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Landkreis verzeichnet Zunahme von Personen, die rechtlich betreut werden

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Von: Daniel Göbel

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Die Zahl der Menschen, die auf eine rechtliche Betreuung angewiesen sind, ist hessenweit gestiegen. Auch im Landkreis Kassel gibt es mehr Betroffene.
Die Zahl der Menschen, die auf eine rechtliche Betreuung angewiesen sind, ist hessenweit gestiegen. Auch im Landkreis Kassel gibt es mehr Betroffene. © Sina Schuldt/dpa

In Hessen sind nach Auskunft des Justizministeriums in Wiesbaden immer mehr Menschen auf eine rechtliche Betreuung angewiesen. Im Landkreis Kassel hingegen schwankte zuletzt die Zahl der Menschen, die nicht in der Lage sind, für sich selbst zu entscheiden, wie die Kreisverwaltung auf Nachfrage mitteilt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist aber auch im Kreisgebiet die Zahl deutlich angestiegen.

Kreis Kassel – Aktuell sind im Landkreis 4112 Personen davon betroffen, während es im Jahr 2015 noch 1752 waren. Im vergangenen Jahr wurden 4263 Menschen im Landkreis rechtlich betreut. In den Jahren zuvor war die Zahl demnach kontinuierlich gestiegen. In Hessen sind es aktuell 96 000 und somit 16 000 Personen mehr als noch vor 20 Jahren.

Das Betreuungsrecht hat vor 30 Jahren die Vormundschaft abgelöst. Rechtlich betreut werden Menschen, die vorübergehend oder dauerhaft wegen einer Erkrankung oder einer Behinderung nicht in der Lage sind, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Laut Landkreissprecher Harald Kühlborn kann dies Personen ab der Volljährigkeit betreffen. Gegen den erklärten Willen des Betroffenen könne eine Betreuung hingegen nicht eingerichtet werden. „Ausnahmen sind, wenn die fachärztliche Begutachtung zu dem Ergebnis kommt, dass eine gesetzliche Betreuung auch gegen den erklärten Willen eingerichtet werden muss, etwa aufgrund eines erheblichen selbstgefährdenden Verhaltens“, erklärt der Kreissprecher.

Davon sind im Landkreis nicht nur ältere Menschen betroffen. Das Durchschnittsalter liegt der Verwaltung zufolge bei rund 58 Jahren. Innerhalb der Altersgruppen gibt es keine größeren Unterschiede. In der Gruppe der 18- bis 30-Jährigen sind aktuell im Landkreis 543 Personen betroffen, bei den 41- bis 50-Jährigen sind es 436 und bei 51- bis 60-Jährigen 679.

Der häufigste Grund für die Einrichtung einer gesetzlichen Betreuung bei jüngeren Menschen seien laut Kühlborn psychische oder geistige Erkrankungen. Häufig benötigen diese beispielsweise Unterstützung beim Ausfüllen von Anträgen, bei der Schuldenregulierung, der Anbindung zu diversen Fachärzten und bei unklaren Wohnformen.

Eine gesetzliche Betreuung könne jede Person bei dem zuständigen Amtsgericht für jeden anregen. Das Personal in Pflegeheimen und Kliniken rege häufig eine rechtliche Betreuung für ihre Patienten, Klienten oder Bewohner an, wenn diese das Gefühl hätten, dass die betroffene Person Schwierigkeiten bei der Erledigung ihrer Angelegenheiten habe.

Die zentrale Betreuungsbehörde des Landkreises biete zudem Beratung zur rechtlichen Betreuung nach dem Betreuungsgesetz, zum Betreuungsverfahren, zu Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen. Zudem unterstütze sie die Betreuer bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben. Für die Amtsgerichte ermittelt die Betreuungsbehörde mittels eines Sozialberichts darüber hinaus, ob die Kriterien für eine rechtliche Betreuung gegeben sind. Mit dem Sozialbericht, einem fachärztlichen Gutachten und der Anhörung der betroffenen Person, werde dann entschieden, ob und in welcher Form eine Betreuung nötig sei, die von Personen übernommen werden kann, die dies ehrenamtlich oder aber hauptberuflich ausüben.

Je nach Vermögen tragen die Kosten des Betreuungsverfahrens sowie die Vergütung der Betreuer die Betreuten selbst. Bei Vorliegen einer Bedürftigkeit tragen die jeweiligen Amtsgerichte die Kosten für die gesetzliche Betreuung. (Daniel Göbel)

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