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Kreistag diskutierte kontrovers über Gendersprache

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Von: Sebastian Schaffner

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Löste eine Debatte im Parlament aus: Eine mit Gendersternchen versehende Broschüre, die auf der Internetseite des Landkreises abrufbar ist. Darin heißt es: „Es wird ein*e gleichgeschlechtliche*r und gleichaltrige*r Ersatzteilnehmer*in gemeldet.“
Löste eine Debatte im Parlament aus: Eine mit Gendersternchen versehende Broschüre, die auf der Internetseite des Landkreises abrufbar ist. Darin heißt es: „Es wird ein*e gleichgeschlechtliche*r und gleichaltrige*r Ersatzteilnehmer*in gemeldet.“ © Sebastian Schaffner

Sollte der Kreis Kassel auf seinen Internetseiten und in Ausschreibungen das Gendersternchen verwenden? Das hat im Kreistag für eine Debatte gesorgt.

Kreis Kassel – Die CDU hatte gefordert, dass der Landkreis auf den umstrittenen Platzhalter bei Personenbezeichnungen verzichten soll, weil er nicht dem amtlichen Regelwerk entspricht. SPD und Grünen war das aber egal.

Um für ihr Ansinnen zu werben, hatten die Christdemokraten ein Beispiel aus einer Broschüre der Jugendförderung und des Jugendbildungswerks mitgebracht, die auf der Homepage des Landkreises zu finden ist. Darin heißt es: „Es wird ein*e gleichgeschlechtliche*r und gleichaltrige*r Ersatzteilnehmer*in gemeldet.“

So ein Satz, argumentierte Andreas Mock von der CDU, sei „nicht nur für einen normalen Leser eine Zumutung, er ist für Menschen mit unterdurchschnittlichen Deutschkenntnissen nahezu unlesbar.“ Die Sternchen, aber auch Doppelpunkte und Unterstriche, würden dafür sorgen, dass von Sprachprogrammen vorgelesene Texte für blinde Menschen nicht verständlich seien. Auch Legastheniker und Nicht-Muttersprachler hätten Probleme mit den Sonderzeichen. „Unbestritten ist eine inklusive Sprache wichtig, jedoch muss diese verständlich bleiben.“

Björn Sänger (FDP) sprach sich ebenfalls gegen die Sternchen aus. „Wir sollten bei allen guten Grundsätzen alle Menschen mitnehmen.“ Albert Kauffeld (FW) machte seinem Ärger lautstark Luft, dass es angesichts der Energiekrise im Parlament um geschlechtersensible Sprache gehe: „Wir stehen vor einem harten Winter und diskutieren hier übers Gendern. Ich bin echt sauer.“

Auch die AfD schlug sich auf die Seite der CDU. Volker Richter bezeichnete das Gendern als „Blödsinn“, Florian Kohlweg warf Befürwortern „politische Ideologie“ vor.

Das wies Thomas Gudehus von den Grünen zurück, der davor warnte, dem Ideologie-Begriff der AfD auf den Leim zu gehen. Seine Parteifreundin Juliane Kothe sagte, Gendern sei wichtig und für alle verständlich möglich. Der fraktionslose Linke Jan Kersting forderte: „Lassen sie uns nicht so viel über das Gendern sprechen, lassen Sie es uns einfach machen.“

So kam es dann auch: Die Mehrheit von SPD, Grünen und den zwei fraktionslosen Linken-Abgeordneten lehnte den CDU-Vorstoß ab – allerdings ohne explizit zu begründen, was für das Gendersternchen spricht.

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