„Die Situation droht zu eskalieren“

Grüne und CDU klagen über Drogenkriminalität in Lohfelden 

Das Foto zeigt mehrere Hände, die Geld und verschiedene Drogen austauschen, darunter Pillen, Marihuana und Ampullen.
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Drogen, Alkohol und Ruhestörung bei Jugendlichen sind zurzeit Streitthemen in Lohfelden. Unser Foto ist ein Symbolbild.

Hat Lohfelden ein Drogenproblem? Wenn es nach den Grünen und der CDU im Ort geht, lautet die Antwort: ja. Demnach wird konsumiert und gedealt. Die Gemeinde weist die Kritik zurück.

Lohfelden – „Wir haben in Lohfelden ein massives Drogenproblem“, sagt Miriam Würth-Kresevljak, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Lohfelden. „Die Situation droht, zu eskalieren.“ Es würden sowohl Drogen konsumiert, als auch mit ihnen gehandelt. Marihuana sei das Hauptproblem, aber ihres Wissens nach seien auch sogenannte „Teile“ in der Gemeinde im Umlauf. Mit diesem Wort werden üblicherweise härtere Drogen bezeichnet.

Dominik Haferburg von der CDU bestätigt, dass es in der Gemeinde ein Drogenproblem gibt. „Ich weiß nicht, mit was genau gedealt wird. Aber dass es so ist, ist ein offenes Geheimnis.“ Daneben würden Gruppen von Jugendlichen in den späten Abendstunden an wechselnden Orten beim Alkohol trinken gesehen.

„Es gibt Hotspots, wie den Bürgersee, die Söhreschule und die Skateranlage, an denen sich die Gruppen treffen“, sagt Haferburg. Sie seien laut, ließen ihren Müll an Ort und Stelle liegen und verstießen aktuell auch gegen die Corona-Regeln – zum Ärger der Anwohner.

Laut Würth-Kresevljak würden dabei Kinder mit jungen Erwachsenen zusammentreffen. „Da sind 13-Jährige mit über 20-Jährigen zusammen und bekommen somit eine Welt eröffnet, die ihnen in dem Alter normalerweise verschlossen bleibt.“

Um das Problem in den Griff zu bekommen, sieht die CDU die örtliche Jugendpflege in der Pflicht – doch die handele nicht so, wie sie solle. Die CDU-Fraktion wirft ihr mangelnde und unprofessionelle Vorgehensweise vor.

Auch Würth-Kresevljak findet, dass die Jugendpflege eingreifen müsse. „Sie könnte Präventionsangebote schaffen und somit die Lage für die Zukunft besser machen“, sagt die Lehrerin an der Söhreschule.

Zur jüngsten Gemeindevertretersitzung hatte die CDU einen Antrag gestellt, in dem die Jugendpflege einen Bericht über ihre Arbeit abgeben sollte. „Dieser Antrag wurde mit SPD-Mehrheit abgelehnt“, sagt Haferburg. „Hier hätten wir im Parlament die Gelegenheit gehabt, uns direkt über die Arbeit der Jugendpflege zu informieren und zu diskutieren.“

Es gebe zwar einen aktuellen Bericht, dieser sei aber nur im Ausschuss vorgestellt worden. „Dabei zeigte sich Diskussionsbedarf.“ Bestes Beispiel sei die aufsuchende Jugendarbeit, das sogenannte Streetworking. Dort hapere es. Grundsätzlich werfe der Bericht mehr Fragen als Antworten auf. „Es ist nicht nachvollziehbar, wie die SPD-Mehrheit mit der Jugendarbeit umgeht“, sagt Haferburg. Auch der Antrag von den Grünen, der die Überarbeitung des Kinder- und Jugendkonzepts fordere, nicht diskutiert worden. „Wir fordern die Verwaltung auf, einen virtuellen runden Tisch mit Vertretern aller Fraktionen, der Jugendpflege und Gemeindeverwaltung einzuberufen, um über das Thema zu diskutieren.“

Dazu ist die Gemeindeverwaltung auch bereit, sagt Lohfeldens Bürgermeister Uwe Jäger (SPD). Die Vorwürfe der CDU weist er jedoch zurück. „Lohfelden ist kein Hotspot für Drogen, Gewalt oder Diebstahl.“ Konflikte zwischen Jugendlichen und Erwachsenen gebe es seit Generationen, in Lohfelden sei das nichts anderes.

„Natürlich treffen sich hier an einigen Orten jüngere Leute, sie sind auch mal laut und störend“, sagt Jäger. „Die Anwohner sind genervt, das Problem ist uns bekannt. Aber im Moment ist es auch schwierig für sie, denn sie können nirgends hin.“ Angebote der Jugendpflege wie das „Freestyle“, ein offener Sporttreff für 13- bis 25-Jährige, seien wegen Corona gerade nicht verfügbar, Turnhallen hätten geschlossen, Trainingseinheiten fielen aus.

„Ich gehe davon aus, dass sich die Lage nach Corona entspannen wird.“ Die Aufgaben der Jugendpflege sieht Jäger als erfüllt. „Die Mitarbeiter haben die jungen Leute und ihre Treffpunkte im Blick und sprechen Gruppen an, wenn sie zum Beispiel zu laut sind oder ihren Müll an Ort und Stelle fallenlassen.“

Jugendpfleger Ralf Schellberg bestätigt das. „Wir sehen uns eher als Anwalt der Jugendlichen und nicht als die, die sie zur Rechenschaft ziehen, wenn mal etwas nicht gut läuft. Unser Ziel ist es, Räume und Angebote zu schaffen, wo sie sich treffen und Spaß haben können.“ Die Kritik der CDU und der Grünen an seiner Arbeit treffe ihn indes nicht: „Dafür mache ich den Job schon zu lange.“

Von Theresa Novak

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