„Als wohnte ich am Nürburgring“

Vollmarshäuser beschweren sich über Raser direkt vor ihren Häusern

Erich Jonson Vollmarshausen am Ortsschild
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An der Welleröder Straße, am Ortsausgang von Vollmarshausen, stand bis 2019 ein Blitzer. Seit dieser abgebaut wurde, beobachtet Anwohner Erich Jonson immer mehr Raser vor seinem Haus.

„Hier stand bis 2019 ein Blitzer“, sagt Erich Jonson und deutet auf eine runde Platte zu seinen Füßen. Seitdem dieser abgebaut wurde, seien die letzten Meter der Welleröder Straße am Ortsausgang von Vollmarshausen zu einer lauten Rennstrecke geworden.

Lohfelden – Etwa 100 Meter sind es von dem ehemaligen Standort des Blitzers bis zum Haus von Erich Jonson. Er wohnt mit seiner Frau direkt gegenüber vom Ortsausgangsschild. Jonson ist verärgert, denn seit Abbau des Blitzers hielten sich viele Autofahrer nicht mehr an die innerörtliche Geschwindigkeitsbegrenzung. Nur wenige Meter hinter seinem Haus darf auf 80 Kilometer pro Stunde beschleunigt werden, doch „daran halten sich die wenigsten“, sagt Jonson.

Seit Abbau der Blitzer-Anlage würden die Fahrer häufig schon innerorts beschleunigen, direkt nach der Kurve etwa 250 Meter vor Ortsausgang. „Dann brettern sie lautstark an meinem Haus vorbei“, sagt der Rentner verärgert. Besonders morgens und ab 14.30 Uhr habe Erich Jonson das Gefühl, „als wohnte ich am Nürburgring.“ Im Sommer bei offenem Fenster schlafen, sei wegen des Lärms unmöglich.

Vollmarshausen: Raser am Ortsausgang

Zwar hätte die Polizei zwischenzeitlich mit einem mobilen Messgerät die Geschwindigkeit der Autos in der Welleröder Straße überprüft, „allerdings nicht zu den Stoßzeiten, in denen hier die meisten Raser unterwegs sind“, schildert Jonson die Situation weiter.

Er würde sich wünschen, dass an der alten Stelle wieder ein fester Blitzer installiert werde, „oder man das Ortsschild um ein paar Hundert Meter versetzt.“

Doch das könne die Gemeinde nicht einfach entscheiden, erklärt Bürgermeister Uwe Jäger. „Es handelt sich um eine Landesstraße, da liegt die Zuständigkeit bei Hessen Mobil, nicht bei der Gemeinde“, sagt Jäger. Gerne würde er helfen, doch die Gemeinde sei in solchen Situationen abhängig von höheren Behören.

„Als wohnte ich am Nürburgring“

Für Erich Jonson und seine Frau sei es wegen der Raser oft nicht ungefährlich, wenn sie mit ihrem Auto von der Auffahrt auf die Welleröder Straße ausparken wollen, berichtet der 58-Jährige.

Sein Nachbar Gerhard Scherel wohnt in der Hausnummer 75. Sein Grundstück endet genau dort, wo vor drei Jahren noch der Blitzer stand. Er berichtet vom selben Problem. „Seit das Rasen hier nicht mehr geahndet wird, sind viele Fahrer deutlich zu schnell“, schätzt er die Situation ein. Er befürchte, dass einige sogar noch schneller als die außerorts erlaubten 80 Kilometer pro Stunde unterwegs seien. Auch er empfindet das Ausparken an der Welleröder Straße als riskant, da der Verkehr viel zu schnell vor seiner Garage unterwegs sei.

Am Ortsausgang von Vollmarshausen halten sich viele Fahrer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung, weshalb es häufig sehr laut ist.

„Bevor der alte Blitzer aufgestellt wurde, hatte ich damals eine Unterschriftenaktion gestartet, da das Problem auch schon früher bestand“, erzählt Scherel.

Wieso das Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung inzwischen wieder abgebaut wurde, sei ihm unverständlich. „Ich hatte sogar 250 Euro geboten, damit das Gerät als Attrappe stehen bleibt“, sagt er. Das wurde leider abgelehnt.

Von Theresa Lippe

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