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Landkreis Kassel setzt auf MVZ im ländlichen Raum

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Von: Alia Diana Shuhaiber

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Moderne Ausstattung: Gynäkologin Angelika Schulze fand den Weg zu Agaplesion, weil sie gerne weniger arbeiten möchte, so etwa administrative Tätigkeiten abgeben kann. Hier ist sie gerade am Ultraschallgerät mit Arzthelferin Sarah Prezetak (von links).
Moderne Ausstattung: Gynäkologin Angelika Schulze fand den Weg zu Agaplesion, weil sie gerne weniger arbeiten möchte, so etwa administrative Tätigkeiten abgeben kann. Hier ist sie gerade am Ultraschallgerät mit Arzthelferin Sarah Prezetak (von links). © Tanja Temme

Kreis Kassel setzt auf Medizinische Versorgungszentren im ländlichen Raum. Regionale Akteure wollen ambulante Versorgung im Landkreis sichern.

Kreis Kassel – Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum beschäftigt die Politik schon seit Jahren. Mit einem zukunftsweisenden Konzept will der Landkreis Kassel jetzt dem drohenden Ärztemangel begegnen und setzt dabei auf Medizinische Versorgungszentren (MVZ). Gemeinsam mit der Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel gGmbH und dem Evangelischen Krankenhaus Gesundbrunnen in Hofgeismar ist eine Partnerschaft mit konkreten Zielen entstanden – dem Aufbau einer medizinischen Versorgungskette in der Fläche und der Absicherung der stationären Einrichtungen im Landkreis.

„Medizinische Versorgung wird immer ambulanter und wir wollen dabei mitwirken“, sagt Alfred Karl Walter, Geschäftsführer der Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel, die bereits ein MVZ mit drei Standorten betreibt. Die Veränderungen im Medizinsektor führten dazu, dass immer mehr Investoren das Marktwachstum erkannt hätten. Um diesen Investoren nicht das Feld zu überlassen, sei es an der Zeit, die regionale, ambulante Versorgung mitzugestalten.

Dabei gehe es auch um den ganzheitlichen Blick auf die Patienten, also darum, die Menschen über die akutstationäre Betreuung hinaus zu begleiten. Erste Gespräche zur gemeinsamen Gestaltung der regionalen Gesundheitsversorgung habe es bereits vor drei Jahren gegeben.

„Wir beschäftigen uns schon lange mit der Frage, ob es genügend Ärzte mit einem vernünftigen Angebot gibt“, sagt Landrat Andreas Siebert. Die Lage werde immer ernster. „Wir wollen uns dagegen stemmen.“ Jetzt gebe es Möglichkeiten für junge Ärzte, unter dem Dach des MVZ tätig zu werden. Das schaffe Raum für verschiedene Arbeitszeitmodelle und verbessere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein Engagement im MVZ gestalte sich flexibler als der Betrieb einer eigenen Praxis. „Das ist eine Chance, gemeinsam Verantwortung zu tragen“, sagt Siebert. Denkbar sei beispielsweise die Beschäftigung im Angestelltenverhältnis, die sich auf Zeiten im Krankenhaus und in einer Praxis aufsplitten ließe.

Der Landkreis übernehme zudem eine Schlüsselfunktion durch seine kommunale Vernetzung mit den 28 Kreiskommunen. „Die Nachfolgeregelung ist kein Automatismus mehr, wir wollen hier ein Angebot machen“, sagt der Landrat. Durch den engen Kontakt zu den Bürgermeistern könne beim Erkennen von Problemen frühzeitiger gegengesteuert werden.

„Wir sehen uns als regionaler Player im Gesundheitswesen mit Schwerpunkt in Hofgeismar und sind als solche darauf angewiesen, die allgemeinmedizinische Versorgung unserer Bewohner in der Altenhilfe zu gewährleisten“, begründet Ralf Pfannkuche, Geschäftsführer der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen gGmbH, die Beteiligung am Agaplesion MVZ. Unter dem Dach der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen als Trägerverein ist das Evangelische Krankenhaus Gesundbrunnen angesiedelt, dass auf Geriatrie und Neurologie spezialisiert ist. „Durch die Partnerschaft soll das Krankenhaus zukunftssicher werden“, sagt Geschäftsführerin Ina Bäcker. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit werde immer wichtiger. Die meist hochbetagten Patienten benötigten einen niederschwelligen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Aktuell betreibt das Agaplesion MVZ drei KV-Sitze. Angeboten werden Gastroenterologie, Anästhesie und seit dem 1. Januar die erste Filialpraxis für Gynäkologie in Calden. Weitere Standorte sollen folgen. Laut Walter beabsichtigt Agaplesion bis Ende des Jahres zwei weitere MVZ aufzubauen. „Wir wollen nicht zentralisieren und setzen auf das Modell von Filialpraxen“, sagt der Geschäftsführer. Denkbar sei, künftig Facharzt-Sprechstunden an verschiedenen Standorten anzubieten. Aber auch Hausärzte sollen eingebunden werden. Es gebe bereits Anfragen von niedergelassenen Ärzten.

Dabei dürfe aber nicht verschwiegen werden, dass es „noch dicke Bretter zu bohren“ gebe. Denn: Es würden zu wenig Ärzte ausgebildet. Die neuen Zulassungsverfahren würden die Bedingungen noch erschweren. Wichtig sei – das betonen alle Beteiligten – dass der Ausbau des MVZ keine Konkurrenz zum Hausarzt vor Ort darstellen soll. Vielmehr gehe es darum, durch die Vernetzung als attraktiver Arbeitgeber die medizinische Versorgung in der Region zu stärken. Das soll auch über die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal erfolgen.

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