Die Welt von Elias ist kleiner geworden

Corona-Krise: Wie ein herzkranker 13-Jähriger aus Lohfelden die Pandemie erlebt

Sind ein gutes Team: Anna und Elias Kolenda mit Hündin Canny.
+
Sind ein gutes Team: Anna und Elias Kolenda mit Hündin Canny.

Elias Kolenda lebt seit seiner Geburt mit einem Herzfehler. Der 13-Jährige aus Lohfelden leidet an den Folgen der Corona-Pandemie.

Lohfelden -„Corona ist blöd“ – diesem Zitat von Elias Kolenda kann wohl jeder zustimmen. Für den 13-Jährigen allerdings ist die Pandemie noch blöder als für andere Menschen. Denn Elias hat mehrere angeborene Herzfehler und ist Hochrisikopatient.

„Das sind nämlich nicht nur alte, gebrechliche Menschen“, sagt Elias Mutter Anna. Es ist der Lohfeldener Familie wichtig, darauf aufmerksam zu machen. Um Elias schützen zu können, sind sie auf die Rücksichtnahme anderer angewiesen.

Die Welt des 13-Jährigen ist noch kleiner geworden seit dem Beginn der Pandemie. Die Schulen sind erst geschlossen, dann ist der Besuch zu riskant. Ihm fällt die Decke auf den Kopf: „Es war schlimm, den ganzen Tag zuhause zu sein. Nicht mal zum Einkaufen konnte ich mit.“ Irgendwann hält er es nicht mehr aus, will in die Schule.

Die Eltern geben nach. „Die fehlenden sozialen Kontakte und Struktur seines Tagesablaufs machten ihm psychisch schwer zu schaffen“, sagt seine Mutter. „Natürlich habe ich Angst, was passiert, wenn ich es bekomme“, sagt Elias. Er versuche, sehr vorsichtig zu sein. Von seinen Mitschülern wünscht er sich manchmal mehr von eben dieser Vorsicht.

Für die Familie ist der Schulbesuch ein Drahtseilakt: „Es ist ein ständiges Hin und Her, immer wieder müssen wir abwägen, ob Elias zur Schule gehen kann.“ Elias geht mal einen Tag in die Schule, dann ist er als Vorsichtsmaßnahme wieder eine Woche zuhause, auch vor dem aktuellen Lockdown war das so. „Das ganze Durcheinander macht uns völlig fertig“, sagt die Mutter.

Sie wünscht sich ein digitales Format für Elias, damit er aus der Ferne am Unterricht teilnehmen kann. „Es geht ja. Elias bekommt zum Beispiel digital Konfirmandenunterricht und Ergotherapie.“ Der Schule macht sie keinen Vorwurf. Die Lehrer seien sehr engagiert und würde Elias viel ermöglichen. Allerdings fehle für Digital-Unterricht die Technik – in den Klassenräumen der Alexander-Schmorell-Schule gibt es kein W-Lan.

Das soll sich bald ändern, so Anna Kolenda. Dass es solange gedauert hat, enttäuscht sie. „An einer Förderschule gibt es schließlich auch andere Kinder, die nicht jeden Tag in die Schule können.“ Denn auch wenn Elias in die Schule geht, einen ganzen Tag schafft er nicht mehr. Sein Herz ist zu schwach, der Gesundheitszustand hat sich verschlechtert. Eine weitere Hiobsbotschaft für die Familie in dieser schwierigen Zeit.

Aber es gibt Lichtblicke. Denn seit dem Frühjahr hat Elias einen neuen Partner an seiner Seite: Hündin Canny. Wenn er von ihr erzählt, leuchten seine Augen. Gemeinsam mit einem Trainer bildet er sie aus. „Sie soll auf mich aufpassen, zum Beispiel Hilfe holen, wenn etwas passiert.“ Außerdem besucht ihn seit kurzem eine Mitarbeiterin des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdiensts einmal pro Woche. „Das ist auch für uns schön, da haben wir Paarzeit und können Dinge erledigen“, sagt Anna Kolenda.

Zum Beispiel, um Geschenke zu kaufen. Elias’ größter Weihnachtswunsch ist allerdings schon in Erfüllung gegangen: ein Fest mit Papa. Denn der musste letzte Woche zum dritten Mal ausziehen, weil ein Arbeitskollege positiv getestet wurde. Doch gestern kam dann die erlösende Nachricht, er ist negativ. Für nächstes Jahr aber steht noch ein Wunsch auf der Liste, dem wohl jeder zustimmt: „Das Corona weg ist.“ Elias würde sich selbst auch impfen lassen, aber darf das nicht. Er und seine Familie müssen auf die Herdenimmunität hoffen. (Michaela Pflug)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.