„Das schönste Geschenk“

Lohfeldenerin hat ihren Bruder nach 70 Jahren in den USA wiedergefunden

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Erstes Treffen am Frankfurter Flughafen: Adelheid Hausner wusste, dass sie einen Bruder hat, konnte ihn aber lange Zeit nicht finden. Als John Murphy sie in Deutschland besuchte, war die Freude der beiden sichtbar groß. 

„Dass John zu meinem 70. Geburtstag angereist ist, war das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe“, sagt Adelheid Hausner. Sie hat nach 70 Jahren ihren Bruder John Murphy aus den USA wiedergefunden.

Die Mutter der beiden hatte John Murphy zur Adoption freigegeben, als sie mit Adelheid Hausner schwanger war. Auch Hausner wurde zur Adoption freigegeben – vermutlich, weil die Mutter streng katholisch war und die Kinder unverheiratet gebar, so Hausner. Geboren wurden Murphy und Hausner in Kaufungen und kamen nach der Geburt in unterschiedliche Heime. 

Hausner wurde von einer Familie aus Kaufungen adoptiert, Murphy von einem US-Soldat, der erst in Athen stationiert war, dann in den USA, kurzzeitig in Nürnberg und dann wieder in den USA. So landete Murphy bereits als kleiner Junge in Amerika.

Eine lebenslange Suche geht zu Ende 

Hausner hat ihre Geschwister ihr Leben lang gesucht – die anderen Kinder der Mutter hat sie gefunden und hält Kontakt zu denen, die noch leben, aber ihr ältester Bruder blieb lange Zeit verschwunden. Hausner entschied sich, ihn über eine Fernsehsendung namens „Julia Leischik sucht – bitte melde dich“ zu suchen: Viele Jahre hörte sie nichts, bis sich im Frühling jemand vom Sender meldete und Kameraaufnahmen von Hausner machte. 

Sie sagten ihr, wenn sie nichts mehr höre, sei die Suche ins Leere gelaufen. Doch am 13. Juni meldete sich eine Frau und sagte, man habe ihren Bruder gefunden. „Den Tag werde ich nie vergessen“, sagt Hausner. Das Fernsehteam wollte nicht erneut bei ihr drehen, gab ihr aber die Kontaktdaten von John Murphy.

Kontakt trotz Sprachbarriere

Anfangs hat sie mit ihrem Bruder über das soziale Netzwerk Facebook Kontakt gehalten, weil sie sich so die Texte des jeweils anderen übersetzen lassen konnten: Hausner spricht kaum Englisch, Murphy wiederum kann kein Deutsch. Hausner lud eine Freundin ein, die übersetzen sollte, und rief ihren Bruder John endlich an.

Die Familie ist vereint: Sohn Robby Murphy (von links), Adelheid Hausner, ihr Bruder John Murphy und dessen Tochter Kimberly Murphy-Loyd. 

 „Ich war so aufgeregt“, erzählt sie, und sie habe auch das Zittern in der Stimme ihres Bruders gehört. „Ich wusste, dass ich eine Schwester habe, aber nicht, wo sie lebt und wie sie heißt“, sagt John Murphy. Er wohnt in Lompoc, California, und hat als Ingenieur in der Elektronikbranche gearbeitet. Inzwischen ist er Rentner.

Er und Hausner sprechen zwar nicht dieselbe Sprache, aber trotzdem machen sie Witze, necken sich gegenseitig und scherzen gemeinsam. „Es ist nicht zu übersehen, dass sie verwandt sind, sie haben dieselben Eigenschaften“, sagt John Murphys Tochter, Kimberly Murphy-Loyd. 

Pünktlich zum Geburtstag 

Sie und ihr Bruder Bobby Murphy sind mit ihrem Vater nach Deutschland gereist, um ihre Tante kennen zulernen – passenderweise kamen sie am 3. Oktober am Frankfurter Flughafen an, am 4. Oktober feierte Adelheid Hausner ihren 70. Geburtstag.

Bis Montag war John Murphy mit seinen Kindern zu Besuch in Kaufungen – verständigt haben sie sich mit Hausner vor allem dank des Smartphones. Die Übersetzungsfunktion von Google hat ihnen geholfen. „Manchmal geht etwas schief beim Übersetzen, da haben wir oft herzlich gelacht“, sagt Hausner. 

Sie möchte Englisch lernen und in die USA zu ihrem Bruder reisen – John Murphy wiederum lernt mithilfe von Videos Deutsch und möchte nach Deutschland zurückkehren. „Unser Plan ist, dass wir uns nächstes Jahr Weihnachten ohne Übersetzungshilfe unterhalten können“, sagt er und lacht.

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