„Last-Minute heißt nicht billig“

Wer günstig in den Urlaub will, muss Reisen früh buchen

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Stehen nach wie vor hoch im Kurs: Griechische Inseln wie etwa Kreta – das Bild zeigt den Strand der zu Kreta gehörenden Insel Elafonisi – sind auch bei Urlaubern im Kreis Kassel beliebte Urlaubsziele. 

Die Zeiten von Last-Minute-Schnäppchen sind vorbei. Wer günstig fliegen will, muss früh buchen. 

Die erste Hitzewelle dieses Sommers ist vorbei. In dieser Woche pendelte sich die Temperatur in der Region bei Wolken und Regen zwischen zehn und 20 Grad ein. Wer bislang keinen Sommerurlaub gebucht hatte, konnte da durchaus auf die Idee einer Last-Minute-Reise kommen. Doch wohin? Und für welchen Preis? Wir haben mit Reisebüros in der Region über aktuelle Urlaubs-Trends, die Entwicklung des Reiseverhaltens im Allgemeinen und darüber gesprochen, warum es Last-Minute im klassischen Sinne eigentlich gar nicht mehr gibt.

Dass Echo: Mit wirklich günstigen Angeboten können Spontan-Urlauber schon seit einigen Jahren nicht mehr rechnen. „Das Modell der Last-Minute-Reise zum Schnäppchenpreis gibt es eigentlich nicht mehr“, sagt Sandra Behler, Inhaberin des Ehne-Mehne-Weg-Reisebüros in Vellmar und Kassel. „Last-Minute heißt letzte Minute und nicht billig.“ Der Markt habe sich verändert, sei wesentlich dynamischer geworden. Das liege daran, dass Veranstalter kein festes Kontingent an Plätzen mehr einkaufen müssten. Dementsprechend komme es auch zu keinem Preissturz kurz vor den Reiseterminen. Die als solches noch betitelten Last-Minute-Angebote hält Behler, deren Reisebüro früher auf Last-Minute-Reisen spezialisiert war, für Augenwischerei. „Es gibt keine Schnäppchen mehr.“ Wer günstig fliegen wolle, der müsse früh buchen.

Andere Reisebüros bestätigen das. „Last-Minute gibt es nicht mehr“, sagt auch Claudia Schröder, Büroleiterin von DER Deutsches Reisebüro in Baunatal. Die Kunden hätten gelernt, dass der Preis umso besser sei, je früher sie buchen.

Trotzdem gehe der Trend inzwischen zu mehreren und dafür kürzeren Urlauben beziehungsweise Wochenend-Trips statt zu einem großen Jahresurlaub – und das auch häufig spontan. „Maximal sieben bis zehn Tage“ dauerten die meisten Reisen inzwischen, die etwa bei Karaburun Tours in Niederkaufungen gebucht würden, sagt Mitinhaber Artur Mehmet. Vor allem Singles und junge Paare würden sich kurzfristig für einen Urlaub entscheiden. Zu den aktuell beliebtesten Reisezielen – da sind sich die Reisebüros in Kaufungen, Baunatal und Vellmar einig – gehöre trotz des verhältnismäßig hohen Preises nach wie vor Mallorca. Außerdem stünden Ibiza und griechische Inseln wie etwa Kreta hoch im Kurs. Außerdem sei die Nachfrage für Flüge ab dem Kassel Airport in Calden gestiegen.

Und: Die Türkei ist wieder angesagt. In den vergangenen Jahren war die Nachfrage nach Reisen in das Land aufgrund politischer Entwicklungen sowie der Sicherheitslage stark zurückgegangen. Wenngleich das einstige Niveau an Buchungen noch nicht wieder erreicht würde, sei inzwischen wieder ein gegenläufiger Trend zu erkennen. Warum? „Geld spielt bei etwa 90 Prozent der Leute eine größere Rolle als Sicherheit“, sagt Behler. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis bei einem Türkei-Urlaub sei schlicht unschlagbar.

Eine weitere Beobachtung der Inhaber und Büroleiter der drei Reisebüros: Das Thema Umwelt spiele für viele Urlauber inzwischen eine größere Rolle. Zumindest würde dies artikuliert. Trotzdem sei die Nachfrage nach Kreuzfahrten und auch Langstreckenflügen nach wie vor hoch. Seit etwa drei bis vier Jahren sei Südamerika etwa ein beliebtes Reiseziel. Südostasien liege schon seit rund zehn Jahren im Trend. Marokko und Tunesien, sagt Sandra Behler, seien hingegen „quasi tot“.

Eine pauschale Antwort auf die Frage nach Urlaubs-Trends, Vorlieben und auch Preisen gebe es jedoch nicht, sagt Behler. Zwischen jenen, die das größte Schnäppchen schlagen wollen, und jenen, die sich den Luxusurlaub auch einige tausend Euro kosten lassen, gebe es zahllose weitere Varianten, sich seine Urlaubsreise nach dem eigenen Geschmack zu organisieren. „Reisen ist so eine individuelle Geschichte geworden, das ist, als würde man nach dem beliebtesten Auto fragen.“

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