Bei Hochwasser-Einsätzen

Lohfeldener Wehr scharfer Kritik ausgesetzt: „Zu langsam und zu schlecht ausgerüstet“

Zeigen ihr Material für den Einsatz: die Wehrleute Lea Sturm (von links) mit einem Wassersauger, Benjamin Pezler mit Schlauch, Kevin Jonson mit Tauchpumpe und Michael Kahl im Löschgruppenfahrzeug 10.
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Zeigen ihr Material für den Einsatz: die Wehrleute Lea Sturm (von links) mit einem Wassersauger, Benjamin Pezler mit Schlauch, Kevin Jonson mit Tauchpumpe und Michael Kahl im Löschgruppenfahrzeug 10.

Wenn die Freiwillige Feuerwehr im Einsatz ist, dann passiert das in der Freizeit – neben Familie und Beruf. Dabei sind sie jedoch oft harscher Kritik ausgesetzt. Wie zuletzt in Lohfelden.

Lohfelden – Zuletzt haben sich die Ehrenamtlichen aus Lohfelden gleich zwei Nächte hintereinander um die Ohren gehauen, als erst in Vollmarshausen und dann in Bergshausen ein Unwetter Häuser und Straßen flutete. „Wir machen das gern, dafür sind wir da“, sagt Gemeindebrandinspektor (GBI) Michael Kahl. Bei den Einsätzen in Vollmarshausen sei den Feuerwehrleuten aber nicht nur Dankbarkeit entgegengebracht worden.

An 20 Orten sind Lea Sturm und Kevin Jonson mit 60 Kameraden aus Lohfelden, aber auch aus Kaufungen und Helsa in der Nacht zu Mittwoch im Einsatz gewesen. „Ich war Truppenführer und was ich mir teils anhören durfte, war nicht mehr schön“, berichtet Jonson, der seit September der einzige Hauptamtliche der Lohfeldener Wehr ist. Zu langsam, zu schlecht ausgerüstet und mit zu wenig Einsatzkräften unterwegs seien seine Kollegen und er. „Wir wurden dafür verantwortlich gemacht, dass der Bach überhaupt übergelaufen ist und die Keller geflutet wurden“, berichtet Jonson.

Die Brandschützer haben Verständnis für erhitzte Gemüter in so einer Ausnahmesituation. „Aber solch ein Verhalten geht nicht“, sagt GBI Kahl. Schließlich sei die Lohfeldener Wehr keine Berufstruppe. „Dafür steht das Freiwillige im Namen.“ Geht am Abend der Melder für einen Einsatz, haben die Frauen und Männer meist einen Arbeitstag hinter sich, die Familien versorgt und ihre Pflichten erfüllt – und nach dem Einsatz und stundenlangem Aufräumen geht es am nächsten Tag weiter. Laut Kahl vergessen das manche.

Ebenso wie die Tatsache, dass die Wehr laut dem GBI nur vier Fahrzeuge zur Verfügung hat, um bei Hochwasser zu helfen – mit insgesamt zehn Pumpen. „Da können wir nicht überall gleichzeitig sein.“ Über 30 Anrufe habe er als Einsatzleiter in der Nacht zu Mittwoch bekommen, die Feuerwehr solle schnell anrücken.

„Bei manchen lief das Wasser schon durch den Keller und sie baten um Sandsäcke“, sagt Kahl. Er kann nicht verstehen, warum diese Anwohner keine eigenen Vorkehrungen getroffen haben. „Es war seit Tagen Unwetter angesagt.“ Gleichzeitig bestehe die Erwartungshaltung, dass die Wehr das schnell richte. „Der Egoismus wird immer größer“, beklagt der GBI.

Es habe auch erfreuliche Begegnungen in der Nacht gegeben. Anwohner hätten mit angepackt oder die Wehrleute auf Nachfrage weitergeschickt, nach dem Motto: „Bei mir ist es nicht so schlimm, fahrt lieber zum Nachbarn.“ Aber wie so oft, bleiben die Negativerfahrungen eher im Gedächtnis.

Die Freiwilligen möchten dafür werben, in den Blick zu nehmen, dass sie alles Menschenmögliche getan haben, um zu helfen. „Natürlich können wir auch immer weitere Helfer gebrauchen, die uns unterstützen.“

Von Moritz Gorny

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