Zwischen Sorgen und Schulaufgaben

Künftige Abiturienten der Herderschule berichten von ihrem Unterrichtsalltag

Machen 2021 ihr Abitur an der Herderschule: Amelie Lettau (von links), Emma Zabel, Max Mohr, Jan Mosenhauser und Leon Spier.
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Machen 2021 ihr Abitur an der Herderschule: Amelie Lettau (von links), Emma Zabel, Max Mohr, Jan Mosenhauser und Leon Spier.

Während des Corona-Lockdowns wurde insbesondere auf die Abiturienten geschaut. Doch nun sitzt ein neuer Abiturjahrgang in den Klassenzimmern. Wie geht das Schuljahr weiter?

Kreis Kassel - Wie wird der ausgefallene Unterricht kompensiert? Und fühlen sie sich gut vorbereitet? Wir sprachen mit Schülern der Herderschule in Kassel, ein Oberstufengymnasium des Landkreises Kassel.

Homeschooling während Corona-Lockdown

„Am Anfang konnte ich es mir gar nicht vorstellen, dass das bei uns passiert“, sagt Leon Spier, und meint den Lockdown. Er ist 18 Jahre alt, kommt aus Vellmar und hat die Leistungskurse Physik und Deutsch. Er habe noch für eine Klausur gelernt – die sei dann ausgefallen. Weiter ging es dann zu Hause. Anfangs habe es teilweise Probleme gegeben, das sei aber schnell besser geworden.

Emma Zabel sagt, dass manche Lehrer direkt eine Mail geschickt haben, andere Klassenkameraden „haben nach drei Wochen immer noch nichts gehört“. Sie ist 18 Jahre als, kommt aus Fuldatal und hat die Leistungskurse Deutsch und Englisch. Auch für Amelie Lettau, 17 Jahre alt, aus Kassel mit den Leistungskursen Politik und Wirtschaft und Physik, sei die Situation, über die vorher noch gescherzt wurde, ziemlich schnell real geworden.

Rückkehr in die Herderschule

Am 18. Mai ging der Unterricht für die Schüler der Jahrgangsstufe Q2 (12. Klasse), die jetzt die Q3 besuchen (13. Klasse), wieder los, erklärt Jan Mosenhauer. Der 18-jährige Vellmarer hat die Leistungskurse Mathe und Chemie. Erst einmal seien nur Mathe, Deutsch und die beiden Leistungskurse unterrichtet worden. „Die Klausuren wurden teilweise nachgeholt“, erzählt der Schüler. Außerdem sei versucht worden, die Stundenpläne zu entzerren und die Klassen aufzuteilen.

Haben die Schüler Angst, dass ihnen wichtiger Stoff durch den Lockdown entgangen ist? „Die Lehrer haben die Pflicht, alles zu wiederholen“, sagt Amelie Lettau. Sie habe ihre Schwerpunkte auf die Fächer Deutsch und Mathe gelegt, deshalb fühle sie sich da gut vorbereitet. Allerdings sei es zu Hause manchmal schwierig gewesen, sich zu konzertieren, weil sie zwei Brüder habe.

„Nicht jeder konnte gut selbstständig arbeiten“, sagt Max Mohr, auch wenn das bei ihm kein Problem gewesen sei. Er ist 18 Jahre alt, kommt aus Lohfelden und hat die Leistungskurse Biologie und Englisch. Probleme ergäben sich vielmehr in den Fächern, in denen lange kein Präsenzunterricht stattfand: „Ich möchte mich vielleicht in Ethik prüfen lassen“, sagt Jan Mosenhauser, doch da sei viel verloren gegangen. „Es bleibt die Frage, wie am Ende alle auf dem gleichen Stand sein sollen“, sagt Amelie Lettau.

Notenvergabe an der Herderschule

„Wer mündlich stark war von Januar bis März, hatte Glück“, aber klausurenstarke Schüler blieben auf der Strecke, beschreibt Leon Spier die Situation, denn nicht alle Klausuren wurden nachgeholt. Max Mohr sagt, dass er Medizin oder Zahnmedizin studieren möchte und deshalb einen bestimmten Numerus Clausus (NC) als Ziel habe – im vergangenen Halbjahr seien viele höhere Notenpunkte aufgrund der geringeren Bewertungsgrundlage weggefallen.

Emma Zabel erzählt, dass sie mit einer Lehrerin über ihre Note am Telefon diskutiert habe – sie hielt sie für nicht gerechtfertigt, habe aber keine bessere heraushandeln können.

Fazit und Ausblick auf die Zukunft - Wie geht es trotz Corona weiter?

Während des Lockdowns sei es leichter gewesen, einen Ausgleich zum Lernen zu schaffen, findet Max Mohr – der ständige Klausurendruck sei weggefallen, und somit habe er neuen Stoff besser aufnehmen können. „Ich fühle mich in keinem Fach schlecht vorbereitet“, sagt Jan Mosenhauser – inzwischen sei der Unterricht fast schon so wie immer.

Amelie Lettau gesteht, schon etwas Angst vor einem zweiten Lockdown zu haben. Bereits jetzt sei klar, dass der jetzige Abiturjahrgang nicht die gleiche Chance auf Wissen habe wie andere. Max Mohr macht sich Sorgen in Hinblick auf die Studienplatzbewerbung: Andere Jahrgänge könnten womöglich bevorzugt werden, aus Angst, dass den Abiturienten 2021 das Wissen fehle. „Es herrscht schon ziemlich viel Ungewissheit“, findet auch Emma Zabel.

Leon Spier spricht das Thema Berufsvorbereitung an: Der Austausch darüber, welche Ausbildung nach dem Abitur am besten ist, fehle. Damit verbunden sei die Sorge um die Zukunft: Viele Unternehmen leiden während der Krise und haben weniger freie Jobs zu vergeben.

Schüler der Herderschule bedauern Ausfall von Fahrten und Veranstaltungen

Neben dem Unterricht und den Klausuren fällt für die Schüler ein weiterer wichtiger Teil weg: Veranstaltungen und Fahrten. „Die soziale Komponente fehlt“, sagt Jan Mosenhauer – er habe wie viele andere seinen 18. Geburtstag nicht feiern können. Außerdem gebe es keine Abi-Partys, wodurch sonst Geld für den Ball gesammelt werde – ob der stattfindet, steht laut Emma Zabel noch in den Sternen.

„Es ist schon belastend, dass wir Chancen verpassen“, findet Amelie Lettau. Die ausgelassene Zeit, die jetzt verloren geht, bekomme man schließlich nicht zurück. „Normalerweise wären wir jetzt auf Abschlussfahrt“, sagt Max Mohr – mit diesem Hintergedanken im Kopf sei es schwer, sich für den Schulstoff zu motivieren. Leon Spier fügt hinzu, dass es auch viel weniger Austausch unter den Mitschülern gebe, weil schließlich Kontaktbeschränkungen gelten. Amelie Lettau bedauert es sehr, dass keine musikalischen Veranstaltungen stattfinden – sie spielt im Orchester und vermisse das sehr.

Wer das Abiballkomitee 2021 der Herderschule als Sponsor unterstützen möchte, kann sich melden unter: abi2021herderschule@gmail.com

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