Tipps und Antworten von Experten

Jetzt noch schnell Winterreifen wechseln: Was Autofahrer wissen müssen

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Die Auswahl ist riesig: Winterreifen gibt es von unzähligen Herstellern, gebraucht und runderneuert - doch was muss man als Autofahrer beachten? Es gibt beispielsweise die Experten-Empfehlung, dass das Profil bei gebrauchten Winterreifen mindestens noch 6 Millimeter aufweisen sollte.

Wie alt dürfen Winterreifen sein? Welchen Druck brauchen sie? Und was hat es mit der Winterreifenpflicht 2018 auf sich? Diese und viele weitere Fragen beantworten Experten.

Aktualisiert am 5. November 2018, 15.20 Uhr - Es ist ein Thema, das prinzipiell jeden Autofahrer betrifft: Der Oktober ist vorbei, jetzt wird es wirklich allerhöchste Zeit - denn der Wechsel der Winterreifen sollte nun möglichst schnell abgewickelt werden. 

Das betrifft übrigens auch Gespannfahrer: Diese sind zwar nicht gesetzlich verpflichtet, ihre Anhänger mit Winterreifen auszurüsten, doch der Tüv Süd rät dringend dazu, diese nicht nur an den Zugwagen zu montieren, sondern vor allem auch bei Wohnanhängern und Gespann-Vielfahrern. 

Viele überlassen den Wechsel der Kfz-Werkstatt oder dem Autohaus ihres Vertrauens. Doch es gibt auch einige, die gern selbst tätig werden und die Reifen in Eigenregie wechseln. Egal, für welche Variante man sich entscheidet - es gibt ein paar grundsätzliche Dinge, die man beim Thema Winterreifen beachten sollte. Hier haben wir eine Übersicht mit den wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.

Wann sollte man Winterreifen aufziehen?

Da der Oktober vorbei ist, wird es nun höchste Zeit. Das sagen auch Experten. Normalerweise gilt die Regel „von Oktober bis Ostern“, daran könne man sich immer noch orientieren, sagt Jörg Imm, Teiledienstleiter im Baunataler Autohaus Bindschus. „Bei Temperaturen unter 7 Grad Celsius sind Winterreifen empfehlenswert.“

Warum muss ich Winterreifen benutzen?

Weil es viel sicherer ist, als mit Sommerreifen bei Kälte umherzufahren. Winterreifen haben ein weicheres Material und tieferes Profil als Sommerreifen. Deshalb bleiben sie auch bei kälteren Temperaturen weich und verleihen dem Auto bessere Haftung auf der Straße.

Gibt es eine Winterreifenpflicht 2018? 

Immer wieder kommt die Frage auf, ob man wirklich verpflichtet ist, mit Winterreifen zu fahren. Die Antwort kennt Ulrich Buckmann. Er ist Spezialist für den Bereich Verkehr und Technik beim ADAC Hessen-Thüringen. Buckmann erklärt gegenüber der HNA: Die sogenannte „situative Winterreifenpflicht“ wurde nach dem Debüt im Jahr 2005 in den Jahren 2010 und 2017 noch einmal präzisiert. Die letzten Änderungen sind am 1. Juni 2017 in Kraft getreten. Die wichtigen Punkte zur aktuellen Winterreifen-Verordnung sind:

  • Nur wenn bei tatsächlich winterlichen Straßenverhältnissen (Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte) mit einem Kraftfahrzeug gefahren wird, ist auf diesem eine anerkannte Winterbereifung Pflicht. 
  • Die „Winterreifenpflicht“ ist nicht an jahreszeitliche Termine gebunden. 
  • Auf nicht-winterlichen Straßen darf zu jeder Jahreszeit mit Reifen gefahren werden, die nicht als Winterreifen (also Sommerreifen) gelten.

Wie alt dürfen Winterreifen sein?

ADAC-Experte Ulrich Buckmann hat Orientierungswerte für das Alter von Reifen:

  • Sommerreifen sollten nicht älter als 8 Jahre, allerhöchstens 10 Jahre sein.
  • Winterreifen (wie auch Ganzjahresreifen) büßen bereits ab etwa 6 Jahren einen Teil ihrer Wintereigenschaften ein. Von einer Nutzung von Reifen die älter als 8 Jahre sind, rät der ADAC-Spezialist grundsätzlich ab.

