Stadt stellt auch Tourtheater und Kabarett ein

Nach Aus für den Herbstpalast: Was bleibt von Baunatals Kultur?

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In den vergangenen Jahren gehörte der Baunataler Herbstpalast mit Konzerten wie von Youtube-Star Mike Singer zum festen Bestandteil der Baunataler Kulturlandschaft. Ab diesem Jahr wird es wohl deutlich weniger von der Stadt veranstaltete Events auf den Bühnen Baunatals geben.

Man könnte sagen, der Haushaltsentwurf von Baunatals Bürgermeisterin Silke Engler (SPD) hat kein Herz für Kultur. Doch er eröffnet auch Chancen für die freie Szene.

Der Sparkurs, den die Stadt Baunatal angesichts der ausbleibenden VW-Millionen bei den Gewerbesteuereinnahmen für das Jahr 2019 und darüber hinaus fährt, schlägt sich in allen Bereichen nieder: Infrastruktur, Bildung, Vereinsleben und Kultur. Gerade bei Letzterem machen sich die Budgetkürzungen bemerkbar.

Den Herbstpalast, der 2018 alleine 35 000 Euro an Sachkosten mit sich brachte, wird es ab sofort nicht mehr geben (wir berichteten). Auch Geld für das Tourtheater in der Stadthalle ist im Haushaltsentwurf 2019 nicht mehr vorgesehen. Theaterveranstaltungen schlugen im vergangenen Jahr nach Angaben des Rathauses mit einem Minus von 13 500 Euro zu Buche. Darüber hinaus werden die Multivisionsschauen (5000 Euro) und das Kabarett im Stadtteilzentrum (5300 Euro) im Sommer eingestellt. Laut Stadt stand zum Jahresabschluss ein Minus von 58 800 Euro für kulturelle Veranstaltungen. Was bleibt nun übrig von Baunatals Kultur?

Als Ersatz für den Herbstpalast hat Bürgermeisterin Silke Engler (SPD) mehr Agenturveranstaltungen in der Stadthalle in Aussicht gestellt, mit denen die Stadt kein finanzielles Risiko eingehen würde – allerdings frühestens ab 2020. Für dieses Jahr findet sich im Kalender der Stadthalle an großen Veranstaltungen außer einem Atze Schröder-Konzert im April, einer Show des Magiers Farid im Mai und zwei Auftritten von Jürgen von der Lippe Anfang Oktober wenig.

Im Gespräch mit der HNA betonte Engler, lokalen Künstlern weiterhin Räume kostenfrei zur Verfügung stellen zu wollen. Aufstrebenden Nachwuchsmusikern sollen auch künftig bei größeren Veranstaltungen wie dem Stadtfest Ende Juni prominente Slots auf den Bühnen in der Innenstadt eingeräumt werden. Generell wolle Engler sich im zweiten Halbjahr mit den Kulturschaffenden in Baunatal zusammensetzen, um ein neues Kulturkonzept für die Stadt zu entwickeln. Wie das konkret aussehen könnte, ist bislang nicht bekannt. Ein offener Prozess sollen die Gespräche werden, sagte Engler. Und es soll eine Antwort auf die Frage gefunden werden, was Kultur in Baunatal bedeutet.

Joachim Arndt, Leiter der Musikschule, befürchtet, dass ein Kulturprogramm, wie es bisher in Baunatal bestand, nur schwer wiederbelebt werden könne, wenn es einmal verschwunden sei. Aber: „Wenn ich mir die Finanzlage der Stadt anschaue, habe ich auch Verständnis für die Entscheidung.“ Dennoch: „Ohne Geld kann man keine Kultur machen. Irgendwoher müssen die Mittel kommen.“ Die Musikschule werde das Loch in die kulturelle Landschaft der Stadt nicht stopfen können. Das sei über die Bildungsarbeit der Schule und den bereits jetzt straffen Veranstaltungsplan mit circa 120 Veranstaltungen im Jahr – davon etwa ein Drittel öffentlich – hinaus nicht machbar. Arndt versicherte aber: „Wir werden unseren Veranstaltungsteil in diesem Umfang aufrecht erhalten.“

Vom Kunst- und Kulturverein Baunatal hieß es auf Anfrage unserer Zeitung, dass man die Entscheidung – so sie denn so beschlossen würde – zwar bedaure, aber auch die Lage der Stadt sehe. Man müsse abwarten, bis der Haushalt verabschiedet sei, und anschließend sehen, wie sich die Situation entwickele. Wolfgang Schäfer, Betreiber des Cineplex-Kinos in Baunatal, war bis Redaktionsschluss nicht für ein Statement zu erreichen.

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