1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel

Kreiskommunen planen keine Städtepartnerschaften mit der Ukraine

Erstellt:

Von: Sebastian Schaffner

Kommentare

Hatten kürzlich beim Treffen in Kiew Städtepartnerschaften zwischen beiden Ländern angeregt: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (links) und Wolodymyr Selensky, Präsident der Ukraine.
Hatten kürzlich beim Treffen in Kiew Städtepartnerschaften zwischen beiden Ländern angeregt: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (links) und Wolodymyr Selensky, Präsident der Ukraine. © Michael Kappeler/dpa-Bildfunk

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Präsident Wolodymyr Selensky rufen zu deutsch-ukrainischen Städtepartnerschaften auf. Wie kommt das im Kreis Kassel an?

Kreis Kassel – Rund 100 Städtepartnerschaften gibt es zwischen Deutschland und der Ukraine. Geht es nach den beiden Staatsoberhäuptern, sollen es mehr werden. Das Signal an Moskau soll lauten: „Euer Krieg wird uns nicht spalten – er wird uns noch näher zusammenbringen, als Deutsche, Ukrainer und als Europäer.“ So heißt es in dem Appell, den Steinmeier und Selensky kürzlich bei einem Treffen in Kiew verabschiedet haben. Auch im Landkreis Kassel ist diese Aufforderung angekommen. Die Kommunen im Kreis zeigen sich zwar grundsätzlich offen, reagieren aber vorerst mit Zurückhaltung.

Baunatals Bürgermeisterin Manuela Strube bezeichnet den Vorstoß „als gute und unterstützenswerte Idee als Zeichen der Gemeinschaft“. Die Stadt stellt allerdings gerade ihre vier Partnerschaften unter dem Dach eines Vereins auf ein neues Fundament. „Eine Aufgabe, die es erst einmal anzupacken und zum Laufen zu bringen gilt, sodass die Gründung einer weiteren Städtepartnerschaft für uns als Stadt erst einmal nicht in Frage kommt.“

Auch in Vellmar ist eine neue Partnerschaft derzeit kein Thema. „Solange in der Ukraine der Kriegszustand anhält, glauben wir, dass die Menschen dort vor allem Hilfe benötigen“, sagt Bürgermeister Manfred Ludewig. „Sollten sich allerdings Kontakte durch die ukrainische Community ergeben, sind wir nicht abgeneigt“. In Vellmar leben rund 150 ukrainische Flüchtlinge aus 40 Städten. Denkbar ist laut Ludewig auch eine Partnerschaft auf Landkreisebene.

Sollten Kommunen derartige Pläne verfolgen, werde der Landkreis seine Unterstützung anbieten, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn.

„Vom Schreckensszenario des Krieges geprägt ist es naheliegend, eine Städtepartnerschaft mit der Ukraine anzuregen“, sagt Wolfhagens Hauptamtsleiter Kai Liebig. Ob ein solches Bündnis auf Dauer tragfähig ist, müsse man genau abwägen. Wolfhagen hat nämlich nicht nur gute Erfahrungen mit Partnerschaften gemacht. Die Unterschrift auf der Urkunde mit der italienischen Klein-stadt Meldola war gerade trocken, da brach der Kontakt nach einem Bürgermeisterwechsel auch schon wieder ab. Vor drei Jahren klappte das Wolfhager Stadtparlament das Freundschaftsbuch wieder zu. Deshalb, so Liebig, sei in der Stadt eine gewisse Zurückhaltung auszumachen. „Eine Partnerschaft mit Leben zu füllen, erfordert viel Zeit und Engagement.“

In Calden reagiert Maik Mackewitz ein wenig verwundert auf den Appell der beiden Präsidenten. „Städtepartnerschaften wachsen ja normalerweise von innen und werden nicht von außen angestoßen.“ Ausschließen wolle der Bürgermeister aber nichts, zumal es über die Partnerschaft mit der ungarischen Stadt Ráckeve eine Verbindung in die Ukraine gebe. Denn die Kleinstadt südlich von Budapest habe freundschaftliche Beziehungen in die Ukraine. „Am ehesten könnte ich mir vorstellen, über diese Dreiecksbeziehung Fühlung aufzunehmen“, sagt Mackewitz.

Offen zeigt sich auch die Stadt Hofgeismar. „Konkrete Gespräche dazu hat es aber noch nicht gegeben“, heißt es aus dem Rathaus.

Noch gänzlich ohne Partner steht die Gemeinde Fuldatal dar. Das wird sich vorerst wohl auch nicht ändern. Es habe sich bislang nichts ergeben, sagt Büroleiter Martin Gronemann: „Eine Partnerschaft steht aber auch nach der Reise des Bundespräsidenten politisch nicht ganz oben auf unserer Liste.“ Wichtiger seien die aktuellen Herausforderungen vor Ort wie die Energiemangellage und die Erstaufnahme für Flüchtlinge.

Auch interessant

Kommentare