Antrag bei zuständiger Pflegekasse stellen

Pause für die Angehörigen: So funktioniert die Verhinderungspflege

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Auch Angehörige brauchen mal eine Pause: Private Pflegepersonen, die mal eine Pause brauchen, können für bis zu sechs Wochen im Jahr Verhinderungspflege beantragen. 

Kreis Kassel. Auch Menschen, die ihre Angehörigen zuhause pflegen, brauchen mal eine Pause oder werden krank. In solchen Fällen gibt es Hilfen. Eine solche ist die Verhinderungshilfe. 

Hier erklären wir, wie die Verhinderungshilfe funktioniert.

Was ist Verhinderungspflege?

Ist eine private Pflegeperson verhindert, übernimmt die Pflegekasse die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege. Für bis zu sechs Wochen (42 Tage) pro Kalenderjahr werden dann 1612 Euro an den Pflegebedürftigen gezahlt, wenn dieser mindestens den Pflegegrad 2 hat. Wenn der Betrag für die Kurzzeitpflege nicht ausgeschöpft wurde, können bis zu 806 Euro (50 Prozent) aus diesem Topf zusätzlich für die Verhinderungspflege genutzt werden.

In welchen Fällen kann Verhinderungspflege beantragt werden?

Verhinderungspflege kann beantragt werden, wenn der Pflegende Urlaub plant, selbst krank wird oder anderweitig verhindert ist. Verhinderungspflege muss nicht am Stück in Anspruch genommen werden, sondern kann aufgeteilt werden. Und das auch stundenweise, etwa weil der Pflegende zum Arzt, zur Physiotherapie oder zum Rehasportkurs gehen möchte. Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist, dass die pflegebedürftige Person im Vorfeld über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten gepflegt wurde.

Wer kann stattdessen pflegen?

Das können Angehörige sein, ambulante Pflegedienste oder Nachbarn und Bekannte. Eine spezielle Ausbildung ist nicht notwendig. Für nahe Angehörige oder Menschen, die mit dem Pflegebedürftigen zusammenleben, gelten allerdings andere Regeln zur Kostenerstattung. 

Wird die Ersatzpflege durch die Angehörigen nicht erwerbsmäßig sichergestellt, dürfen die Aufwendungen der Pflegekasse grundsätzlich den 1,5-fachen Betrag des Pflegegeldes nicht überschreiten. Wenn in diesem Fall notwendige Aufwendungen wie Fahrkosten oder Verdienstausfall nachgewiesen werden, kann die Leistung aber auf bis zu 1612 Euro aufgestockt werden.

Wie beantrage ich Verhinderungspflege?

Dazu wird ein Antrag bei der zuständigen Pflegekasse gestellt. Dieser muss allerdings nicht im Vorfeld gestellt werden, sondern kann laut Riyad Salhi, Pressesprecher der AOK Hessen, auch bis zu vier Jahre später gestellt werden. Die AOK lässt sich die Zahlung an die Ersatzpflegeperson mit Unterschrift bestätigen. Im Jahr 2018 gingen in Hessen 45 500 Anträge auf Verhinderungspflege ein. Laut Salhi entspricht diese Zahl den Vorjahren.

Wird während der Verhinderungspflege weiterhin Pflegegeld an den Pflegenden gezahlt?

Während der Verhinderungspflege wird die Hälfte des Pflegegeldes gezahlt. Bei stundenweiser Verhinderungspflege erfolgt keine Kürzung und am ersten und letzten Tag der Verhinderung gibt es das volle Pflegegeld. Außerdem werden Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge des Pflegenden von der Kasse weitergezahlt.

Was ist der Unterschied zur Kurzzeitpflege?

Kurzzeitpflege erfolgt vollstationär, also in einer Pflegeeinrichtung. Auch hier gilt der Satz von 1612 Euro im Jahr ab Pflegegrad 2, allerdings für acht Wochen pro Jahr. Hat man die Verhinderungspflege nicht in Anspruch genommen, dann kann diese der Kurzzeitpflege zugeschlagen werden und auf insgesamt bis zu 3224 Euro erhöht werden. Bei der Kurzzeitpflege muss ein Eigenanteil für die sogenannten „Hotelkosten“ übernommen werden.

Was ist ein Entlastungsbetrag?

Menschen mit Pflegegrad 1 bis 5 können einen Entlastungsbeitrag von 125 Euro pro Monat in Anspruch nehmen, sofern sie nicht stationär gepflegt werden. Damit können zum Beispiel eine Haushalts- oder Einkaufshilfe oder Dienste für Vorlesen oder Spazierengehen bezahlt werden. Das Geld kann aber nur zweckgebunden für qualitätsgesicherte Angebote verwendet werden. Das heißt, die Leistung muss durch einen anerkannten niedrigschwelligen Anbieter oder einen Pflegedienst erbracht werden. Allerdings haben diese laut Doris Brandstetter vom Pflegestützpunkt im Landkreis kaum Kapazitäten für derartige Angebote.

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