Zukunftspapier 2030

Ladesäulen in jedem Dorf - Ausbau im Landkreis Kassel soll beschleunigt werden

Elektroauto tankt Strom an Landesäule.
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Immer mehr Elektroautos sind auf den Straßen zu sehen: Hier in der Baunataler Innenstadt gibt es einige öffentliche Ladestationen. Der Landkreis will die Erweiterung des Netzes künftig für alle Kommunen koordinieren.

Bisher war der Aufbau von Ladeinfrastruktur für Elektroautos den Städten und Gemeinden weitgehend selbst überlassen. Doch ab November könnte das Thema im gesamten Landkreis Kassel an Fahrt aufnehmen.

Kreis Kassel – Dann soll im Kreistag das Entwicklungskonzept 2030 beschlossen werden. Und darin ist laut Landkreissprecher Harald Kühlborn der Aufbau nachhaltiger Verkehrskonzepte ein wichtiges Thema.„Wir betrachten das ganzheitlich“, sagt der Kreissprecher. In einem Unterpunkt „Nachhaltigkeit“ gehe es um die Zukunft von Radverkehr, E-Mobilität und ÖPNV. „Wir werden die koordinierende Rolle für die Kommunen übernehmen“, sagt Kühlborn. Voraussetzung sei, dass das Entwicklungskonzept vom Kreistag auch so beschlossen werde.

Immerhin: Laut Kühlborn gibt es bereits Ladesäulen in fast allen 28 Städten und Gemeinden im Landkreis Kassel – „nur Reinhardshagen fehlt immer noch“. Um eine Übersicht zu bekommen, empfiehlt der Kreissprecher die Internetseite www.goingelectric.de.

Vorangetrieben worden sei der Ausbau im Kreis unter anderem durch die Lage an der Deutschen Märchenstraße. Mehrere touristische Ziele seien schon mit Ladesäulen ausgestattet worden, so zum Beispiel am Gasthaus Zum Lindenwirt in Oberweser und am Parkhotel Emstaler Höhe in Bad Emstal.

Der Landkreis hofft zusätzlich auf die Initiative von Gewerbetreibenden. Ziel sei es, so Kühlborn, ein Angebot nicht nur in jeder Gemeinde zu schaffen, „sondern in jedem einzelnen Ortsteil“.

Als ein Beispiel für ein gewerbliches Engagement nennt Kühlborn die seit 2012 bestehende Solarstromtankstelle Helsa-Wickenrode. Betreiber Aurel Liphardt zeigt sich aber mittlerweile ernüchtert von den Rahmenbedingungen um das private Engagement im öffentlichen Ladenetz.

Er habe 2019 sogar noch eine Schnellladesäule mit 45-kW-Leistung aufgestellt, berichtet der 58-Jährige. Diese werde auch rege genutzt, sagt Liphardt. „Ich lege allerdings Geld drauf.“

Allein die vorgeschriebene Anmeldung bei einem Roaming-Dienst koste allein 5000 Euro, bemängelt der Wickenroder. Und die jetzt geforderte Eichrechtskonformität koste ihn nochmal zwischen 1000 und 3000 Euro. Einen Rabatt – wie etwa bei privaten Wallboxen – werde ihm von den Stromanbietern auch nicht eingeräumt. „Mit jedem Nutzer lege ich Geld drauf“, sagt Liphardt. Er überlege deshalb, die Schnellladesäule wieder zu verkaufen oder diese nur noch für sich privat zu nutzen.

Auch an den Stationen von Bus und Tram will der Kreis künftig Lademöglichkeiten für Autos und Räder schaffen. „Da geht es um die letzte Meile“, sagt der Kreissprecher. Die Menschen, die aus Zug und Bus aussteigen, wollen schließlich mit einem geladenen Fahrzeug das letzte Stück nach Hause rollen. „Da ist es wichtig, Ladestationen zu haben.“ (Sven Kühling)

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