Neues Domizil in Vollmarshausen

Nach 114 Jahren: Glaserei Hundertmark zieht von Kassel nach Lohfelden

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In dieser Woche wird umgezogen: Inhaberin Andrea Heeß vor dem traditionsreichen Ladengeschäft am Zisselbrunnen, das bereits geschlossen ist. 

Nach 114 Jahren sind am Kasseler Altmarkt die Umzugskisten gepackt: Die traditionsreiche Glaserei Hundertmark zieht sich aus dem Stadtgebiet zurück, weil die Geschäftsräume zu eng geworden sind.

Laut Inhaberin Andrea Heeß hat die Firma ein neues, großzügiges Domizil in Lohfelden-Vollmarshausen gefunden.

Dort am Friedhofsweg beginnt mit der kommenden Woche der Geschäftsbetrieb in einer Gewerbehalle, die nach Angaben der Chefin fast doppelt so viel Platz, lichtdurchflutete Arbeits- und Ausstellungsräume sowie ausreichend Kundenparkplätze bietet. Das Ladengeschäft am Altmarkt ist wegen des Umzugs bereits geschlossen. Es habe ohnehin an Bedeutung verloren, seit die Firma keine Bilderrahmungen mehr anbietet, sagt Andrea Heeß: Die Kunden für alle anderen Glaserei-Aufträge würden weitestgehend vor Ort in deren eigenen Privat- oder Geschäftsräumen beraten.

Das halbe Arbeitsleben in der Firma verbracht 

Einerseits freut sich die 51-Jährige darauf, den verwinkelten, über mehrere Etagen verteilten Firmensitz mit ihrem fünfköpfigen Team gegen zeitgemäße Geschäftsräume einzutauschen. Doch eine gewisse Wehmut sei schon dabei: „Ich habe mein halbes Arbeitsleben hier verbracht“, sagt Andrea Heeß.

Im Betrieb ihres Vaters, dem langjährigen Kasseler Handwerkspräsidenten Gerhard Repp, hat sie das Glaserhandwerk mit ausgezeichnetem Abschluss gelernt und war dann unter anderem Produktionsleiterin eines regionalen Glasgroßhandels, bevor sie nach dem Tod ihrer Mutter Karin Repp („Sie war die Seele des Geschäfts“) wieder in den Familienbetrieb einstieg.

Vor vier Jahren zog sich ihr Vater in den Ruhestand zurück. Seither führt Andrea Heeß den Handwerksbetrieb eigenständig, unterstützt von ihrem Mann Michael Heeß, der als Montageleiter verantwortlich zeichnet. Die neuen Inhaber stellten einige Weichen neu, trennten sich von wenig lukrativen Bereichen und setzten verstärkt auf gläserne Ausbau- und Renovierungslösungen im Wohnbereich wie Küchenrückwände, Ganzglasduschen und -türen.

Anfänge an der Brüderstraße: Die Glaserei auf einem alten Foto von 1906. Die abgebildeten Personen sind nicht bekannt. 

Auftragsvolumen verdreifacht 

Der Übergang in die 5. Firmengeneration ging nach Angaben der Chefin mit einer deutlichen Aufwärtsentwicklung einher: Das Auftragsvolumen habe sich seither „fast verdreifacht“, berichtet Andrea Heeß, ohne Zahlen zu nennen.

Das bringt größeren Platzbedarf mit sich und scheint die Traditionsfirma auch finanziell auf solide Füße zu stellen: „Wir waren zwei Jahre auf Standortsuche und hätten auch ein Baugrundstück gekauft“, sagt die Geschäftsfrau. Über private Kontakte sei man schließlich auf den Gewerbe-Mietstandort in Vollmarshausen gekommen, der nach einem Brandschaden völlig neu hergerichtet worden und sehr verkehrsgünstig gelegen sei.

Gemietet waren auch die traditionsreichen Firmenräume am Kasseler Altmarkt. Die sollen nach dem Auszug der Glaserei als Praxisräume genutzt werden.

Chronik: Hundertmark war 114 Jahre in der Stadt

1905: Louis Heinrich Hundertmark gründet den traditionsreichen Glasereibetrieb an der Brüderstraße.

1936: Sohn Heinrich übernimmt die Geschäfte, es folgt der Umzug in das Backsteinhaus am Altmarkt, wo die Firma bis jetzt ansässig war.

1943: Das Gebäude übersteht als eines der wenigen in weitem Umkreis relativ unversehrt die verheerende Bombennacht vom 22. Oktober.

Nach 1945: Elsa Bauer, die Enkelin des Gründers, wagt mit ihrem Ehemann Lorenz den geschäftlichen Neuanfang. Im zerstörten Kassel gab es für Glaser viel zu tun. Bauers führten den Betrieb bis zu ihrem Ruhestand fast 45 Jahre.

1990: Glasermeister Gerhard Repp und seine Frau Karin steigen ein und übernehmen den Traditionsbetrieb.

1996: Repp wird Präsident der Handwerkskammer Kassel. Zuvor bereits Vize, prägt er dieses Ehrenamt über Jahrzehnte.

2013: Tod von Karin Repp; Tochter Andrea Heeß tritt in die Geschäftsführung ein.

2015: Andrea Heeß übernimmt als alleinige Inhaberin den Traditionsbetrieb. Gerhard Repp zieht sich in den Ruhestand zurück.

2019: Firmenumzug nach Lohfelden-Vollmarshausen.

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Kommentare

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Das liest sich natürlich nicht schön, denn das Unternehmen gehört nach Kassel-Stadt. Diese ganze Ecke "Altstadt" könnte man so schön aufwerten und teilweise rekonstruieren. Altes Handwerk, Kneipen, eben das was eine Altstadt ausmacht. Hier sollte man mal generell über nachhaltige Ideen nachdenken, bevor wieder die nächste Dönerbude eröffnet. Mich wundert es, dass "Hundertmark" keine anderen Räume im Stadtbezirk gefunden hat. Da hinten fahren fahre ich ganz sicher nicht hin. MySpiegel aus Kassel welche bundesweit aktiv sind ist da schon zentraler in der Nordstadt.

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