Sanierung nicht in Sicht

Lärm, Schlaglöcher und Ignoranz: Lastwagen nerven Lohfeldener

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Lkws in der Bachstraße: Eigentlich dürften sie nur hier langfahren, wenn sie dort ein Anliegen haben.

Lohfeldener Bürger sind sauer: Immer wieder ignorieren Lastwagen-Fahrer Verbote und Hinweisschilder und suchen sich Schleichwege durch die mitunter für Lastwagen zu engen Gassen. 

Eigentlich sind die Schilder recht eindeutig: Ein roter Kreis und innen drin ein Lkw. Trotzdem sind in Lohfelden immer wieder auch Lastwagen-Fahrer auf Straßen unterwegs, in denen sie höchstens als Anlieger fahren dürften. Das führt zu Lärmbelästigungen, Schlaglöchern, verstopften Straßen, Unfällen und genervten Anwohnern. Einem guten Dutzend von ihnen ist die Verzweiflung im Gespräch anzumerken.

„Wenn man das Fenster aufmacht, dann rappelt das Geschirr im Schrank und im Wohnzimmer kann man sich kaum unterhalten“, sagt Veronika Freudenstein. Freudensteins wohnen in der Bachstraße. Eigentlich dürfen durch die nur Lkws fahren, die etwas anliefern. Das entsprechende Schild steht. „Es würde vielleicht helfen, wenn das Schild besser sichtbar und auf beiden Straßenseiten stehen würde“, schlägt Herbert Langenhagen vor. Ob das möglich ist, prüft die Gemeinde momentan, sagt Bürgermeister Uwe Jäger auf Nachfrage.

Lothar Faust erklärt, dass die Lkw-Belastung nach dem Umbau an der A7 begann und nach der Sperrung des Waldauer Wegs noch schlimmer wurde. Im Zuge des Neubaus der Tank- und Rastanlage Kassel Ost haben sich auch die Auffahrten zur Autobahn geändert. Fahrer, die im Bergshäuser Industriegebiet starten, müssen schon kurz vor der Brücke abbiegen. Einige tun das - trotz Beschilderung - aber nicht und dann kommt es zum Problem. „Denn Wendemöglichkeiten gibt es dann keine mehr“, sagt Ralf Freudenstein.

„Unser Hauptproblem sind die Lkw-Fahrer“, erklärt Bürgermeister Jäger. Die würden entweder keine Schilder lesen können oder hätten ein Problem mit ihrem Navigationsgerät, vermutet er. Das führe mitunter auch zu verzweifelten und wenig erfolgreichen Wendemanövern. Und mitunter zu Unfällen: im vergangenen Jahr riss sich zum Beispiel ein Lkw beim Wenden den Tank auf und sorgte für teure Entsorgungsmaßnahmen.

Wer auf der Bergshäuser Straße weiterfährt, kommt an Mittelstraße und Bachstraße an. Weil die Durchfahrt für Lkws in der Mittelstraße komplett untersagt ist, wenden sich die Lkw-Fahrer dann gen Bachstraße. Schon mehrfach haben Bürger versucht, die Lkw-Fahrer auf ihre Fehler aufmerksam zu machen, schildern sie im Gespräch mit der HNA. Auf Verständnis seien sie selten gestoßen. Oft aufgrund von Sprachbarrieren, manchmal aber auch aus Ignoranz.

Bürgermeister Jäger beschreibt, was ihm an der Mittelstraße passiert ist: „Ich habe mich einem mit meiner Vespa in den Weg gestellt. Das war dem allerdings egal und ich wäre fast überfahren worden“. Man bemühe sich immer wieder um Gespräche, zum Beispiel mit der Polizei. Deren Sprecher Matthias Mänz: „Wir haben das im Blick. Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir das auch weiterhin kontrollieren.“

Ein Anwohner schlägt vor, dass ortsnahe Firmen ihre Fahrer direkt auf den richtigen Weg hinweisen. Auch wünschen sich die Lohfeldener eine Lösung, die den Fahrern noch deutlicher mache, hier geht es nicht weiter, zum Beispiel eine Höhenbegrenzung. Oder man müsste eine Wendemöglichkeit an der Bergshäuser Straße schaffen. Bürgermeister Jäger bringt auch eine Fahrbahnverengung ins Gespräch. „Denn so wie es jetzt ist, ist es erbärmlich“.

Nur notdürftig ausgebessert: Lohfeldener an der Crumbacher Straße, die an den Rändern Risse hat.

Das sagt Hessen Mobil

„Wir sind gesprächsbereit“ Auch Hessen Mobil ist das Problem der Lkw-Fahrer bekannt. Sprecher Horst Sinemus erklärt, dass verkehrsrechtlich dort alles gemacht worden sei, was möglich ist. „Nach der verkehrsbehördlichen Anordnung des Landkreises haben wir dort entsprechend Schilder aufgestellt, inklusive des Durchfahrtsverbotes an der Bergshäuser Straße“. Allerdings gebe es sicher noch weitere Möglichkeiten, dort auf das Verkehrsgeschehen einzuwirken: „Wir würden anregen, dass sich alle Beteiligten noch einmal treffen und darüber reden.“ Bei Forderungen, wie einem Höhenbegrenzer müsse man auch die Konsequenzen bedenken. Offene Fragen seien zum Beispiel: Wo gehe der Verkehr dann hin und welche Strecken nutzen dann die Anlieferer?

Hintergrund: Sanierung erst nach 2022

Beim Ortstermin weisen die Bürger auch auf die vielen Schlaglöcher, insbesondere auf der Crumbacher Straße hin. „Auch durch den starken Lkw-Verkehr werden unsere Straßen ruiniert“, sagt Ralf Freudenstein. Zwar gebe es keine Straßenbaubeiträge mehr, aber schließlich müssten auch in Zukunft Sanierungen finanziert werden. Bürgermeister Uwe Jäger ist sich des schlechten Zustandes der Straße bewusst, verweist aber auf die Straßenbehörde des Landes Hessen Mobil. Laut deren Sprecher Horst Sinemus, ist die Landesstraße in diesem Bereich nicht Teil der Sanierungsoffensive 2016 - 2022, und kann somit erst danach saniert werden. 

Sinemus erklärt das Verfahren: Da das gesamte Landesstraßennetz in einem teilweise sehr schlechten Zustand sei und nicht alle Strecken gleichzeitig saniert werden könnten, wurden alle Straßen begutachtet, um die dringlichsten Vorhaben zu ermitteln. Dazu sei das Netz hinsichtlich Verkehrssicherheit, Verkehrsbedeutung der Strecken, Verkehrsqualität und Umfeldsituation sowie des Straßenzustandes bewertet worden. So führe allein ein schlechter Zustand nicht automatisch zu einer hohen Dringlichkeit. Unabhängig des Sanierungszeitpunktes werde aber der verkehrssichere Zustand durch Hessen Mobil sichergestellt werden.

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