Nach langer Kreistags-Debatte

Zähes Ringen um Windkraft: 20 Anlagen sollen im Reinhardswald entstehen

Kreis Kassel. Ärger um Windkraft im Reinhardswald: Der Plan lokaler Akteure, 20 Anlagen in dem nordhessischen Forst aufzubauen, sorgte für eine Debatte im Kreistag in Kaufungen.

Ausgangspunkt war der AfD-Antrag „Hände weg vom Reinhardswald“, in dem die Fraktion unter anderem gefordert hatte, dass der Landkreis beim Land Hessen darauf pocht, „sämtliche Aktivitäten“ rund um den Bau von Windanlagen „sofort einzustellen“ und die „Genehmigungen zurückzuziehen“. Auch die Grünen, die FWG und die FDP hatten Änderungsanträge eingereicht, die diskutiert wurden.

Steiniger Weg

Letztlich stimmte die Mehrheit für den Änderungsantrag der Grünen, in dem das Land aufgefordert wird, bei Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen die Großräumigkeit des Naturraumes Reinhardswald und mögliche Barrierewirkungen für die Fauna zu berücksichtigen. Die Windräder werden demnach von der Projektgesellschaft Windpark Reinhardswald gebaut. Bis zur Abstimmung war es allerdings ein langer Weg. AfD-Fraktionsvorsitzender Florian Kohlweg eröffnete die Debatte: „Wir wollen nicht die Energiewende infrage stellen, sondern sprechen uns für den Erhalt des Reinhardswaldes aus.“

Zwiespältiger sah man das Thema bei den Grünen: Stefanie Weinert und Edmund Borschel betonten „die großen Probleme“ ihrer Partei, Energiewende und Naturschutz in Sachen Reinhardswald zusammenzubringen. Nach innerparteilichen Reibereien sei nun die Grundlage ihres Antrags, dass für den Ausbau der Anlagen Flächen genutzt werden, die durch Friederike und Kyrill ohnehin zerstört seien.

Borschel kritisierte indes Albert Kauffelds (FWG) Aussage, das Projekt sei profitorientiert. Die FWG hatte in ihrem Antrag für einen Stopp des Bauprojekts plädiert. „Hessen Forst hat nur noch Dollarzeichen in den Augen“, sagte Kauffeld. Und: Komme ein Windpark, kämen weitere. Dann sei der Reinhardswald Geschichte. Der Antrag der FWG wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt.

Auch die FDP sprach sich gegen die Baupläne aus: „Wir stehen zur Energiewende, aber sie muss Sinn machen“, sagte der Fraktionsvorsitzende, Björn Sänger. Problematisch sei, dass man Windenergie nicht gut speichern könne. Die FDP-Forderung, das Windpark-Projekt abzubrechen, fand keine Mehrheit – die Entwicklung eines neuerlichen Rahmenplans, wie die Energiespeicherung im Landkreis Kassel vorangetrieben werden könne, schon. Gegenwind für die Windpark-Pläne gab’s auch von Klaus Albrecht von den Linken: „Es ist eine Kulturschande, wenn im Reinhardswald auch nur ein Windrad gebaut wird.“

Energiewende vorantreiben

Albrechts Aussage griff Andreas Mock (CDU) in seinem Plädoyer für die 20 neuen Windräder auf: „Wäre die Aussage von der AfD gekommen...“, sagte er schmunzelnd und erntete Applaus. Mock ging, wie Borschel auch, auf Albert Kauffelds Aussage ein: „Wir wollen den Windpark ebenso wenig platt machen wie Sie.“ Dennoch müsse die Energiewende weitergehen und das ginge mit Windrädern. „Wir lehnen also die Anträge ab“, schloss Mock. Der SPD-Mann Timon Gremmels betonte, dass über sieben Jahre an einem Regionalplan gearbeitet wurde, damit der Umweltschutz im Reinhardswald nicht zu kurz komme. „Es ist populistisch zu sagen, dass der Wald durch die Windräder verschandelt wird.“ Die SPD stimmte dem Grünen-Antrag in der Mehrheit zu.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Thomas Thiele

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