Gemeinde will Gespräche mit Stadt und KVG führen

Endhaltestelle am Waldauer Weg: Dritter Anlauf für Tram nach Lohfelden

Eine Straßenbahn fährt vorbei, im Hintergrund ist ein Industriegebäude zu sehen.
+
Ist in Lohfelden auch bald eine Tram unterwegs? Unser Foto zeigt eine Straßenbahn der Tram der Linie 4 im Bereich Papierfabrik.

„Nächster Halt: Freibad Lohfelden“. So könnte eine Ansage in der Straßenbahn zwischen Kassel und Lohfelden künftig lauten.

Lohfelden/Kassel – Die Lohfeldener Gemeindevertreter haben zumindest am Donnerstag mehrheitlich einem entsprechenden Antrag der SPD zugestimmt. Der Gemeindevorstand soll nun mit der Stadt Kassel und der KVG prüfen, ob Lohfelden über eine Verbindung durch Waldau ans Straßenbahnnetz angebunden werden kann.

Angedacht ist, die Endhaltestelle der Tramlinie am Waldauer Weg an der A 7 anzusiedeln. Mit Buslinien könne die Bahn über die Ochshäuser Straße und den Waldauer Weg verbunden werden, heißt es im Antrag. Denkbar seien E-Ladestationen und Fotovoltaikanlagen. Das Thema ist nicht neu. Schon in den 90er-Jahren gab es entsprechende Pläne, Kassel und Lohfelden zu verbinden. Heiß diskutiert wurde die Tramverbindung zuletzt 2014, nachdem zuvor eine Machbarkeitsstudie durchgeführt worden war. Doch der Plan scheiterte am Geld. Die Gemeinde konnte den Eigenanteil von rund 4,5 Millionen Euro nicht stemmen.

Den finanziellen Aspekt hob in der Sitzung auch die größte Kritikerin des Antrags hervor: die U2L-Fraktion. Hohe Bau- und Betriebskosten sowie das Parkchaos durch anreisende Autofahrer seien nicht zu unterschätzen. Auch die Machbarkeitsstudie habe gezeigt: „Eine Straßenbahn macht keinen Sinn“, sagte Pia Kirchner.

CDU, SPD, Grüne und AfD hielten dagegen. Zur Zeit der Studie „haben wir noch nicht so über den Klimaschutz gesprochen“, gab Sozialdemokrat Bernd Hirdes zu bedenken. Jetzt sei das anders. Zum Kostenaspekt erläuterte er, dass die damalige Streckenführung durch Lohfelden deutlich länger und teurer gewesen wäre – und dass es heute andere Fördermöglichkeiten gebe. Die Grünen sprachen sich sogar für eine Verbindung bis nach Vollmarshausen aus. Der Antrag fand jedoch keine Mehrheit.

Bürgermeister Uwe Jäger will nun Gespräche mit der Stadt Kassel und der KVG aufnehmen, ob die Idee umsetzbar ist. Mögliche Bau- und Betriebskosten könnten jetzt noch nicht eingeschätzt werden, sagte der Sozialdemokrat auf Anfrage. Der Zeithorizont sei zu groß.

Bei der Stadt Kassel, der KVG und dem NVV ist man nicht abgeneigt: „Die Stadt Kassel und die KVG sind sehr an guten ÖPNV-Verbindungen in und von den Nachbar- und Umlandgemeinden interessiert“, teilte Stadtsprecher Michael Schwab auf Anfrage mit. Ob das klappt, hänge von Fördergeldern ab. Außerdem müsse man zunächst Machbarkeitsstudien und Analysen durchführen.

NVV-Geschäftsführer Steffen Müller schlug in die gleiche Kerbe. Er verwies aber auch darauf, dass „neue Tramstrecken ein wichtiger Teil der Verkehrswende“ sind. Daher mache es Sinn, die Planungen voranzutreiben. Die derzeit hohen Baupreise sollten dabei kein Ausschlusskriterium sein, da sie erheblich schwankten, sagte Müller.

Wie es derzeit allerdings um die Verbindung nach Waldau bestellt ist, dazu machte keine der drei Stellen auf Anfrage Angaben. Im Juli 2021 hatte die KVG hierzu jedoch mitgeteilt, dass dafür Studien und Analysen notwendig seien.

Von Moritz Gorny

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.