfe sind oft verhüllt, viele tragen weiße Tuniken, einige sind barfuß unterwegs.

Republik Moldau

„Nach dem Neujahrsfest ist Ostern der populärste Feiertag in Moldova“, sagt Octavian Zelinski, der bei einem moldawischen Radiosender arbeitet und früher in der Verwaltung von Anenii Noi gearbeitet hat, einer Partnerregion des Landkreises Kassel. Der wichtigste Brauch sei der Besuch der Kirche und die Teilnahme an der heiligen Messe in der Nacht vor Jesu Auferstehung. Mitgebracht würden traditionell rotgefärbte Eier, Kuchen und andere Lebensmittel, die die Priester am Morgen segnen und mit Weihwasser bespritzen. „Bevor man irgendetwas anderes isst, wird dann daheim das gesegnete Essen verspeist,“ sagt Zelinski. „Viele Kinder berühren auch ihre Wangen mit den roten Eiern, das soll Glück bringen.“ An Ostern stehe die Familie im Mittelpunkt, viele im Ausland lebende Moldawier kommen zu dieser Zeit nach Hause. Und es wird viel gegessen. Neben den bereits genannten roten Eiern, gehören auf eine Ostertafel auch ein spezieller Rührkuchen und Lammbraten.

Frankreich

In Frankreich findet in vielen kleinen Orten am Ostermontag L‘omelette de Pâques statt. Dazu bringt man vorher Eier an den jeweiligen Veranstaltungsort und trifft sich um die Mittagszeit zum Apéro. Das ist ein gesellschaftlicher Brauch in Frankreich und der Schweiz, der Genuss und Geselligkeit verbindet. So auch in Trèbes, der Partnergemeinde von Helsa.

Wein, Baguettes, Wurst, Käse und Oliven bringt man mit. Eine Gruppe oder ein Verein backt in Riesenpfannen die Eier mit unterschiedlichen Zutaten wie Spargel, Kräutern und Schinken. Anschließend muss man sich das fertiggewordene Omelette aus der Pfanne holen. Man holt sich, solange der Vorrat reicht. Dann gibt es Kaffee, eventuell Eis und Kuchen. Dann wird getanzt. Es kann sich bis zum frühen Abend hinziehen. Alle nehmen teil, vom Baby bis zum Uropa. 

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