Problem ist Termindruck der Fahrer

„Lkw fahren erschreckend dicht auf“ - Automobilclub nimmt Verkehr auf A7 unter die Lupe

Vier Männer stehen auf einer Brücke und halten Dinge in die Kamera. (von links) Klaus Treptow, Uwe Völker, Ralf Kitzerow und Frieder Schütz vom Auto Club Europa (ACE) Kreis Nordhessen.
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Haben den Schwerlastverkehr beobachtet: (von links) Klaus Treptow, Uwe Völker, Ralf Kitzerow und Frieder Schütz vom Auto Club Europa (ACE) Kreis Nordhessen.

Es ist 11.30 Uhr, das Thermometer zeigt 25 Grad. Traumhafte Bedingungen für zwei Männer vom Auto Club Europa, die auf der Brücke Crumbacher Straße stehen und den Verkehr unter die Lupe nehmen.

Kreis Kassel - „Wir prüfen, wie viele Lkw-Fahrer sich auf der A 7 Richtung Süden an die Abstände halten“, erklärt Frieder Schütz. In einer Tabelle macht der Vorsitzende des Auto Club Europa (ACE) im Kreis Nordhessen einen Strich, wenn ein Lastwagen weniger als 50 Meter Abstand zum vorfahrenden Lkw hält. Er orientiert sich an den Leitpfosten. „Und ich zähle Lkw, die zu zweit hintereinander unterwegs sind“, sagt Ralf Kitzerow. Nach einer halben Stunde steht fest: 120 Lkw-Paare sind durchgefahren, 24 mit zu geringem Abstand.

Ihre Kollegen Uwe Völker und Klaus Treptow haben den Lastwagenverkehr Richtung Norden ins Visier genommen. Die Erkenntnis: „27 Prozent fuhren zu dicht auf“, sagt Völker. Auch von einer Fußgängerbrücke in Niederzwehren haben sie den Schwerlastverkehr beobachtet – auf der A49. Das Fazit ist, dass sich rund ein Drittel nicht um Abstände schert. „Sie fahren erschreckend dicht auf“, sind sich die vier Männer einig. So entstünden brenzlige Situationen.

Sie wollten Lkw-Fahrer nicht schlecht machen, leisteten sie doch wichtige Arbeit. Ein Problem sei in vielen Fällen mittlerweile der starke Termindruck, unter dem Fahrer stünden. Da werde um jede Minute gekämpft. Gleichzeitig gebe es aber auch solche, die während der Fahrt Kaffee kochen, Filme schauen oder mit dem Handy hantieren.

Aber auch Autofahrer nehmen die Mitglieder des Automobilclubs in die Pflicht. Sie scheren mitunter knapp vor Lastwagen ein oder fahren dicht auf. Daraus entstehen gefährliche Situationen. Und weil dann immer wieder die Notbremsassistenten in den Lastwagen Alarm schlagen, schalten Fahrer die Systeme mitunter einfach aus. „Wir hören das immer wieder, obwohl die Assistenten seit 2015 in der EU Pflicht sind“, sagt Völker. Ein solches Verhalten sei unverantwortlich und mache den Straßenverkehr unsicherer, schließlich könnten die Abstandshaltesysteme eigentlich das Gegenteil bewirken.

Im Fazit nehmen die vier ACE-Mitglieder jeden in die Pflicht, vom Fahrradfahrer bis zum Lastwagenfahrer: „Wir appellieren an alle Verkehrsteilnehmer, die Abstände einzuhalten.“ Die Ergebnisse ihrer Zählung wollen sie auf ihrer Homepage und im ACE-Magazin veröffentlichen. Die Hoffnung ist, damit mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. (Moritz Gorny)

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