Fortschritt wird bei Bürgerversammlung vorgestellt

Lohfeldener fordern besseren Schutz vor Hochwasser

Die Nachwirkungen der Flut im Mai 2019 sind noch heute zu spüren. Der Wahlebach war dabei vom Bächlein zum reißenden Strom geworden, hier ein Ausschnitt parallel zur Kasseler Straße.
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Die Nachwirkungen der Flut im Mai 2019 sind noch heute zu spüren. Der Wahlebach war dabei vom Bächlein zum reißenden Strom geworden, hier ein Ausschnitt parallel zur Kasseler Straße.

Immer wieder wird Lohfelden aufgrund vieler versiegelter Flächen und seiner Tallage hart von Hochwasser getroffen. 80 Besucher hörten daher aufmerksam zu, als die Pläne zum Hochwasserschutz vorgestellt wurden.

Lohfelden - Im Fokus der Fragen standen im Anschluss besonders die Bereiche an der Kasseler Straße und zwischen Vollmarshausen und Wellerode sowie der Zeitplan. Bürgermeister Uwe Jäger, Gemeindemitarbeiter Dirk Gertenbach und Christoph Wegener vom Ingenieurbüro AGC präsentierten die Pläne.

Zeitplan für Hochwasserschutz in Lohfelden

Jäger appellierte an die Geduld und Selbstverantwortung der Bürger und die Gnade Gottes. Denn Verfahren und Absprachen dauerten und ließen sich kaum beschleunigen. Als Beispiel nannte er Baunatal, wo man 1992 mit der Umsetzung eines Hochwasserschutzkonzeptes begonnen hätte und das erst 2017 fertiggestellt wurde. „Wir geben personell und finanziell alles“, sagte Jäger. Katastrophen wie in Ahrweiler werde man allerdings wohl nie verhindern können.

„Wir wollen die Welle kappen“, definierte AGC-Planer Christoph Wegener das Ziel. Ein Mittel sei es, Rückhalteräume zu schaffen. Im Zentrum stehen dabei zwei Rückhaltebecken zwischen Ochshausen und Vollmarshausen mit einem Stauvolumen mit knapp 100.000 Kubikmetern – bis die gebaut werden, dürfte es aber 2024 werden (wir berichteten).

Ist-Zustand des Hochwasserschutzes in Lohfelden

Dirk Gertenbach skizzierte, was bereits passiert ist. Dazu gehörten etwa Kanalerweiterungen, neue Regenwasserverbindungen und die beantragten Flusspfadkarten zur besseren Voraussage. Noch immer sei man mit der Beseitigung von Schäden des Hochwassers im Mai 2019 beschäftigt, viele Fundamente wurden unterspült, Flussbetten und Uferböschungen zerstört. Auch gebe es einen regen Austausch mit anderen Anrainern wie Kassel, Söhrewald und Hessen Forst. Insgesamt sollten bis 2025 sechs Millionen Euro aufgewendet werden, davon 1,5 Millionen Euro alleine für die Beseitigung von Schäden.

Fest- und Hundeplatz in Vollmarshausen

Die Fuß- und Radwegbrücke am Festplatz Vollmarshausen werde erneuert, erklärte Wegener. Auch die Brücke an der Alten Welleröder Straße soll saniert werden und sei dann auch wieder für den Schwerlastverkehr nutzbar. Außerdem werde geprüft, ob am Hundeplatz weitere Rückhalteräume geschaffen werden können. „Dazu gibt es Gespräche mit den Vereinen“, sagte Jäger. Aktuell suche man Ausgleichsflächen.

Dem Vorschlag des Bürgers Henner Gröschner, schon an der denkmalgeschützten Brücke Alte Welleröder Straße die Wassermassen mithilfe von Dämmen aufzustauen, stand die Gemeinde ablehnend gegenüber. Dort befänden sich Biotope. Aufgrund der zu erwartenden naturschutzrechtlichen und landschaftspflegerischen Auflagen und Kosten für den Ausgleich sei dies nicht realistisch. Es gebe aber auch sehr frühe Gespräche mit der Gemeinde Söhrewald, um auf deren Gebiet weitere Rückhaltemöglichkeiten zu schaffen, sagte Gertenbach.

So sieht der Wahlebach normalerweise aus. Der Neubau an der Kasseler Straße 44 c wurde zuletzt im Juni geflutet.

Kasseler Straße

Auf die Notwendigkeit, die Anwohner der Kasseler Straße zu entlasten, wiesen die Betroffenen Inge Günther, Uwe Stegmann und Claudia Hubert hin. Parallel zum Spielplatz bis zum Neubau 44 c könnte eine Ufermauer gebaut werden, erklärte Planer Wegener. Im Anschluss an die Mauer könnte ein Damm entstehen, der auch das Netto-Gelände schützt. Aktuell warte man auf den Herbst, um blattfrei besser vermessen zu können.

Walter Berthel fragte, warum der Neubau des Mehrfamilienhauses unmittelbar am Bach überhaupt genehmigt worden sei. „Baurechtlich konnte das nicht verhindert werden“, sagte Bauamtsleiter Rolf Schweitzer. Offiziell sei die Fläche kein Überschwemmungsgebiet, dazu sei der Bach zu klein. Auch gebe es für das Gebiet keinen Bebauungsplan. Allerdings würde gerade geprüft, wo in Lohfelden es sinnvoll sein könnte, solche Pläne aufzustellen und der Gemeinde so mehr Handlungsmöglichkeiten zu geben.

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