Wasserversorgung

Wie sich die Trockenheit auf die Trinkwasserversorgung im Kreis Kassel auswirkt

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Kostbares Trinkwasser: Trotz der anhaltenden Trockenheit in der Region ist die Trinkwasserversorgung aktuell nicht gefährdet. Dennoch wird appelliert, mit Trinkwasser verantwortungsvoll umzugehen.

Kreis Kassel. Auch wenn in der Region die Niederschläge bereits seit Mitte Mai nahezu komplett ausbleiben – negative Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung im Altkreis Kassel, in Wolfhagen und in Kassel hat das derzeit nicht.

Kassel und Vellmar

Hauptgrund ist die Trinkwassergewinnung über sogenannte Tiefbrunnen. „Etwa 70 bis 80 Prozent unseres Trinkwassers kommt aus Tiefen zwischen 150 und 400 Metern“, sagt Ingo Pijanka, Sprecher des Kasseler Wasserversorgers Kasselwasser, der auch die Stadt Vellmar mit Trinkwasser beliefert. Der Rest des Trinkwassers – etwa 20 bis 30 Prozent – werde aus zwei Quellbrunnen im Habichtswald, im Niestetal sowie über mehrere Flachbrunnen mit Grundwasseranreicherung im Wasserwerk Neue Mühle in Kassel direkt an der Fulda gewonnen.

„Tatsächlich schütten aktuell die Quellbrunnen spürbar weniger Wasser aus als regulär“, sagt Pijanka. Auch sei die Wassergewinnung an der Fulda rückläufig, weil der Wasserstand des Flusses derzeit relativ niedrig sei.

„Dennoch sehen wir die Situation entspannt“, sagt Pijanka, auch wenn wegen des heißen Wetters aktuell der Wasserverbrauch in Kassel und Vellmar um gut ein Drittel angestiegen sei. „Dennoch sind wir weit davon entfernt, eine Warnung auszusprechen, wir plädieren lediglich für einen sorgsamen Umgang“, sagt Pijanka. Der Grund: „Selbst wenn die Wassergewinnung über unsere Quell- und Flachbrunnen komplett wegfiele, könnten wir das mit unseren Tiefenbrunnen noch ausgleichen“. Die Wasserversorgung für Kassel und Vellmar sei also in jedem Fall gesichert.

Kaufungen

Gleiches gilt für Kaufungen und Baunatal. Der Kaufunger Gemeindebetrieb verfügt über drei Tiefbrunnen und einen Quellwasserbrunnen, der jedoch nur zehn Prozent der Wassergewinnung ausmacht. „Aktuell beobachten wir bei unserem Quellwasserbrunnen noch eine normale Schüttung von etwa 15 Kubikmeter Wasser pro Stunde“, sagt Jürgen Christmann, technischer Leiter des Gemeindebetriebs. Aber selbst wenn der Quellwasserbrunnen versiegen würde, könnten wir das mit unseren Tiefenbrunnen ausgleichen.

Baunatal

Baunatal gewinnt rund 40 Prozent seines Trinkwassers aus drei eigenen Tiefbrunnen. Die übrigen 60 Prozent liefert das Gruppenwasserwerk Fritzlar-Homburg nach Baunatal.

Doch auch dieses Wasser stammt meist aus Tiefbrunnen. „Dieses sogenannte Tiefenwasser hat nichts mit dem oberflächennahen Grundwasser zu tun“, hatte Alexander Wilhelm, Betriebsleiter des Gruppenwasserwerks Fritzlar-Homburg, schon vor einiger Zeit gegenüber unserer Zeitung erklärt. Das Tiefenwasser sei rund 6000 bis 7000 Jahre alt und lagere in porösen Buntsandsteinschichten in 50 bis 400 Metern Tiefe. „Dieser Wasserkörper hat gigantsche Ausmaße und versorgt im Prinzip die gesamte Region mit Trinkwasser“, sagt Wilhelm. Weil dieses Wasser, einst herabgefallen als Regen, viele Tausend Jahre gebraucht habe, um durch verschiedene Erdschichten in die Tiefe zu gelangen, sei es hochgradig sauber und von bester Qualität. „Die Wassermenge, die dort unten gespeichert ist, ist gigantisch. Und es fließt ständig etwas nach, weil auch das Einzugsgebiet dieses unterirdischen Wasserspeichers sehr groß ist“.

Wolfhagen

In Wolfhagen macht die Trinkwassergewinnung via Tiefenbrunnen ebenfalls den Löwenanteil aus. So wird die Kernstadt Wolfhagen zu 100 Prozent aus dem Tiefenbrunnen im Wolfhagener Stadtwald versorgt. Gleiches gilt für Gasterfeld und Viesebeck Philippinenburg/-thal.

Bründersen, Ippinghausen und Leckringhausen werden dagegen nur noch zu 25 Prozent, Nothfelden, Niederelsungen, Oberelsungen und der Gewerbepark Hiddeser Feld noch zu 40 Prozent und Istha immerhin noch zu 65 Prozent mit Tiefenwasser versorgt. Der Rest kommt aus Quellen. Altenhasungen und Wenigenhasungen bekommen ihr Trinkwasser sogar zu 100 Prozent aus Quellen.

Aber: „Ein Problem haben wir deshalb nicht“, sagt Matthias Boos von den Wolfhager Stadtwerken. Sämtliche Quellen schütteten ausreichend und in gewohnten Mengen. „Auch der aktuelle Mehrverbrauch lässt sich damit abdecken“, sagt Boos. Die starken und ausgiebigen Niederschläge aus dem Jahr 2017 sorgten selbst jetzt noch für ausreichend Reserven.

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