Junge konnte dank Einsatz gerettet werden

Ärzte aus Kassel und Lohfelden wollen Kindern in Sierra Leone helfen 

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Nach der Operation im Sommer 2018: In Sierra Leone fehlt Familien oft Geld und den Ärzten Expertise und Mitteln, um komplexe Erkrankungen, wie die Missbildungen des kleinen Mohamed (hier mit seinen Eltern), erfolgreich zu behandeln. 

Lohfelden. Jedes Jahr fliegen Ärzte aus Lohfelden und Kassel nach Sierra Leone, um Kindern zu helfen. Ihre Organisation braucht jetzt Hilfe. 

Sierra Leone gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Kindersterblichkeit ist hoch, 111 von 1000 lebend geborenen Kindern sterben laut Unicef vor ihrem fünften Geburtstag. Zum Vergleich: In Deutschland sind es vier. Auch der kleine Mohamed hätte einer von 111 werden können. Doch auch dank eines Einsatzes unter Führung von Kasseler Ärzten konnte der Junge gerettet werden.

Jedes Jahr macht sich ein kinderchirurgisches Team unter der Führung des pensionierten Kinderarztes Dr. Morley Wright auf nach Sierra Leone. Mit dabei sind auch zwei ehemalige Kollegen aus  Wrights Zeit als leitender Oberarzt der Klinik Park Schönfeld, die Kinderchirurgen Dr. Ibrahim Al-Naieb und Dr. Tilman Gresing. Wright stammt aus Sierra Leone und lebt inzwischen in Lohfelden.

In zwei Krankenhäusern in der Hauptstadt Freetown operiert das Team ehrenamtlich Kinder. Seit 2010 konnte so etwa 400 Kindern geholfen werden. Alleine in diesem Jahr konnte das achtköpfige Team 102 Operationen an 92 Kindern durchführen, erklärt Dr. Wright.

Vor der Operation in Deutschland: Dr. Morley Wright, Mohamed und Dr. Ibrahim Al-Naieb.

„Bei unserem Trip 2017 wurde uns Mohammed vorgestellt“, erklärt Al-Naieb. Schnell sei klar geworden, dass man die Missbildungen an Gesicht und Schädel (Enzephalozele) des Jungen in Sierra Leone nicht operieren könne. Nach langer Suche und in Kooperation mit den Organisationen Löwe für Löwe, Pikinbizness und besonders Friedensdorf sei es schließlich möglich gewesen, Mohammed Ende Juni nach Deutschland zu holen. „Das Kind konnte erfolgreich in einer fünfstündigen Operation von Neuro- und Zahn-Kiefer-Chirurgen behandelt werden“, erklärt Wright, der aus Sierra Leone stammt. Ende September konnte Mohammed in den Schoß seiner Familie zurückkehren.

Es sind Kinder wie Mohamed, die das Ärzteteam motivieren, weiter zu machen. Auch wenn der Bürgerkrieg in dem westafrikanischen Land seit 2002 beendet ist und das Land Fortschritte gemacht hat, sind die Nachwehen noch zu spüren. „Das Gesundheitssystem ist durch Beschädigung der Krankenhäuser und Auswanderung von Fachpersonal schwer getroffen“, sagt Dr. Wright. Ziel des Einsatzes sei die chirurgische Versorgung von Kindern, die aufgrund fehlender Expertise aber auch aus finanziellen Gründen, in Sierra Leone nicht behandelt werden. Denn nur die medizinische Versorgung von Kindern unter fünf Jahren und stillenden und schwangeren Frauen ist kostenlos.

Daher könnten sich viele Familien die Behandlung nicht leisten. Ein weiteres Ziel sei die Weiterbildung von Ärzten und medizinischem Personal. Interesse am Projekt von jungen Kollegen aus Deutschland gebe es zuhauf, sagt Dr. Al-Naieb. Neben dem Gedanken zu helfen, spiele auch die Möglichkeit eine Rolle Krankheitsbilder kennenzulernen mit denen die jungen, hoch spezialisierten Ärzte in Deutschland selten konfrontiert zu werden. „Das Interesse ist da, aber uns fehlt der finanzielle Rahmen.“ So könnten beim nächsten zweiwöchigen Trip, der im Februar 2019 stattfinden soll, diesmal nur sechs Personen mitreisen.

So können Sie helfen;

Der Verein Bintumani D-SL German-Sierra Leone Society ist ein von Sierraleonern und Deutschen 1998 gegründeter Verein. Der Verein fördert Entwicklungsprojekte, meist in den Bereichen Gesundheit, Schule und Ausbildung. Das kinderchirurgische Projekt organisiert Dr. Morley Wright in Zusammenarbeit mit dem Verein seit 2010. Besonders häufig operiert das Team Fehlbildungen des Magen-Darm-Trakts, der Harnwege und Hernien. Die Einsätze des ehrenamtlichen Teams können nur mit Spenden finanziert werden. Diese werden benötigt für Medikamente, Operationsmaterial und die Reisekosten für das medizinische Team aber auch Patienten und Angehörige. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann an Bintumani D-SL-German Sierra Leone Society e.V. spenden, IBAN DE 27 100 205 000 003 199 701, BIC BFSWDE33BER (Bank für Sozialwirtschaft), Stichwort Kinderchirurgie.

Hilfsorganisation Bintumani: Ärzte aus Kassel helfen weiter

Kindern ein besseres Leben schenken: Das Kasseler Ärzteteam der Hilfsorganisation Bintumani unterstützt im März Kinder in Sierra Leone. Sie bieten dort kostenlose Operationen an.

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