Geplatzte Reservierungen

Einige erheben Gebühren: So gehen Gastronomen aus Kassel und Umgebung mit Absagen um

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Wie bestellt und nicht abgeholt: Reservierte Tische, die dann doch unbesetzt bleiben, führen zu einem enormen wirtschaftlichen Schaden.

Geplatzte Reservierungen kosten Gastronomen nicht nur Nerven, sondern auch Geld. Einige in Kassel und Umgebung wehren sich und verlangen Gebühren bei Nichterscheinen.  

Der Tisch ist eingedeckt, die Kerzen flackern, rundherum ist Hochbetrieb, ein kleines Schild verkündet „Reserviert“. Aber niemand taucht auf. Einige Restaurants wehren sich jetzt gegen solche Gäste, fragen bei Reservierung die Kreditkartendaten ab und verlangen eine Ausfallgebühr, wenn die Gäste nicht auftauchen. Denn „No-Shows“ kosten Gastronomen nicht nur Nerven, sondern auch Geld.

„Das kann für Betriebe ganz erhebliche Umsatzausfälle bedeuten“, sagt Anna Homm vom Branchenverband Dehoga. Personaleinsatz und Lebensmitteleinkauf würden zum Beispiel im Voraus geplant. Ein geblockter Tisch könne oft nicht kurzfristig vergeben werden. Besonders kleine Restaurants der gehobenen Küche treffe das hart. Immer häufiger würden Mitglieder berichten, dass Gäste nicht erscheinen. „Wir empfehlen, Reservierungen per E-Mail zu bestätigen und daran zu erinnern“, sagt Homm. Auch Buchungsportale oder der Verkauf von Tickets seien Optionen.

Gaststätten und Restaurants Kassel - Diese Regelungen gibt es

Wir haben bei Restaurants in der Region nachgefragt, wie sie mit No-Shows umgehen. Während es bei Großveranstaltungen wie Hochzeiten oft klare vertragliche Regelungen gibt, haben die Restaurants in anderen Fällen ihre eigenen Lösungen gefunden.

Osteria

In der „Osteria“ in der Jordanstraße in Kassel werden keine Reservierungsgebühren erhoben. Chefin Gisela Levorato kann allerdings nachvollziehen, dass es Gastronomen gibt, die das machen: Wenn man eine Massage oder ein Hotel nicht (rechtzeitig) absage, werde schließlich auch eine Gebühr fällig. Es gehe aber nicht nur um den wirtschaftlichen Schaden. Hinzu komme, dass andere Gäste, die gern einen Tisch hätten, weggeschickt werden müssen. „Das sieht dann doof aus, wenn der Tisch später gar nicht besetzt wird“, so Levorato.

El Erni

Im Kasseler Restaurant „El Erni“ werden keine Kosten erhoben, wenn man zu einer Reservierung nicht erscheint. „Ich glaube nicht, dass unsere Gäste das mit machen würden“, erzählt man uns.

Hotel Gude

Nach schlechten Erfahrungen hat das Kasseler "Hotel Gude" seit kurzem Reservierungsgebühren, jedoch nur für spezielle Tage und Veranstaltungen. "Bis zu sieben Tage vorher kann man noch kostenlos stornieren. Danach kostet es pro stornierte Person 15 Euro. Kommt man gar nicht, ohne abzusagen, werden pro Person 30 Euro erhoben", sagt Stefanie Gude, die zur Inhaberfamilie gehört. Nach einer Reservierung bekommt man eine Bestätigung, in welcher die Klausel zum Ausfallhonorar festgehalten ist. Daraufhin muss man noch einmal bestätigen.

Knallhütte

„Besonders in der Weihnachtszeit ist das für uns ein großes Problem“, sagt Anja Krebs, Betriebsleiterin der Knallhütte in Baunatal. Schließlich habe man sich vorbereitet, womöglich andere Anfragen abgesagt. Bei großen Gruppen ab 20 Personen würde daher vorab schriftlich eine Ausfallgebühr vereinbart, bei kleinen Gruppen sein man kulant. „Wir überlegen aber, bei Events oder in der Weihnachtssaison künftig Karten zu verkaufen.“

Voit

Im Kasseler „Voit“ in der Friedrich-Ebert-Straße zahlt man noch nicht für geplatzte Reservierungen. Der Inhaber, Sven Wolf, hält das Konzept aber für sehr sinnvoll. „Gerade sind zwölf Personen einfach nicht erschienen, das bedeutet enorme Verluste für uns“, erklärt er. Es sei absurd, dass man für Konzerte beispielsweise Karten kaufen müsse, beim Restaurant aber reservieren und dann konsequenzlos fern bleiben könne.

Hotel "Zur Post"

Eher aus pädagogischen Gründe schreibe man sich bei jeder Reservierung im Lohfeldener Restaurant Namen und Telefonnummer auf, sagt Hans-Jürgen Fehr. Eine Stornogebühr gebe es nicht, wenn mal ein Tisch ausfalle. Grundsätzlich sei man kulant und habe Verständnis, wenn es mal zu Streit in der Familie komme oder jemand krank werde. „Dass eine große Gruppe gar nicht auftaucht, ist aber eh die Ausnahme.“

Schlosshotel

Im Schlosshotel in Kassel haben die Gäste bis einen Tag vor der Reservierung Zeit, diese kostenlos abzusagen. Geschieht dies nicht und die Gäste tauchen trotzdem nicht auf, wird bei großen Gruppen oder Events eine Gebühr verlangt. „Wenn wir einen Brunch mit vielen Personen erwarten, fragen wir nach der Kreditkartennummer. Sollte die Gruppe nicht erscheinen, berechnen wir 80 Prozent des Fixpreises des Essens“ berichtet Oskar Swiderski, Restaurant Supervisor.

Rinklin Weidengarten

Im Restaurant des Rinklin Weidengarten gibt es keine Reservierungsgebühr, aber auch sehr wenige „No-Shows“. „Uns trifft es auch als großes Restaurant mit 80 bis 100 Plätzen nicht so hart, wenn mal ein Tisch ausfällt“, sagt Serviceleiterin Jenny Hüneburg-Pfaff. Eine Ausnahme gibt es in dem Ahnataler Restaurant allerdings: das alljährliche Gänseessen. „Da muss man mindestens einen Tag vorher absagen oder die Gans bezahlen.“ Wenn man die Gans bezahle, dürfe man sie aber auch gerne mitnehmen und daheim verspeisen.

Von Michaela Pflug, Leonie Wessel, Leonie Freynhofer und Ulrike Pflüger-Scherb

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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