Ein nochmals ein bis zwei Jahre früherer Austausch kann laut Buckmann mehr Sicherheit bringen - und hat zudem den Vorteil, dass das Auto mit der jeweils aktuellen Reifentechnologie bestückt ist. Gerade die regelmäßig durchgeführten ADAC-Reifentests zeigen, dass die Reifenhersteller die Entwicklung deutlich und permanent vorantreiben. Buckmann klärt auf: "Unabhängig vom Alter empfehlen wir, Sommerreifen mit einer Restprofiltiefe von 3 Millimetern, Winterreifen und Ganzjahresreifen bereits mit 4 Millimetern zu wechseln. Gute Bereifung ist also kein Luxus, sie stellt ein wesentliches Sicherheitselement am Auto dar. Man sollte hier nicht an der falschen Stelle sparen."

Wer bei Reifen spart, spart am Ende an der falschen Stelle, denn es geht um Sicherheit: Schon nach sechs Jahren büßen Winterreifen einen Teil ihrer Eigenschaften ein. Wer gebrauchte Reifen oder Räder kauft, sollte Exemplare wählen nicht nicht älter als drei bis vier Jahre sind - sonst hat man wenig vom Kauf. 

Das Alter der Reifen ist mit Monat und Jahr auf dem Reifen unter der Markierung „DOT“ abzulesen, sagt Jörg Imm.

Wie hoch muss der Luftdruck bei Winterreifen sein?

Grundsätzlich gilt die Empfehlung des ADAC: "Zu niedriger Reifenfülldruck hat einige Nachteile: Zum einen belastet er wegen des höheren Kraftstoffverbrauchs und der geringeren Laufleistung Geldbeutel und Umwelt." Wer mit zu wenig Druck fährt, läuft auch Gefahr, seine Reifen zu ruinieren. Denn durch die Erwärmung beim Fahren kann es dann zu einem Reifenschaden kommen, der meist ins Geld geht. Und: Mit weniger Reifendruck hat das Auto im Zweifelsfall auch einen längeren Bremsweg. Das ist zunächst unabhängig davon, ob man mit Sommer- oder Winterreifen unterwegs ist.

Grundsätzlich empfehlen Kfz-Experten: Im Winter sollte der Luftdruck um 0,2 bar erhöht werden. Bar ist in der Physik die Einheit für Druck. Bei dem meisten Autos liegt der vom Hersteller empfohlene Reifendruck bei 2 bis 2,2 bar. Wer also beispielsweise sonst 2,2 bar in den Sommerreifen hat, der sollte die Winterreifen getrost mit 2,4 bar Druck versehen.

Hier kann man im Auto die Angabe finden, welcher Luftdruck benötigt wird: 

  • im Handbuch des Herstellers
  • in der Tankklappe
  • an der Türsäule des Fahrers als Aufkleber

Wie hoch der Luftdruck sein muss, hängt vom Fahrzeugtypen und der Beladung ab - wer viel geladen hat, braucht mehr Druck auf den Reifen. Alle ein bis zwei Wochen sollte man den Reifendruck als Fahrer prüfen.

Sollte man gebrauchte Winterreifen kaufen?

Insbesondere gebrauchte Winterräder (also Kompletträder) werden häufig im Internet angeboten. Der Vorteil ist sicherlich der deutlich günstigere Preis im Vergleich zu Neureifen. Allerdings sollte man laut ADAC-Experte darauf achten, dass die Reifen hier nicht älter als 3 maximal 4 Jahre sind, da sonst die Nutzungsdauer stark verkürzt ist.

Die Videos wurden nicht von der HNA erstellt, sondern sind Bestandteil der externen Videoplattform Glomex.

Welche Profiltiefe brauchen Winterreifen?

Die Profiltiefe sollte mindestens noch 6 Millimeter betragen, da sonst der Kauf eines gebrauchten Reifens keinen Sinn ergibt. Grundsätzlich sollte man die Reifen vor der Übernahme und Bezahlung auf Schäden und Fremdkörper (zum Beispiel: Nagel in Lauffläche) ganz genau untersuchen. Ab 4 Millimetern Profiltiefe wird es laut ADAC schon ziemlich kritisch - die Haftung nimmt ab diesem Wert zusehends ab. Dadurch steigt die Unfallgefahr.

Die gesetzliche Profiltiefe beträgt mindestens 1,6 Millimeter. Jedoch sollte man aus Gründen der eigenen Sicherheit - und die anderer Verkehrsteilnehmer - nie so lang warten, bis die Reifen derart abgefahren sind.

Was darf es in der Werkstatt kosten, wenn man Winterreifen aufziehen lässt?

Ein Thema, das fast jeden interessiert ist der Preis für den Wechsel der Reifen. Buckmann sagt: "Sofern hier lediglich die Montage von Kompletträdern gemeint ist, bieten diese Dienstleistung die meisten Reifenfachbetriebe und Autohäuser für einen Preis von 20 bis 40 Euro an." 

