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Lohfelden will Menschen bei der Einbürgerung helfen

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Von: Michaela Pflug

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Hilft, sich im Bürokratie-Dschungel zurechtzufinden: Lotsen wie Friday Aigbomian sollen in Lohfelden bei der Einbürgerung helfen.
Hilft, sich im Bürokratie-Dschungel zurechtzufinden: Lotsen wie Friday Aigbomian sollen in Lohfelden bei der Einbürgerung helfen. © Michaela Pflug

Wer sich einbürgern lassen will, der steht oft vor großen bürokratischen Hürden. In Lohfelden sollen in Zukunft Lotsen dabei helfen, diese zu überwinden.

Lohfelden – Die Gemeinde ist aktuell die einzige Pilotkommune im Projekt „Einführung von Einbürgerungslotsinnen in Hessen“ 2022/23 des Ministeriums für Soziales und Integration, teilt die Gemeinde mit. Aktuell sucht die Verwaltung nach Menschen, die sich in diesem Bereich ehrenamtlich engagieren wollen.

Einer, der dabei sein wird, ist Friday Aigbomian. Der Lohfeldener kennt sich mit dem Thema aus – aus eigener Erfahrung, aber auch, weil er sich bereits als ehrenamtlicher Einbürgerungsbegleiter in Kassel engagiert hat und in Gruppen wie etwa der African People’s Convention Kassel und dem Ausländerbeirat Lohfelden vernetzt ist. Schon bei zahlreichen Behördengängen war er dabei, hat geholfen Anträge zu schreiben, begleitete aber auch bei Elternabenden.

Manche Themen wiederholten sich. So gebe es zum Beispiel öfter Probleme mit der Anerkennung von Sprachkursen und -tests oder der Vorgabe, den Lebensunterhalt für sich und alle Familienangehörigen ohne Leistungen vom Jobcenter oder vom Sozialamt finanzieren zu können. Für Ausländer, die im Mindestlohnsektor arbeiten, sei das schwierig. Hinzukommt: „Viele Menschen haben Angst vor der Bürokratie und dem Umgang mit deutschen Beamten“, sagt Aigbomian. Diese würden oft als steif und abweisend wahrgenommen. Viele Ausländer hätten schlechte Erfahrungen gemacht, wodurch Scheu, Frust und Isolation wachsen könnten. Auch fehle mitunter der Zugang zu relevanten Informationen. Daher sei Geduld gefragt und die Bereitschaft viele Gespräche zu führen.

„Es ist wichtig, diese Leute zu motivieren und ihnen geduldig zu erklären, warum die Einbürgerung wichtig ist“, sagt Aigbomian. Es gehe darum, Teilhabe an Rechten und Pflichten zu ermöglichen. Nur nach der Einbürgerung kann man zum Beispiel wählen, selbst für politische Ämter kandidieren und hat vollen Zugang zu Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit sowie Freizügigkeit und Berufsfreiheit.

Durch Workshops und Schulungen sollen den Lotsen die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, erklärt Projektverantwortlicher Thorsten Bürgel. Damit sollen sie auf den aktuellen Stand zum Thema Einbürgerung gebracht werden und bleiben, und bestehendes Wissen soll gefestigt werden. Trotzdem sei es natürlich von Vorteil, wenn die Ehrenamtlichen selbst über einen Migrationshintergrund verfügen und außer Deutsch noch eine weitere Sprache sprechen. Der Einsatz wird finanziell mit einer Aufwandsentschädigung honoriert.

Info: Eine Infoveranstaltung gibt es am Mittwoch, 7. September, ab 19 Uhr im Familienraum Vollmarshausen. Wer sich engagieren möchte, kann eine E-Mail an gemeinde@lohfelden.de schreiben oder Christina Ruck unter 0561/51102-39 oder Thorsten Bürgel unter 0561/51102-44 anrufen.

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