„Man muss den Kontakt halten“ 

Lungenkranker Hochrisikopatient über Corona-Lockdown: „Wenn ich jetzt rausgehe und mich anstecke..“

Ist auf Sauerstoff angewiesen: Gerhard Kulpe und seine Frau Edda mit verschiedenen Geräten, wie einem Konzentrator und einem tragbaren Sauerstoffgerät.
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Ist auf Sauerstoff angewiesen: Gerhard Kulpe und seine Frau Edda mit verschiedenen Geräten, wie einem Konzentrator und einem tragbaren Sauerstoffgerät.

Menschen mit Lungenleiden gehören während der Corona-Pandemie zu den Hochrisikopatienten. Hier erzählt Gerhard Kulpe, der auf eine Langzeit-Sauerstofftherapie angewiesen ist, wie es ihm geht.

Lohfelden – Edda und Gerhard Kulpes große Leidenschaft ist das Reisen. Auch Anfang März dieses Jahres hatte das Paar gepackt, um an die Ostsee zu fahren. Doch aus den zwei entspannten Wochen am Meer wurde nichts, nach wenigen Tagen mussten sie zurück nach Lohfelden fahren.

Seitdem verlässt Gerhard Kulpe das Haus nur noch selten – und dann nur, um zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen. Auch seine Frau versucht, unnötige Kontakte zu vermeiden. Denn Gerhard Kulpe ist nach mehreren Lungenembolien auf eine Langzeit-Sauerstofftherapie angewiesen.

Hochrisikopatient im Corona-Lockdown: Besonders die Familie fehlt

„Wenn ich jetzt rausgehe und mich anstecke, dann ist das möglicherweise das Ende“, sagt der Hochrisikopatient. Also versuchen sie, in den eigenen vier Wänden Ablenkung zu finden. Kulpes sind Optimisten. Trotzdem gibt es vieles, das sie im Lockdown vermissen. Neben dem Reisen und Ausflügen sind das „die Familie, besonders meine Enkel“, erklärt der 73-jährige Gerhard Kulpe.

Natürlich halten Sie den Kontakt mit den Enkeln im Kitaalter, zum Beispiel über Videotelefonie. Doch das ist einfach nicht dasselbe wie das Treffen von Angesicht zu Angesicht, erklärt das Ehepaar. „Im Lockdown im Frühjahr waren sie dann da und haben von unten gewunken“, sagt Edda Kulpe, die mit ihrem Mann in einer Seniorenwohnanlage am Hammelsberg wohnt. Als die Regeln gelockert wurden und die Zahlen runter gingen, war die Sehnsucht zu groß, sie trafen sich – natürlich mit viel Vorsicht.

Aber auch ein weiterer Baustein des sozialen Lebens brach für die beiden weg. Denn sie engagieren sich intensiv für den Verein Deutsche Sauerstoff- und Beamtmungsliga LOT. Gerhard Kulpe ist Leiter der Gruppe Kassel, Edda Kulpe ist Beraterin für Angehörige deutschlandweit. „Die Treffen fehlen, der Informationsaustausch und der Rückhalt“, sagt Gerhard Kulpe. Auch die Vorträge von Fachleuten und Fortbildungen sind abgesagt.

Tipp eines Hochrisikopatienten zum Corona-Lockdown: Es ist wichtig sich zu vernetzen

Umso wichtiger ist es jetzt, sich zu vernetzen. „Wir raten ganz dringend dazu, mit der Familie, Freunden, Bekannten und Nachbarn Kontakt zu halten per Telefon, WhatsApp oder auch mal einen Brief oder eine Karte zu schreiben“, sagt Edda Kulpe. Sie selbst betreuen zwei WhatsApp-Gruppen, eine für ernste Themen, die andere zum Lachen. „Das ist ganz wichtig“, sagt Edda Kulpe.

Auch viele Ängste, Trauer und Einsamkeit bekommen sie momentan gespiegelt, von Betroffenen und auch Angehörigen. „Einige geben sich am Telefon auch positiver als sie sind, und durch den Hörer kann man ja nicht schauen“, sagt Gerhard Kulpe. Dann dürfe man sich nicht einigeln, sagt Edda Kulpe. Im Gegenteil: „Man sollte nicht darauf warten, angerufen zu werden, sondern selbst aktiv werden.“ Auch kleine Spaziergänge könnten helfen, dass einem nicht die Decke auf den Kopf fällt. „Vielleicht kann man Dinge tun, für die sonst keine Zeit ist, wie alte Bilder sortieren, egal ob im PC, Handy oder Album. Dabei kommen sicher viele schöne Erinnerungen, die einen positiv stimmen.“

Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona-Beschränkungen

Das persönliche Treffen ersetzt der Telefonkontakt freilich nicht. So hoffen beide, dass möglichst bald wieder Treffen, Besuche und natürlich Reisen und Ausflüge gefahrlos möglich sind.

Kontakt: Wer Fragen rund um die Sauerstofftherapie oder Beatmung hat, kann sich an den Verein Deutsche Sauerstoff- und Beatmungsliga LOT wenden.  Gerhard Kulpe ist Leiter der Kasseler Gruppe, Edda Kulpe Angehörigenberaterin. E-Mail an kassel@sauerstoffliga.de oder angehoerigenberatung@sauerstoffliga.de oder Tel. 05 61/ 52 61 68. (Michaela Pflug)

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