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Ärzte aus Region wollen Kindern in Sierra Leone helfen

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Von: Michaela Pflug

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Im Februar und März 2020, kurz vor dem schweren Ausbruch der Corona-Pandemie, war ein internationales, medizinisches Team im Einsatz in Freetown.
Im Februar und März 2020, kurz vor dem schweren Ausbruch der Corona-Pandemie, war ein internationales, medizinisches Team im Einsatz in Freetown. © Bintumani D-SL German Sierra Leone Society

Ärzte aus Stadt und Landkreis Kassel operieren in Westafrika. Nach einer Corona-Pause soll ihr Einsatz wieder weitergehen.

Kreis Kassel – Sierra Leone gehört laut UN und WHO zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Kindersterblichkeit ist hoch in dem Land, das noch immer an den Folgen eines langen Bürgerkriegs leidet. Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist oft schlecht und teuer. Hier kommt ein Ärzteteam aus Stadt und Landkreis Kassel ins Spiel. Dr. Morley Wright, der aus dem Land an der Westküste Afrikas stammt, und Dr. Ibrahim Al-Naieb organisieren seit 2010 chirurgische Hilfseinsätze. Nach einer Corona-Zwangspause wollen die beiden Kinderärzte wieder Patienten in Sierra Leone operieren.

„Wir hatten im letzten Jahr schon unsere Flugtickets und alle Unterlagen, doch die Omikron-Welle hat dazu geführt, dass wir nicht starten konnten“, sagt Al-Naieb. Doch dann zerschlugen sich die Pläne. Aufgrund des Impfstatus und der gesteigerten Herdenimmunität sehe es diesmal aber besser aus. Auch die Corona-Situation vor Ort sei nicht so schlimm wie hierzulande, die Infektionszahlen geringer, ergänzt Wright.

Beginnen soll ihr ehrenamtlicher und spendenfinanzierter Einsatz am 10. März. Ihr Ziel ist die Hauptstadt Sierra Leones, Freetown. Wie viele Menschen sie genau operieren, werde sich erst vor Ort zeigen. Das hänge auch von Schwere und Verlauf ab, erklärt Al-Naieb. Etwa 80 bis 90 OPs in zwei Wochen waren es bei ihren letzten Aufenthalten in dem westafrikanischen Land meist.

Setzen sich für Kinder ein: Dr. Morley Wright (zweiter von links) und Dr. Ibrahim Al-Naieb (dritter von links) mit ihrem Team in Sierra Leone.
Setzen sich für Kinder ein: Dr. Morley Wright (zweiter von links) und Dr. Ibrahim Al-Naieb (dritter von links) mit ihrem Team in Sierra Leone. © Privat

Einige Patienten warten schon seit zwei Jahren auf die Rückkehr des Ärzteteams. Die Kinder leiden unter anderem an Leisten- und Nabelbrüchen, Magen- und Darm- sowie Harnwegsfehlbildungen, den Folgen von Unfällen, Verbrennungen und Kriegsverletzungen. Aber auch einige Erwachsene sollen in diesem Jahr behandelt werden. Denn zum Team von Wright und Al-Naieb gehören diesmal auch ein Handchirurg und ein plastischer Chirurg aus Kassel.

„Wir hatten immer wieder Fälle, zum Beispiel ausgeprägte Deformitäten und Kontrakturen, die wir aufgrund ihrer Komplexität ablehnen mussten“, sagt Al-Naieb. Das soll sich jetzt ändern. Die Ärzte und ihr Team reisen zeitversetzt, sodass sie über vier Wochen in Sierra Leone aktiv sein können. Es mache Mut, dass sich so viele jüngere Ärzte miteinbringen. So sei das Projekt auch in Zukunft in guten Händen, sind sich die beiden Ruheständler einig.

Seit 2010 engagieren sie sich in Sierra Leone. Seit dem habe sich vieles zum Positiven verändert, sagt Al-Naieb. So gebe es seit einigen Jahren einen Kinderchirurgen in Freetown, mit dem man auch zusammenarbeite. Die Versorgung und Ausstattung der Krankenhäuser in der Hauptstadt sei besser. „Aber die Kapazitäten vor Ort reichen einfach immer noch nicht aus“, sagt Wright. Stromausfälle gebe es noch immer oft. Hinzukäme ein großes Stadt-Land-Gefälle. Auf dem Land, wo viele ihrer Patienten wohnen, fehle die medizinische Infrastruktur. „Deshalb ist unser Einsatz weiter wichtig.“

Service: Das Hilfsprojekt wird durch Geld- und Sachspenden über den Verein Bintumani D-SL German Sierra Leone Society mit Sitz in Berlin ermöglicht. So werden Anreise und Unterkunft der Freiwilligen bezahlt, ebenso wie ihre medizinischen Materialien, Instrumente und Geräte. Weitere Informationen: bintumani.de

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