Mitarbeiter sind skeptisch

Gemeinde Lohfelden prüft Einsparmöglichkeiten - auch bei der Bücherei

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Sie können sich über zu wenig Arbeit nicht beklagen: John Jory (von links), Vera Ulbricht, Louisa Theis (Azubi), Helga Wagner, Peter Schneider, Gabriele Nemenz, Barbara Loserth und Carolin Orthofer vor der Abteilung der Hörbücher, die immer beliebter wird. 

Lohfelden. Die SPD-Mehrheitsfraktion im Gemeindeparlament ist auf Sparkurs. Sie hat dabei auch die Gemeinde- und Schulbücherei im Visier.

Die Verwaltung soll Besucherströme messen und Ausleihen zählen, damit eventuell Öffnungszeiten angepasst werden können. Das könnte auch Folgen für die Personalstärke und das Angebot der Bücherei haben. Bei den betroffenen Mitarbeitern stößt der Kurs auf Skepsis – auch bei Bürgermeister Uwe Jäger (SPD). Denn die Personaldecke sei bei steigenden Ausleihen und gleichzeitig wachsenden Aufgaben aktuell schon dünn. Jäger wird demnächst ein Besucherzählgerät ausleihen und in der Bücherei aufstellen.

Fünf Monate lang muss die Bücherei bereits ohne eine Leiterin, eine Vollzeitstelle, auskommen. Die bisherige Leiterin Ines Slomian ist Ende Februar auf eine andere Stelle in ihrer Heimat Thüringen gewechselt. 

Es fehlen Mitarbeiter

Die neue Leiterin werde erst am 1. August anfangen, teilte die Verwaltung mit. Auch eine weitere 23-Stunden-Stelle sei seit Anfang März nicht besetzt. „Wir schauen, wie das läuft“, sagt Jäger. Erst Mitte nächsten Jahres wird die jetzige Auszubildende Louisa Theis das Bücherei-Team verstärken.

Von den sechs hauptamtlichen Mitarbeitern, die alle außer Carolin Orthofer nur Teilzeit und im Schichtbetrieb arbeiten, und den ebenso vielen ehrenamtlichen Helfern klagt keiner über Langeweile. Von einer möglichen Kürzung der Öffnungszeiten halten sie nichts. Denn der Arbeitsaufwand werde dadurch nicht geringer.

Man sei froh, wenn auch mal geringerer Publikumsverkehr sei, um liegen gebliebene Arbeiten erledigen zu können. Viele Arbeiten würden im Hintergrund ablaufen. 

Jedes Jahr kämen 2000 bis 4000 Medien hinzu. „Neue Medien müssen foliert und registriert werden“, sagt John Jory, ehrenamtlicher Mitarbeiter. Als Gemeindevertreter der Grünen hat er sich vehement gegen den Vorstoß der SPD-Fraktion ausgesprochen. 

Die Mitarbeiter haben viel zu tun

Hinzu kämen die zahlreichen Veranstaltungen der Bücherei für Schüler „Die müssen wir ja vor- und nachbereiten“, erklärt Mitarbeiterin Helga Wagner. Und 14 Klassen der Söhre-Schule bekämen jedes Schuljahr eine Einweisung in die Bücherei. Schon jetzt spüre man die enge Personaldecke. „Den Info-Point in der Bücherei können wir oft nicht besetzen.“

Birgit Wissemann, stellvertretende Abteilungsleiterin der Gemeinde Lohfelden, bestätigt, dass die Arbeit in der Bücherei zunimmt. Mit 65 200 Ausleihen (2018) verzeichne man eine steigende Tendenz. Unter anderem sei mit der Fernausleihe „NordhessenBib“ ein weiteres Arbeitsfeld hinzugekommen.

Wenn es um Einsparungen bei der Bücherei geht, hat auch der Kreis mitzureden. Er beteiligt sich laut Pressesprecher Harald Kühlborn mit 30 Prozent an den Betriebskosten. Laut einer Nutzungsvereinbarung mit der Gemeinde müssten die Öffnungszeiten mit der Söhreschule abgestimmt werden.

Das Sagt der Schulleiter: 

Die Kooperation mit der Bücherei funktioniere sehr gut, sagt Arno Scheinost, Leiter der Söhre-Schule Lohfelden.  Es sei wichtig, dass die Gemeinde- und Schulbücherei während des Ganztagsbetriebs der Schule, also bis in den Nachmittag hinein, geöffnet habe. Schüler würden sich dort sogar in den Pausen mit Material versorgen. 

Ursprünglich sei verabredet gewesen, dass die Schule das Personal der Schule mit ehrenamtlich tätigen Schülern unterstütze. Das funktioniere leider nicht, weil die entsprechende Bereitschaft der Schüler gering sei.

Kommentar: Bücherei Überprüfung - Spar-Idee am falschen Platz

Mit Vorschlägen zum Sparen macht sich ein Kommunalpolitiker selten beliebt. Doch wenn die Finanzdecke dünner wird, kommt ein Gemeindeparlament nicht darum herum. 

Grundsätzlich sind daher die Bemühungen der SPD-Mehrheitsfraktion in Lohfelden, nach Einsparmöglichkeiten bei den freiwilligen Leistungen zu suchen, völlig in Ordnung. Allerdings haben sich die Sozialdemokraten bei der Gemeinde- und Schulbücherei offenbar das falsche Spar-Objekt ausgesucht. 

Denn die Bücherei bringt durch die fünfmonatige Vakanz der Leiterstelle und den zusätzlichen Wegfall einer 23-Stunden-Stelle in diesem Jahr bereits Einsparungen im Personalbereich, die deutlich im fünfstelligen Bereich liegen dürften. 

Angesichts der momentanen Arbeitsbelastung der Mitarbeiter ist nicht nachvollziehbar, wie eine Verkürzung von Öffnungszeiten zu einer darüber hinausgehenden finanziellen Entlastung führen soll. 

Die Söhre-Schule wird außerdem nicht akzeptieren, dass an die Öffnung der Bibliothek in den Vormittags- und Nachmittagsstunden die Axt angelegt wird – selbst wenn sich bei der Besucherzählung herausstellen sollte, dass mal die eine oder andere Stunde weniger Betrieb herrscht. 

Bleiben also nur die abendlichen Öffnungszeiten an drei Tagen in der Woche. Fallen diese weg, werden sich alle berufstätigen Lohfeldener bedanken, die auf diese Zeit angewiesen sind. Wer will sich schon gern zur Rushhour mit dem Auto zur Stadtbibliothek Kassel quälen.

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