Unterbringungen haben leicht zugenommen

Im Landkreis Kassel leben immer mehr Kinder in Pflegefamilien

+
Symbolbild: Im Landkreis leben mehr Kinder im Pflegeheim.

Auch im Landkreis Kassel gab es eine leichte Zunahme der Inobhutnahmen. Allerdings sind es weniger als im Bundesdurchschnitt. 

Bundesweit leben immer mehr Kinder in Pflegefamilien und Jugendhilfeeinrichtungen. Eine Anfrage der Linken-Fraktion an die Bundesregierung zeigt: von gut 60 000 im Jahr 2008 ist die Zahl auf mehr als 81 000 im Jahr 2017 gestiegen. Auch im Landkreis ist die Zahl der Kinder, die nicht in ihren Herkunftsfamilien leben, gestiegen. Allerdings nicht so stark.

Manfred Schilling, Fachbereichsleiter Allgemeiner Sozialer Dienst

„Es sind geringfügig mehr geworden“, sagt Manfred Schilling, Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes im Landkreis. 2018 hätten sich 218 Kinder in einer Pflegefamilie befunden, fünf Jahre zuvor waren es 191. In Jugendhilfeeinrichtungen waren im vergangenen Jahr 283 Kinder untergebracht, 2014 waren es 267. Der leichte Anstieg könne auch nicht mit der Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge erklärt werden, da diese Zahlen gesondert erfasst werden. „Genau können wir den Anstieg nicht erklären. Aber es gibt durchaus eine Relation mit den Gefahrenmeldungen“, sagt Schilling. Diese steigen seit Jahren, 2018 gab es 450 Meldungen.

„Wir nehmen an, dass Menschen schneller reagieren, wenn sie etwas bemerken. Außerdem tragen unsere Kooperationen, zum Beispiel mit Schulen, mit Kitas und dem Klinikum Kassel Früchte“, erklärt Schilling. Nicht bei jeder Meldung bestehe Gefahr für das Kind, etwa weil Nachbarn Verhalten und Geräusche falsch interpretiert haben. „Da kriegt das Kind zum Beispiel Zähne und schreit deshalb so viel. Natürlich gibt es aber auch andere Fälle“, sagt Schilling. Bestehe eine Gefahr, würde das Jugendamt sofort reagieren.

Dann greift die Inobhutnahme, die vorläufige Unterbringung eines Kindes oder Jugendlichen in einer Notsituation durch das Jugendamt. Diese Inobhutnahmen liegen im Landkreis Kassel in den vergangenen drei Jahren bei 115 bis 120 Fällen. Meistens werde das Kind aber nicht aus der Familie genommen. „Stattdessen unterstützen wir die Familie mit ambulanten Maßnahmen.“ Dazu gehören zum Beispiel mehrfach wöchentliche Besuche von Fachpersonal. „In den meisten Fällen funktioniert das und das Kind kann in der Familie bleiben. Ziel ist ja der Verbleib oder die Rückführung in die Herkunftsfamilie.“

Oft sei nach dem Kontakt mit dem Jugendamt auch die Hemmschwelle gesenkt und Familien würden sich bei Problemen dann selbst wieder Hilfe suchen und sich melden. Das ist auch eine der Erklärungen, warum sich die Zahlen der Inobhutnahmen und der Kinder in Pflegefamilien und Einrichtungen unterscheiden. „Mitunter wenden sich überforderte Familien auch direkt an uns und bitten um die Unterbringung“, sagt Schilling.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.