Ein Auswuchten der Räder, was gerne oft mitverkauft wird, sei nicht zwingend erforderlich, insbesondere dann, wenn die Räder im Winter davor keinerlei Probleme bereitet hätten (Vibrationen im Lenkrad).

Worauf muss ich beim Kauf von Winterreifen noch achten?

Winterreifen wurden bisher mit „M+S“ für „Matsch und Schnee“ gekennzeichnet. Ab dem 1. Januar 2018 müssen neu produzierte Winterreifen aber mit einem Schneeflocken-Symbol gekennzeichnet sein. Diese wurden speziell auf ihre Wintertauglichkeit geprüft. 

Die Übergangszeit ist relativ lang: Reifen, die nur mit „M+S“ gekennzeichnet sind, dürfen noch bis zum 30. September 2024 benutzt werden.

Sind runderneuerte Winterreifen empfehlenswert?

Zuerst die Definition: Ein runderneuerter Reifen ist ein Reifen dessen alte beziehungsweise abgenutzte Lauffläche aufgeraut oder abgeschält wird, um dann eine neue Lauffläche im Vulkanisierungsverfahren aufzubringen. 

Dies kann tatsächlich bis zu einem Drittel günstiger sein als die Herstellung eines Neureifens. "Grundsätzlich zunächst einmal keine schlechte Idee, da dies Ressourcen spart", sagt Buckmann. Der Experte ergänzt, dass runderneuerte Reifen im Pkw-Bereich heutzutage eine eher untergeordnete Rolle spielen. Denn es gibt neben dem niedrigen Preis auch negative Aspekte: "Runderneuerten Reifen mangelt oftmals an einer gewissen Trocken und Nassfahr-Performance im Vergleich zu den Fahreigenschaften von Neureifen der Markenhersteller. Da Neureifen im Internet mittlerweile sehr preiswert angeboten werden, stellt sich die berechtigte Frage ob man auf die (teilweise) nur unwesentlich günstigeren Runderneuerten zurückgreifen sollte."

Woher weiß ich, welche Reifen zum Auto passen?

Im Fahrzeugschein ist nur die kleinste Größe passender Reifen angegeben, sagt Imm. Die EWG-Übereinstimmungsbescheinigung, die jeder Autohalter hat, führt alle Reifen auf, die am Wagen angebracht werden können. Eine Fachwerkstatt könne diese Informationen auch über das System abfragen. „Aber es ist besser, wenn man die Papiere gleich dabei hat.“

Was sagen mir die Energiehinweise auf den Reifen?

Auf den Reifen sind beim Kauf Hinweise für den Spritverbrauch, das Nassverhalten – also die Haftung bei Regen – und die Lautstärke angebracht. Meist seien Winterreifen lauter und verbrauchten mehr Sprit als Sommerreifen, aufgrund der Materialeigenschaften, sagt Jörg Imm.

Worauf muss ich achten, wenn ich selbst die Reifen wechseln will?

„Beim Reifenwechsel muss der Reifen auf Schäden überprüft werden“, sagt Jörg Imm. Außerdem sollten die besseren Reifen auf die Hinterräder gezogen werden, weil sich das Auto über die Hinterachse stabilisiert. „Und man muss auf die Laufrichtung achten.“ Die sei auf manchen Reifen durch einen Pfeil markiert. „Besser ist es aber, in eine Fachwerkstatt zu gehen.“ 

So macht es der Fachmann: Kfz-Mechaniker Jörg Schnitzerling zieht Winterreifen im Autohaus Bindschus auf.

Der Profi könne eventuelle Mängel an Bremsen, Reifen und Aufhängung routiniert feststellen und zum Beispiel die Reifen „wuchten“ - wenn sie wirklich nicht korrekt auf der Felge sitzen – sonst schlackert das Lenkrad.

Was mache ich mit den Reifen im Sommer?

Viele Werkstätten lagern Reifen für circa 50 Euro pro Saison ein, sagt Jörg Imm. Wer Platz hat und Geld sparen will, sollte einen dunklen und kühlen Lagerort wählen, um das Material zu schonen. Im Prinzip könnte man auch im Sommer mit Winterreifen fahren. Aber: Das Fahrverhalten ist damit laut Imm anders als gewohnt und die Reifen nutzen sich schneller ab.

ADAC Winterreifentest 2018

Wie jedes Jahr hat der ADAC auch 2018 den Test bei Winterreifen gemacht. Was bei diesem Test auffiel: Die teuren Marken schnitten nicht unbedingt mit den besten Noten ab. Auf dieser Seite erfahren Sie alle Details und Ergebnisse zum ADAC Winterreifentest 2018.

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