Tag des Handwerks

Uhrmacher Thorsten Suermann liebt besonders alte Schätze

Bei diesem Handwerk ist eine ruhige Hand gefragt: Thorsten Suermann aus Lohfelden hat sie.
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Bei diesem Handwerk ist eine ruhige Hand gefragt: Thorsten Suermann aus Lohfelden hat sie.

Seine erste Uhr nahm Thorsten Suermann schon mit sechs Jahren auseinander. „Ich wollte wissen, wie das funktioniert, wie das geht“, sagt der heute 39-Jährige.

Die kindliche Neugier war nicht gut für die Armbanduhr, ein elterliches Geschenk zur Einschulung, umso besser aber für Suermann. Denn der entdeckte so seine große Leidenschaft.

Dass diese schließlich zu seinem Beruf wurde, hat auch mit einer Hochzeit in England zu tun. Eigentlich sollte er eine Ausbildung im EDV- oder Bürobereich machen und im Familiengeschäft helfen. „Der Cousin des Bräutigams war aber Uhrmacher. Er hat mir angeboten, zur Probe zu arbeiten, um zu sehen, ob mir das liegt“, sagt er. „Aus sechs Wochen Praktikum ist dann ein Jahr geworden.“

Zurück in Deutschland beginnt der gebürtige Warburger im Jahr 2000 seine Ausbildung in Lemgo. Die ist hart: „Wir waren am Anfang 14 Leute, die Prüfung bestanden haben am Ende vier.“ Nach der Ausbildung arbeitet er als Angestellter, unter anderem bei einem Pfandhaus und einer großen Juwelierkette. Irgendwann hat er keine Lust mehr, hauptsächlich Trauringe zu verkaufen. Er will sich selbstständig machen und findet 2018 einen Laden in seiner neuen Heimat Lohfelden an der Hauptstraße.

Größenvergleich: Ein Ein-Euro-Stück sowie die Uhrwerke einer Armband- und einer Standuhr.

Aber er werkelt nicht nur in seinem Laden, der „Uhrenschmiede“. Suermann kommt auch zum Kunden nach Hause und arbeitet mit mehreren Juwelieren zusammen, die keine eigenen Uhrmacher mehr haben. Mitunter ist er auch zu Gast im Seniorenheim. „Im Wohnstift am Weinberg bin ich jeden Freitag“, sagt er. Eine erfolgreiche Idee, die entstand, als er dort seinen Schwiegervater besuchte und merkte, dass Uhrmacherbedarf besteht.

Inzwischen arbeitet er mit drei Altenheimen zusammen. Auch ins Gravurengeschäft ist er eingestiegen und repariert mitunter Schmuck. „Da hatte ich bei meiner Ausbildung Glück und konnte einem Goldschmied über die Schulter schauen.“ Vor dem Handy und der Smartwatch hat er keine Angst. Analoge Uhren mit Uhrwerk würden die Leute noch immer gern tragen und nutzen. „Auch Corona war für mich gar nicht so schlimm. Das hat den Leuten Zeit gegeben, nach alten Schätzen auf Dachböden und in Kellern zu stöbern.“ Alte Wand- und Standuhren haben es ihm besonders angetan. „Da dauert die Reparatur dann auch mal ein Vierteljahr – bis die Uhr wieder ganz genau geht.“ Im täglichen Geschäft, das hauptsächlich aus Batterien-, Glas- und Armbandwechseln besteht, müssten Kunden natürlich nicht so lange warten.

Sie sind seine besondere Leidenschaft: Uhrmacher Thorsten Suermann zeigt alte Wand- und Standuhren in seinem Laden in Lohfelden.  

Suermann hat also viel zu tun. Was für den Umsatz von Vorteil ist, kann beim Reparieren und Justieren zum Nachteil werden. Er arbeitet oft am Abend oder am Wochenende, wenn kein Kunde mehr vorbeikommt, kein Telefon mehr klingelt. „Für Reparaturen braucht man sehr viel Ruhe und Geduld“, erklärt er. Eine Qualität, die ihm im Privatleben nicht immer gegeben sei, sich aber einstelle, sobald die Tür seiner Werkstatt hinter ihm zu falle.

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