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Landkreis Kassel verliert 13 Prozent Wald wegen Dürrejahre

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Von: Boris Naumann

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Noch im Jahr 2017 war der Kaufunger Wald auf den Satellitenbildern als tiefrot eingefärbte Fläche – also als vitaler und gesunder Wald – zu erkennen (links). Die gelben und bläulichen Flecken im rechten Bild markieren die Waldverluste bis zum April 2021.
Noch im Jahr 2017 war der Kaufunger Wald auf den Satellitenbildern als tiefrot eingefärbte Fläche – also als vitaler und gesunder Wald – zu erkennen (links). Die gelben und bläulichen Flecken im rechten Bild markieren die Waldverluste bis zum April 2021. © Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Die extreme Trockenheit in den vergangenen Jahren hat deutliche Spuren in den heimischen Wäldern hinterlassen. Allmählich wird das Ausmaß der Verluste an Bäumen sichtbar – wie jetzt die Auswertung von Satellitenbilden zeigt.

Kreis Kassel – Die Schäden am Wald im Landkreis Kassel fallen offenbar höher aus als bisher angenommen. Das geht aus aktuellen Satellitendaten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervor. Demnach hat der Landkreis Kassel in den Jahren 2018 bis 2021 ziemlich genau 13,1 Prozent seines Gesamtwaldes verloren – 45,1 Prozent entfallen davon auf Nadelwald, 1,4 Prozent auf Laubwald.

Als Auslöser gelten vor allem die ungewöhnlich starken Hitze- und Dürreperioden in diesen Jahren, die wiederum den Befall durch Schadinsekten wie den Borkenkäfer begünstigt haben.

Im Vergleich dazu geht Hessen Forst noch von einem Gesamtwaldverlust in Höhe von 11 Prozent für den Landkreis Kassel aus. Besonders schwere Schäden seien in Fichtenbeständen entstanden, insbesondere im Reinhardswald, teilt Hessen Forst-Sprecherin Michelle Sundermann mit. Genaue Zahlen – auch mit Blick auf Laubbäume – könnten jedoch nicht genannt werden, weil Hessen Forst nur für die Flächen des Staatswaldes Daten erhebe, nicht aber für die gesamte Waldfläche im Landkreis.

„Vor allem die Nadelwälder haben in der Mitte Deutschland in den Jahren 2018 bis 2021 gelitten“, erklärt Frank Thonfeld von der DLR – „von der Eifel, über das Sauerland, den Harz und den Thüringer Wald, bis hinüber in die Sächsische Schweiz“. Einige Landkreise hätten sogar bis zu zwei Drittel ihres Nadelwaldbestandes verloren.

Demgegenüber halten sich die Schäden im Landkreis Kassel – selbst bei einem Gesamtwert von immerhin 13,1 Prozent – noch im Mittelfeld (Hessen 6,9 Prozent, Deutschland 4,9 Prozent). Grund dafür ist, dass der Nadelholzbestand anteilig nur etwa ein Viertel des Gesamtbestandes im heimischen Wald ausmacht. Anders gesagt: Wären die Nadelholzbestände im Landkreis Kassel von vorn herein höher gewesen, wären jetzt auch die Schäden am Gesamtwald deutlich höher. Im Landkreis Harz beispielsweise gingen allein aus diesem Grund bis zu 31,2 Prozent des Gesamtwaldes, im Kreis Soest sogar über 31,2 Prozent des Gesamtwaldes verloren (Arnsberger Wald).

Wie das DLR mitteilt, erlaube die Auswertung von Satellitenbildern eine Waldschadensanalyse auf 10 bis 30 Meter genau. Als Datenquelle werden die Satelliten Sentinel-2 des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus sowie der US-amerikanische Satellit Landsat-8 genutzt. Auch Hessen Forst greift schwerpunktmäßig auf Sentinel-2-Satellitendaten des Copernicusprogramms der EU zurück.

„Die verfügbaren Satellitendaten sind vor allem dazu in der Lage, großflächige Verluste in den Wäldern genau zu erfassen“, sagt Thonfeld. Die Bilder machten auch drastische Schäden wie zum Beispiel komplett abgestorbene Bestände sehr gut sichtbar. Ein weiterer Vorteil liege in der Häufigkeit der Aktualisierungen. Grundsätzlich könnten die Satelliten Daten in hoher zeitlicher Dichte liefern. „Aktuell erstellen wir jeden Monat einen neuen Datensatz“, sagt Thonfeld.

Nadel- und Laubbäume ließen sich aufgrund ihrer jeweiligen spektralen Signatur auf den Satellitenbildern gut voneinander unterscheiden. „Fichten reflektieren Licht mit einer anderen spektralen Signatur als Laubbäume“, erklärt Thonfeld. Diese typischen Signaturen änderten sich wiederum spezifisch, wenn sich beispielsweise der Blattwasserhaushalt nachteilig verändere. „So lassen sich wiederum gesunde von geschädigten oder toten Bäumen gut unterscheiden“, sagt Thonfeld.

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