"Wünschewagen" ist ehrenamtliches Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes

Letzter Wunsch: Bewohnerin der Jungen Pflege Baunatal fuhr zu Lieblingsband nach Mannheim

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Glücklich, dass ihr letzter Wunsch erfüllt wurde: Nicole Mock mit Albrecht Erbroth und Sarah Drebes im Baunataler Gertrudenstift.

Baunatal. Nicole Mock wird sterben. Die 31-Jährige hat Krebs. Ihr letzer Wunsch war, ihre Lieblingsband einmal live zu sehen. Dank des ASB ihr dieser Wunsch erfüllt werden.

Wenn Nicole Mock an den 28. Dezember zurückdenkt, hat sie sofort ein breites Lächeln im Gesicht. „Das war der Hammer“, sagt sie. Die 31-Jährige durfte zwischen den Jahren ihre Lieblingsband Freiwild persönlich kennenlernen – vor dem Auftritt der vier Südtiroler in der Maimarkthalle in Mannheim. Mit dabei beim Konzert waren neben Mocks bester Freundin auch drei Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der die Fahrt mit seinem Wünschewagen organisiert hatte. Das ehrenamtlich getragene und komplett aus Spenden finanzierte Projekt erfüllt schwer kranken Menschen ihren letzten Wunsch – Menschen wie Nicole Mock.

Die Diagnose Krebs erhielt die gebürtige Erfurterin 2014. Damals hatte sie gerade ihre Ausbildung zur Altenpflegerin in Kassel abgeschlossen. Doch statt mit 27 Jahren ins Berufsleben einzusteigen, begab sich Mock in Chemotherapie. Zur Heilung führte die Behandlung nicht. Ihren letzten privaten Wohnort in Kirchbauna musste Mock im vergangenen Frühjahr verlassen. Inzwischen sitzt sie im Rollstuhl. Nach mehreren Monaten in Krankenhäusern kam sie im August in die Junge Pflege des Baunataler Gertrudenstifts. Hier wird Nicole Mock sterben. Die Ärzte haben ihre Lebenserwartung auf sechs Monate bis zwei Jahre geschätzt. Das war vor einem halben Jahr.

Dass Mocks letzter Wunsch erfüllt werden konnte, ist zu einem großen Teil das Verdienst von Sarah Drebes, Mitarbeiterin in der sozialen Betreuung in der Jungen Pflege, wo Pflegebedürftige unter 64 Jahren leben. Sie hatte den Kontakt zum ASB aufgenommen. „Ich kenne den Wünschewagen schon länger und hatte mir fest vorgenommen, dass ich damit irgendwann einmal jemandem eine Freude machen möchte, wenn es passt.“ Bei Nicole Mock passte es.

Ohne den Wünschewagen, der auf alle medizinischen Notfälle sowohl personell als auch technisch vorbereitet ist, wäre die Fahrt nicht möglich gewesen. „Kleine Touren, wie etwa zum Einkaufen, schaffen wir mit Nicole noch“, sagt Albrecht Erbroth, stellvertretender Bereichsleiter der Gestaltung des Tages in der Jungen Pflege. Eine private Fahrt nach Mannheim aber wäre undenkbar gewesen.

Im Spätsommer hatte Drebes eine E-Mail an den ASB geschrieben – und Mock zunächst nichts davon erzählt. Zu enttäuschend wäre die Nachricht gewesen, wenn es nichts geworden wäre mit der Fahrt mit dem Wünschewagen. Dass der letzte Wunsch von Nicole Mock nichts anderes als der Konzertbesuch sein konnte, war Drebes klar: „Wer Nicole kennt, weiß, welchen Wunsch sie hat.“ Im September dann die gute Nachricht. „Da wussten wir, dass es klappt“, sagt Drebes. Am Vormittag des 28. Dezember kam der in Frankfurt stationierte Wünschewagen mit dreiköpfiger Besatzung auf die Einfahrt des Gertrudenstifts gerollt. Nach dem Mittagessen ging es los in Richtung Mannheim, los in Richtung letzter Wunsch. Erst spät in der Nacht kam Mock „müde, aber glücklich“ wieder in Großenritte an.

Wie sie sich an den Tag mit einigen Wochen Abstand erinnert? „Es war unbeschreiblich, das kann man nicht in Worte fassen.“ Und Worte braucht es auch gar nicht, um zu verstehen, was die Erfüllung ihres letzten Wunsches Nicole Mock bedeutet hat. Das breite Lächeln auf ihrem Gesicht spricht für sich.

Das ist der Wünschewagen des ASB

Unter dem Motto „Letzte Wünsche wagen“ ermöglicht der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) seit 2014 Menschen in ihrer letzten Lebensphase einen besonderen Herzenswunsch und fährt sie gemeinsam mit ihren Familien und Freunden noch einmal an ihren Lieblingsort oder zu einer Veranstaltung. 

Die Wünschewagen sind durch spezielle Stoßdämpfer, eine verspiegelte Rundum-Verglasung, eine Musikanlage und ein harmonisches Konzept aus Licht und Farben auf die Bedürfnisse der Fahrgäste abgestimmt und verfügen über eine moderne notfallmedizinische Ausstattung. Mindestens ein Rettungssanitäter sitzt immer im Wagen. 

Das Projekt wird rein ehrenamtlich getragen und ausschließlich aus Spenden finanziert. Mitte des Jahres soll laut einer Sprecherin des ASB ein Wünschewagen in Kassel stationiert werden.

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