22.000 Tonnen Kompost

So wird aus Biomüll Energie und Komposterde

+
Das wird aus Biomüll: Umweltschutztechniker Stephan Margraf ist stolz auf den in der Biokompostierungsanlage Lohfelden produzierten Kompost. 

In der Kompostierungsanlage in Landkreis Kassel wird aus Biomüll Energie und Komposterde hergestellt. Wir erklären, wie das funktioniert.

Ein stinkender, schwarzer Berg liegt in Lohfelden. Es sind die Reste von rund 70 000 Biomülltonnen im Landkreis Kassel, die nicht verwertet werden können. Und das, obwohl der Großteil des Haufens aus Holz besteht. Das Problem: Unzählige bunte Plastiktüten. Wegen ihnen muss der ganze Abfallberg verbrannt werden. So entsteht unnötig viel CO2-Ausstoß, wo ein Recyclingkreislauf möglich wäre.

44 000 Tonnen Bioabfall kommen jährlich auf der Kompostierungsanlage in Lohfelden an. Bis zu 20 Müllwagen liefern hier täglich ab, was in den Küchen des Landkreises weggeworfen wird. Ein Blick auf den Abfall verrät: Hier ist nicht alles „Bio“. „Die Sensibilität für eine ordentliche Getrenntsammlung geht verloren“, stellt Uwe Pietsch, Betriebsleiter der Abfallentsorgung Kreis Kassel, fest. Zwischen korrekt einsortierten Obst- und Gemüseabfällen sowie Laub und Baumschnitt finden sich auch Plastiktaschen, Reifen und Glas. Manche verdorbenen Lebensmittel sind in Plastik eingepackt.

„Wir machen uns den Bioabfall mehrfach zunutze“, sagt Stephan Margraf, Umweltschutztechniker in Lohfelden. Aus 32 000 Tonnen Bioabfall wird in der Vergärung Energie gewonnen – Strom und Wärme, für die Anlage und die Gemeinde Lohfelden. 12 000 Tonnen gehen in die Kompostierung und werden später mit den Gärresten wieder zusammengeführt. Das Gemisch wird weitere vier bis sechs Wochen gelagert. In dieser Zeit tun spezielle Kompostbakterien ihren Dienst und zersetzen das Material.

Sascha Arend ist Mitarbeiter auf der Kompostanlage Fuldatal. Er steht neben einer Schaufel Biomüll, die zum Kompostieren eingelagert wird.

Der so entstandene Kompost wird von den falsch einsortierten Materialien getrennt. Dabei gehen bis zu 6000 Tonnen an Masse verloren. Das meiste von diesem „Siebüberlauf“ sind große Holzstücke. „Wären sie nicht mit Fremdstoffen vermischt, könnte man es zerkleinern und der Bioabfall vollständig recycelt werden“, sagt Stephan Margraf. Stattdessen zahle die Kompostierungsanlage rund 100 Euro pro Tonne, um das nicht-zersetzte Material zu entsorgen.

Die entstandenen 22 000 Tonnen Kompost werden auf dem Recyclinghof Lohfelden verkauft – pur oder als Bestandteil von Garten-, Pflanz- und Blumenerde. Er ist laut Abfallentsorgung frei von Unkrautsamen, Krankheitserregern und Schadstoffen. Die Qualität wird durch ein unabhängiges Institut überprüft. 50 Prozent der produzierten Erden haben demnach Bioqualität, sagt Stephan Margraf.

Wie man Plastik vermeidet, macht der Recyclinghof vor. Die Kompostprodukte werden nicht mehr fertig abgepackt verkauft. „Kunden sollen am besten ihre eigenen Behälter mitbringen“, sagt Sabine Grunewald von der Abfallentsorgung. Wem das nicht möglich ist, für den stehen Mehrwegbeutel in 50 und 100 Liter Größen bereit.

Hintergrund: Das kommt in die Biotonne

• Obst- und Gemüseabfälle 

• Kaffeefilter 

• Teebeutel 

• Laub 

• Moos 

• holziger Baum- und Strauchschnitt 

• Rasenschnitt 

• Wildkräuter 

• verwelkte Blumen 

• Zeitungspapier zum Einwickeln von Speiseresten 

Eine Orientierung bietet der Abfallkompass der Abfallentsorgung Kreis Kassel. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.