Verkehrsführung ändert sich wieder

Ab jetzt soll es leiser sein: Neuer Asphalt auf A7 aufgebracht

Der Einbauzug schiebt sich über die Autobahn. Alle 14 Minuten kommt ein neuer mit 25 Tonnen Material beladener Lkw an. Da es auf nahtloses und zügiges Arbeiten ankommt, werden mehrere Ersatzmaschinen vorgehalten.
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Der Einbauzug schiebt sich über die A7. Da es auf nahtloses und zügiges Arbeiten ankommt, werden mehrere Ersatzmaschinen vorgehalten.

Schwaden wabern über die Fahrbahn, die Asphaltfertiger lärmen und der Duft nach Bitumen liegt in der Luft – auf der A7 Richtung Süden wird Asphalt aufgebracht.

Kreis Kassel – Im Schneckentempo schiebt sich der Einbauzug voran, der hier in zwei Tagen auf 2,5 Kilometern ein ganz besonderes Gemisch, den offenporigen Asphalt (OPA), aufbringt. Es ist einer der letzten Schritte, bevor der Abschnitt zwischen Kassel-Nord und Kreuz Kassel-Mitte wieder komplett freigegeben wird.

Großer Aufwand für neuen Asphalt auf der A7 im Kreis Kassel

Immer wieder geht der Blick der Arbeiter und Projektverantwortlichen gen Himmel oder aufs Handydisplay. Denn frischer OPA mag keine Feuchtigkeit. Sobald es regnet, muss pausiert werden. Im schlimmsten Fall, bei einem heftigen Schauer, muss der noch nicht eingewalzte Teil mitunter sogar wieder herausgefräst und neu aufgetragen werden, sagt Reinhold Rehbein, Dezernent Autobahnbau Nord bei Hessen Mobil.

Viel Aufwand für eine dünne Deckschicht. Nur fünf Zentimeter inklusive Abdichtungsschicht ist der OPA stark, sagt Rehbein. Trotzdem hat er einen großen Effekt: „Hauptvorteil ist die Lärmminderung“, erklärt Projektleiter Dietrich Brossok. In Kombination mit dem neuen Schallschutz sollte die Lärmreduktion für die Anwohner deutlich spürbar sein, sagt Rehbein. „Es sollte dann ungefähr halb so laut sein wie zuvor.“

So sieht das Asphaltgemisch im Fertiger aus, bevor es auf die Fahrbahn gebracht wir.

Ein weiterer Vorteil des OPAs ist seine Durchlässigkeit. Die einzelnen Mineralstoffkörnchen haften nur punktuell mithilfe von Bitumen aneinander, es entsteht keine geschlossene Fläche wie bei anderen Asphaltarten, erklärt Rehbein. „Das heißt für Fahrer, die Gischt ist weg, es spritzt nicht und die Sicht wird besser“, so Brossok. „Aquaplaning ist damit sehr unwahrscheinlich“, ergänzt Rehbein.

Neuer Asphalt auf A7 im Kreis Kassel hat auch Nachteile

Allerdings birgt eben diese besondere Struktur des OPAs und der dünne Auftrag auch Nachteile. Die Fahrbahn vereist schneller und es muss mehr Salz gestreut werden. Und nicht nur Wasser kann durch die großen Poren sickern, sondern auch Betriebsstoffe. Sie können nicht aufgenommen werden wie bei herkömmlichem Asphalt. „Wenn bei einem Unfall zum Beispiel Biodiesel austritt, dann löst er das Bitumen auf. Dann muss man das ganze betroffene Stück rausfräsen“, sagt Rehbein.

Außerdem ist OPA teurer als die Standardbauweise – „um etwa 50 Prozent“, sagt Brossok – und reagiert empfindlicher auf mechanische Belastung. „Er hält nicht so lange“, sagt Rehbein. Während Gussasphalt mitunter mehr als 20 Jahre liegen kann, muss OPA laut Rehbein im Schnitt nach sechs bis acht Jahren ausgetauscht werden. Beschädigte Stellen zu reparieren sei zwar möglich, aber dann verliere der Straßenbelag an der Stelle seinen Entwässerungseffekt.

So sieht das Asphaltgemisch im Fertiger aus, bevor es auf die Fahrbahn gebracht wir.

Bauarbeiten auf A7 am Kreuz Kassel-Mitte gehen weiter

Noch allerdings ist der OPA jungfräulich. Am Samstagnachmittag soll sich das ändern. Dann sind wieder sämtliche Zu- und Abfahrten am Kreuz Kassel-Mitte freigegeben und es stehen teilweise drei Spuren pro Fahrtrichtung und Fahrbahn zur Verfügung. Allerdings nur eine gute Woche lang.

Auf der Fahrbahn Richtung Norden wird der OPA, sofern es die Witterung zulässt, am übernächsten Wochenende aufgetragen, teilt Hessen Mobil mit. Aus diesem Grund ist am Kreuz Kassel-Mitte die Zufahrt von der A49 auf die A7 Richtung Norden voraussichtlich von Freitag, 30. Oktober, ab 20.30 Uhr bis Montag, 2. November, vormittags nicht möglich. Zwischen dem Autobahndreieck Kassel-Süd und der Anschlussstelle Kassel-Nord stehen in dieser Zeit in beiden Fahrtrichtungen jeweils nur zwei Fahrspuren zur Verfügung. Die Sperrung der Zufahrt von der A49 zur A7 nach Norden gilt für Fahrzeuge aus Richtung Marburg und aus Richtung des Lohfeldener Rüssels. Der Verkehr wird über die A49 und die A44 zum Autobahndreieck Kassel-Süd umgeleitet. Die digitale Umleitungsbeschilderung bleibt in Bereitschaft und kann bei Stau aktiviert werden. In der zweiten Novemberhälfte sollten alle Restarbeiten abgeschlossen sein. 

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