56-Jähriger hatte mit Schreckschusswaffe geschossen

SEK-Einsatz in Lohfelden: Mann angeschossen - kaum jemand hat etwas gehört

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Am Tatort: Vom verglasten Balkon der Dachgeschosswohnung in der Lohfeldener Bergstraße soll ein Mann am Dienstagabend Schüsse abgefeuert haben. Anwohner Fritz Brätschke berichtet einem Fernsehteam, was er an diesem Abend mitbekommen hat.

Ein Mann hat am Dienstagabend in Lohfelden mehrfach mit einer Waffe geschossen. Bei dem anschließenden Polizeieinsatz wurde er durch Schüsse aus einer Polizeiwaffe schwer verletzt.

Dieser Artikel wurde aktualisiert am 7. März um 12.03 Uhr -  Nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Werner hatte eine Nachbarin gegen 18 Uhr die Polizei informiert, weil ein offenbar „betrunkener Nachbar“ auf dem Balkon an der Bergstraße in Lohfelden im Kreis Kassel eine Waffe abgefeuert haben soll. Beamte des Polizeipräsidiums Nordhessen, darunter auch SEK-Kräfte, hätten den Lohfeldener dann angetroffen und mussten laut Werner ihre Waffe benutzen. Dabei wurde der Verdächtige durch einen Schuss in die Hüfte schwer verletzt.

Der 56-jährige Mann hatte mit einer PTB-Waffe geschossen. Darunter versteht man Reizstoff-, Schreckschuss- und Signalwaffen. Die Waffe sei in ihrem Erscheinungsbild von einer scharfen Waffe kaum zu unterscheiden gewesen. Das teilten Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, und Christoph Schulte, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Wiesbaden, am Mittwoch in einer Presseerklärung mit.

Der 56-Jährige verfüge über keine waffenrechtliche Erlaubnis. Zudem sei er bereits polizeibekannt gewesen. Die Ermittler hätten davon ausgehen müssen, dass von dem Schützen eine Gefahr für andere Menschen in seinem Umfeld ausgehe. Nachdem die Beamten die Wohnung des Mannes geöffnet hätten, hätten sie ihn mit einer Waffe angetroffen. Daraufhin habe ein Beamter auf den 56-Jährigen geschossen. Der Verdächtige wurde im Hüftbereich getroffen. Er wurde mit schweren Verletzungen ins Klinikum Kassel eingeliefert. Einzelheiten zu seinem Gesundheitszustand wurden am Mittwoch nicht bekannt gegeben.

Noch in der Nacht wurde dem Mann eine Blutprobe entnommen, die auf Alkohol und Drogen getestet werden soll. Da der Mann bislang nicht vernommen werden konnte, sei noch unklar, warum er auf seinem Balkon geschossen habe.

Wie üblich bei Einsätzen, bei denen Polizisten von der Schusswaffe Gebrauch machen, ist das LKA mit den Ermittlungen beauftragt worden. Das LKA prüft unter anderem die Rechtmäßigkeit des Einsatzes der Dienstwaffe.

SEK-Einsatz in Lohfelden: Das sagen die Nachbarn

Kaum etwas an diesem Vormittag deutet darauf hin, dass einen Abend zuvor ein Mann von einem Balkon in der Bergstraße in Lohfelden Schüsse abgefeuert haben soll und bei einem anschließenden Polizeieinsatz durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe schwer verletzt wurde. Es ist ruhig in der Bergstraße, nur wenige Menschen sind unterwegs.

„Schüsse habe ich nicht gehört“, sagt Fritz Brätschke, der in der Bergstraße lebt, nur wenige Hundert Meter vom Tatort entfernt. Irgendwann zwischen 18 und 19 Uhr sei er auf seinem Balkon gewesen und habe eine Zigarette geraucht. Dann habe er Feuerwehr- und Polizeiwagen sowie einen Krankenwagen gesehen. „Ich wusste nicht, was los war“, sagt Brätschke. „Erst am nächsten Morgen habe ich von den Schüssen gehört.“ Er deutet auf das Haus, von wo aus der Verdächtige einen Abend zuvor die Schüsse abgefeuert haben soll. „Heute war schon mal jemand hier und hat von dem Haus Bilder gemacht.“

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Auch eine Frau aus der Nachbarschaft, die an diesem Morgen gerade vom Einkaufen kommt, habe erst einen Tag später von dem Polizeieinsatz erfahren. „Die Schüsse habe ich aber gehört“, sagt sie. „Es hat einen lauten Knall getan. Ich dachte, irgendein Verrückter feuerte Knallkörper ab.“

Woher die Schüsse kamen, habe sie an diesem Abend nicht zuordnen können. Auch habe sie sich nicht weiter darum gekümmert. „Raus bin ich natürlich nicht gegangen. Ich wusste ja nicht, was los war.“

Eine merkwürdige Geschichte sei das, sagt ein Spaziergänger, der gerade seine Runde mit seinem Hund dreht. In der Parallelstraße wohne er – und habe überhaupt nichts gehört. „Erst im Radio am nächsten Morgen. Und in der Zeitung habe ich davon gelesen.“ Wer der Mann sei, wisse er nicht. „Ich weiß nicht einmal, von welchem Balkon aus geschossen wurde.“ Er macht eine auslandende Geste: „In der Bergstraße gibt es an fast allen Häusern Balkone.“

Sirenen habe sie gehört, sagt eine weitere Frau, die in der Nähe unterwegs war. „Wohl von der Feuerwehr.“ Jeden Abend mache sie eine große Runde durch Lohfelden, zum Tatzeitpunkt sei sie etwa am Herchenbach gewesen. „Ich habe nicht weiter verfolgt, was los war“, sagt sie. Und fügt hinzu: „So ist das eben heutzutage. Man schaut nur nach sich.“

SEK-Einsatz in Lohfelden: In dieser Straße fielen die Schüsse:

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