Starker Anstieg der Fallzahlen

Kreis Kassel: Corona-Ausbruch bei Hochzeit und in Flüchtlingsheim - 36 Infizierte

Hier wurde die große Hochzeit am 27. September gefeiert: Das „Glashaus Kassel“, ein ehemaliges Autohaus in der Gemarkung der Gemeinde Lohfelden, das von einem Unternehmen für Veranstaltungen gemietet werden kann.
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Hier wurde die große Hochzeit am 27. September gefeiert: Das „Glashaus Kassel“, ein ehemaliges Autohaus in der Gemarkung der Gemeinde Lohfelden, das von einem Unternehmen für Veranstaltungen gemietet werden kann.

Ein Corona-Ausbruch bei einer Hochzeit im Kreis Kassel und in der Erstaufnahme für Geflüchtete sorgen für einen Anstieg der Fallzahlen. 

Kassel/Kreis Kassel – Corona-Fälle bei einer Hochzeitsfeier in Lohfelden und in der Erstaufnahme für Flüchtlinge in Niederzwehren haben die bislang auf niedrigem Niveau liegenden Infektionszahlen in Kassel in die Höhe schießen lassen.

Bisher gehen die Behörden bei der türkischen Hochzeit von insgesamt 36 Infizierten und in der Erstaufnahme von fünf Infizierten aus. Alle 301 Bewohner der Unterkunft sind unter Quarantäne gestellt worden. Nach Angaben des Gesundheitsamtes stieg in der Stadt Kassel von Freitag bis Sonntag die Zahl der aktuell Infizierten um 18 auf 54 an, im Landkreis um 9 auf 31. Dass sich die Infektionen bei der Hochzeit nicht noch stärker auswirken, liegt daran, dass nicht alle Gäste aus Kassel kamen, einige bereits zuvor in die Statistik einflossen und weitere 16 Infizierte als wieder genesen gelten.

Corona in Kassel: Mehrere Infizierte bei Hochzeit

Die Sieben-Tage-Inzidenz, der Wert der Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen pro 100 000 Einwohner, stieg in der Stadt Kassel auf 27,8 (Freitag: 16,4) und damit über den ersten Schwellenwert (20) des Landes. Stufe 2 des Präventions- und Eskalationskonzepts sieht eine erhöhte Aufmerksamkeit, ein erweitertes Meldewesen und erste Maßnahmen vor. Im Landkreis Kassel liegt der Wert bei 10,6 (Freitag: 8,0).

Bei der Hochzeit, die bereits am 27. September in einem ehemaligen Autohaus („Glashaus Kassel“) gefeiert wurde, haben sich nach dem jetzigen Stand 36 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, die meisten davon haben ihren Wohnsitz in Kassel. Es ist nicht auszuschließen, dass die Fallzahlen weiter ansteigen, da einige Ergebnisse von Tests noch ausstehen, erklärte die Stadt.

Komplett unter Quarantäne: Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei an der Frankfurter Straße. archiv

Corona in Kassel: Behörden erfuhren erst spät von den Infizierten

Bei der Feier waren 250 Gäste erlaubt. Die Behörden erfuhren erst am Freitag von den Corona-Fällen bei der Hochzeit. Wie die Stadt berichtet, gestaltete sich die Nachverfolgung der Infektionen als schwierig. Grund dafür seien erhebliche organisatorische Mängel des Veranstalters sowie falsche und unvollständige Angaben der Gäste. Die Stadt will die Zuwiderhandlungen ahnden.

Über die Infektionen in der Landes-Erstaufnahme in Niederzwehren informierte am Samstag das Regierungspräsidium Gießen. Es ging zunächst von drei Corona-Fällen aus – bei einem ehrenamtlichen Mitarbeiter, einer Bewohnerin und bei ihrem Kind. Am Sonntag wurde die Zahl von der Stadt um zwei weitere infizierte Bewohner nach oben korrigiert. Alle Asylbewerber sollen Dienstag getestet werden.

Corona in Kassel: Sieben-Tage-Inzidenz nun über ersten Schwellenwert

Folgen hat das besonders für Kassel. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 27,8 liegt die Stadt nun über dem ersten Schwellenwert des Landes Hessen. Von dieser Entwicklung und der türkischen Hochzeit mit bislang 36 bestätigten Infektionen hat sich am Sonntag Oberbürgermeister Christian Geselle wenig begeistert gezeigt. Er kritisierte die erheblichen organisatorischen Mängel des Veranstalters und die mangelnde Kooperation einiger Gäste bei der Nachverfolgung der Infektionen. „Wir dürfen nicht dulden, dass einige wenige Unvernünftige durch ignorantes Verhalten die Rückkehr zu einem weitgehend normalen Leben unter Pandemie-Bedingungen gefährden“, sagte Geselle.

Solche Vorfälle wie im Glashaus dürften sich nicht wiederholen. Bislang bestehe für Veranstaltungen mit bis zu 250 Besuchern kein Genehmigungsvorbehalt. Weil sich aber eben nicht alle an die Corona-Regeln hielten, sprechen sich laut Geselle Stadt und Landkreis Kassel jetzt dafür aus, die zulässige Teilnehmerzahl für private und öffentliche Veranstaltungen ohne Genehmigungsvorbehalt deutlich zu reduzieren, nämlich auf 30 zu begrenzen. Dies habe er auch bereits gegenüber Ministerpräsident Bouffier angeregt.

Bitte 1,50 Meter Abstand halten: Der Hinweis darauf ist neben gestapelten Stühlen des Glashauses zu sehen.

Corona in Kassel: Fallzahlen für die Region konnten erst spät veröffentlicht werden

Die Infektionen bei der Hochzeit und in der Erstaufnahme in Niederzwehren haben am Wochenende für viel Arbeit im Gesundheitsamt gesorgt. Wegen der „unübersichtlichen Lage“, so erklärte ein Stadtsprecher, war für Samstag die tägliche Übersicht der bestätigten SARS-CoV-2-Fälle in Stadt und Landkreis Kassel nicht veröffentlicht worden. Auch am Sonntag ließen die Zahlen noch am späten Nachmittag auf sich warten.

Auf Veranlassung des Gesundheitsamtes Region Kassel waren die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen in Kassel-Niederzwehren am Freitagnachmittag vorsorglich unter Quarantäne gestellt worden. Dort waren zunächst ein ehrenamtlicher Mitarbeiter und in der Folge zwei Bewohnerinnen, ein Bewohner sowie ein Kind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Betroffenen sowie alle ermittelten Kontaktpersonen seien umgehend isoliert worden. Um mögliche weitere Infektionsketten zu ermitteln und zu unterbrechen, werden alle 301 Bewohner am morgigen Dienstag, 13. Oktober, getestet, kündigte die Stadt an. Die Asylbewerber dürften vorerst das Gelände nicht verlassen und würden vom RP Gießen und beauftragten Dienstleistern betreut.

Corona in Kassel: Fallzahlen wirken sich nicht auf Krankenhäuser aus

Vor allem wegen der Hochzeitsfeier stieg die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Stadt und Kreis deutlich auf 1264 an, das sind 43 mehr als am Freitag. Glücklicherweise wirke sich der starke Anstieg der Fallzahlen bisher nicht auf die Belegung der Krankenhäuser aus, betonte das Gesundheitsamt. Derzeit sind drei Infizierte in einer Klinik. (Andreas Hermann)

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