„Stimmung ist schlecht“

Verdi kämpft um bessere Bedingungen für Angestellte des Logistikdienstleisters Rudolph

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International tätig: Die Rudolph-Logistik-Gruppe beschäftigt 4500 Mitarbeiter an 40 Standorten. Zurzeit befindet sich Verdi in Verhandlungen mit dem Logistikdienstleister, der seinen Hauptsitz in Baunatal (Foto) hat.

Ärger beim Logistikdienstleister Rudolph: Das Unternehmen mit mehreren Standorten in der Region und Hauptsitz in Baunatal befindet sich gerade in Tarifverhandlungen mit Verdi.

Der Streit zwischen dem Logistiker und der Gewerkschaft beruht auf möglichen Veränderungen in einem derzeit nicht rechtsgültig bestehenden Tarifvertrag, der neu abgeschlossen werden soll. Rudolph fordert Veränderungen, die zu einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten führen soll. Dies beinhaltet eine Arbeitszeitverlängerung, die Absenkung der Zuschläge für geleistete Überstunden und regelmäßige Samstagsarbeit.

„Die Verhandlungen gestalten sich zurzeit schwierig“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Patrick Fois. „Der Arbeitgeber und wir liegen mit unseren Ansichten weit auseinander.“ Im letzten Gespräch habe Geschäftsführer Dr. Torsten Rudolph den Verhandlungstisch abrupt verlassen, mit den Worten: „Ihr wollt ja gar nicht verhandeln.“

Einer der Knackpunkte des Tarifstreits ist auch, dass Rudolph mehr Flexibilität im Mehrarbeitsausgleich einfordert. Bisher gab es für Beschäftigte, die Überstunden leisten, eine Regelung, die Freizeitausgleich innerhalb von 13 Wochen garantierte. Rudolph will die Frist auf zwölf Monate ausweiten.

„Da machen wir nicht mit, die Mitarbeiter gehen bereits wegen Überstunden und Samstagsarbeit auf dem Zahnfleisch und brauchen den Ausgleich“, heißt es aus den Reihen des Betriebsrats. „Eigentlich ist die ganze Arbeit sowieso nicht mehr zu stemmen, es müssten weitere Mitarbeiter eingestellt werden. Aber das will der Arbeitgeber nicht.“ Die Stimmung in der Belegschaft sei dementsprechend schlecht.

Normalerweise arbeiten die Angestellten 38 Stunden pro Woche. „Wenn aber zum Beispiel VW einen großen Auftrag abzuarbeiten hat, kann es vorkommen, dass die Mitarbeiter mehrere Samstage arbeiten müssen – also dann eine Sechs-Tage-Woche haben“, so der Betriebsrat. „Die Mitarbeiter sind ja auch bereit dazu und opfern ihre Freizeit für den Betrieb, wenn es denn sein muss. Aber unter diesen Bedingungen nicht.“ Es fehle die Wertschätzung im Betrieb.

Notwendig sind die Verhandlungen geworden, weil einem Richter des Bundesarbeitsgerichts aufgefallen ist, dass die bestehenden Tarifverträge bei Rudolph Logistik nicht rechtssicher sind. Dabei ging es laut Betriebsrat um Formalien und hätte eigentlich keinen weiteren Verhandlungen bedurft. Doch der Arbeitgeber habe die Gelegenheit genutzt, um neue Forderungen zu stellen. Weil Verdi für die Beschäftigten eine Verbesserung erreichen wollte, hat die Gewerkschaft auch ein erhöhtes Weihnachts- und Urlaubsgeld gefordert. Von diesen Forderungen ist Verdi jedoch wieder abgerückt.

Wie die Verhandlungen weitergehen, ist noch völlig unklar. Dr. Rudolph habe laut Verdi im letzten Gespräch 48 Stunden Bedenkzeit angekündigt. „Dann sehen wir weiter“, so Verdi-Verhandlungsführer Fois.

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