Kommunen beantragen Fließpfadkarten

Gefahr an Fulda in Kassel eher gering: Losse, Nieste und Wahlebach bei Hochwasser stärker betroffen

Hochwasser in Lohfelden-Volmarshausen
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Starkregenereignis: Hochwasser in der Hintergasse in Lohfelden-Vollmarshausen.

Flutkatastrophen häufen sich. Auch wenn es in der Region Kassel noch nie zu Katastrophen eines Ausmaßes wie im Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gekommen ist, gibt es auch in Stadt und Kreis immer wieder Hochwasser.

Kassel - Besonders schlimm war es im Frühjahr 2019 im Kasseler Osten. Aber auch in diesem Jahr wurden bereits mehrere Gemeinden von Starkregenereignissen heimgesucht. Grundsätzlich hängt die Hochwassergefahr von der Größe des Einzugsgebietes der Gewässer und der Topografie ab, erklärt Martin Marburger, Dezernatsleiter Oberirdische Gewässer und Hochwasserschutz beim Regierungspräsidium Kassel. Aus seiner Sicht sind daher Hochwasserschäden im Bereich der Fulda, die ein großes Einzugsgebiet und weite Überschwemmungsflächen hat, weniger wahrscheinlich als im Bereich der kleineren Flüsse im Landkreis. Zudem seien die Vorwarnzeiten an der Fulda in der Regel länger als die an Losse, Nieste und Wahlebach.

Kommunen können seit Kurzem beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie sogenannte Fließpfadkarten beantragen. Diese Karten zeigen, wo sich in Hochwassersituationen Wasser ausbreiten könnte. In Fällen, in denen diese Karte zur lokalen Beurteilung der Gefährdung nicht ausreiche, beispielsweise bei sehr flachen Gebieten ohne klare Fließwege, kann zusätzlich eine Starkregen-Gefahrenkarte bei Ingenieurbüros in Auftrag gegeben werden, heißt es vom Landesamt.

Im Landkreis haben bereits vier Kommunen eine Fließpfadkarte in Auftrag gegeben: Lohfelden, Habichtswald, Immenhausen und Trendelburg. Die Stadt Kassel selbst hat noch keine Karte beantragt, so das Landesamt. Die Gemeinde Lohfelden wird immer wieder von Hochwasser getroffen – 2019 ereilte sie ein Jahrhundert-Hochwasser, und zuletzt am 30. Juni wurden Teile der Gemeinde überflutet. Mit Blick auf Hochwasserschutz rüstet Lohfelden daher auf.

„Allerdings dauern Anträge und Genehmigung lange, und manches passiert, ohne dass Bürger es merken“, erklärt Bürgermeister Uwe Jäger. Ein kleiner Baustein im Konzept seien die Fließpfadkarten. Denn auch wenn die Kommune fluterprobt ist, gibt es Überraschungen. „Wir hätten nie damit gerechnet, dass es 2019 die Kita Vollmarshausen erwischt.“ Die wurde nicht vom Wahlebach geflutet, sondern von Wasser, das sich aus der Söhre den Weg ins Dorf bahnte. (Kathrin Meyer)

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