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Mit 251 Tonnen durch Lohfelden: 41 Meter langer Schwertransport auf dem Weg nach Hamm

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Von: Boris Naumann

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Zentimeterarbeit in Vollmarshausen: Langsam arbeitete sich am späten Sonntag der Schwertransporter des Lohfeldener Anlagenbauers Schmidtsche Schack durch Vollmarshausen. Die Route führte über die B 7, dann über die A 7 von Kassel-Ost bis Kassel-Nord, die Dresdener Straße in Kassel über die Hafenbrücke, die Holländische Straße in Richtung Calden und Niederlistingen über die Bundesstraße bis zum Hafen nach Hamm.
Zentimeterarbeit in Vollmarshausen: Langsam arbeitete sich am späten Sonntag der Schwertransporter des Lohfeldener Anlagenbauers Schmidtsche Schack durch Vollmarshausen. Die Route führte über die B 7, dann über die A 7 von Kassel-Ost bis Kassel-Nord, die Dresdener Straße in Kassel über die Hafenbrücke, die Holländische Straße in Richtung Calden und Niederlistingen über die Bundesstraße bis zum Hafen nach Hamm. © Andreas Fischer

Das, was sich in der Nacht zu Montag von Lohfelden nach Hamm in Nordrhein-Westfalen bewegte, kann getrost als Schwertransport der Extraklasse gelten.

Lohfelden – Gut 251 Tonnen schwer und 41 Meter lang war der Tieflader, der einen 162 Tonnen schweren Prozesskühler vom Lohfeldener Anlagenbauer Schmidtsche Schack hin zum Datteln-Hamm-Kanal transportierte. Selbst für Schmidtsche Schack keine alltägliche Sache: „Der Prozesskühler – einer der größten der Welt – geht ab Hamm über den Wasserweg an einen unserer Kunden in Asien“, sagt Marketingleiter Simon Hebig.

Die Route führte durch Kassel und weiter in Richtung Calden und Niederlistingen über Bundesstraßen bis hin zum Binnenhafen in Hamm. Ein Jahr und fünf Monate hat das Unternehmen für die Organisation des Transports benötigt. „Das Einholen von Genehmigungen war dabei die Hauptsache“, sagt Maren Anacker, die für die Planung des Transportes zuständig war. Am Ende seien 188 Seiten an Behördenbriefen zusammengekommen.

Gewicht und Größe: Prozesskühler musste genau angepasst werden

Schon bei der Herstellung des Prozesskühlers – er sieht aus wie ein überdimensionaler Tank – sei genau auf seine künftigen Maße geachtet worden. Auch hinsichtlich des Gewichts sei zuvor jedes der vielen Einzelteile für den Kühler geprüft worden. „Das Aggregat durfte keinesfalls zu groß und zu schwer werden“, schildert Anacker. „Es musste ja stets transportabel bleiben.“ Tatsächlich sei der Bau des Kühlers eng mit der Transportplanung verzahnt gewesen, ständig gab es einen Abgleich zwischen den technischen Erfordernissen des Produkts und seiner Transportfähigkeit.

Am Ende wurde der Kühler, der der Herstellung von Methanol dient, 18 Meter lang, fast vier Meter breit und 3,40 Meter hoch. Damit sich sein Gewicht beim Transport auf eine möglichst große Straßenfläche verteilt, wurde ein Tieflader mit 22 Achsen gewählt. „Jede Achse ist für sich lenkbar, sodass der Transporter trotz seiner enormen Länge auch gut um Kurven kommt“, sagt Anacker.

Wendemanöver auf dem Betriebsgelände der Schmidtsche Schack in Lohfelden am vergangenen Freitag: 22 einzeln lenkbare Achsen zählt der Tieflader, auf dem der 18 Meter lange Prozesskühler festgezurrt ist.  
Wendemanöver auf dem Betriebsgelände der Schmidtsche Schack in Lohfelden am vergangenen Freitag: 22 einzeln lenkbare Achsen zählt der Tieflader, auf dem der 18 Meter lange Prozesskühler festgezurrt ist.   © Boris naumann

So sei bei der Routenplanung vor allem auf möglichst lange und gerade Streckenverläufe ohne scharfe Kurven oder verengte Ortsdurchfahrten geachtet worden. „Es hat sich gezeigt, dass gerade gut ausgebaute Bundesstraßen oft die bessere Alternative zu Autobahnen sind“, sagt Anacker, und das, obwohl ja gerade die Autobahnen prädestiniert sein sollten für Transporte dieser Größenordnung.

„Sie sind es aber nicht“, sagt Anacker, was vor allem am Gewicht des Transports liege. „In unserem Fall wäre schon an der Bergshäuser Brücke auf der A 44 in Richtung Dortmund Schluss gewesen. Ebenso auf der A 7 in Richtung Göttingen.“ Die Werratalbrücke sei für solche Gewichtslasten ebenso wenig ausgelegt wie die Bergshäuser Brücke. „Da setzt auch unsere Kritik an“, sagt Hebig. „Um weiter technische Anlagen dieser Größenordnung in alle Welt liefern zu können, sind wir auf eine Infrastruktur mit guten Straßen und funktionierenden Brücken angewiesen, um reibungslos an den nächsten Binnenhafen zu kommen.“

Brücken können Last nicht tragen: Schwertransport muss teilweise Umwege nehmen

Selbstverständlich sei im Prinzip eine Autobahn die bessere Strecke, „aber es nutzt nichts, wenn die Brücken die Lasten nicht tragen können“, sagt Hebig. So sei es einfacher gewesen, an zahllosen Stellen entlang der Route vom Kassel nach Hamm Verkehrsschilder abzuschrauben oder Kreisverkehre mittig mit Platten auszulegen, damit der Transporter ungehindert geradeaus über die Mittelinsel fahren kann.

„All das muss natürlich vorher geprüft und genehmigt werden“, sagt Anacker. Und sie ist froh, dass es für den jetzigen Asienauftrag einmal mehr geklappt hat. Tatsächlich folge in der kommenden Woche noch ein zweiter Prozesskühler. Aber davon abgesehen: „Wir werden wohl noch viele solcher Anlagen von Lohfelden aus in alle Welt schicken.“ (Boris Naumann)

Schmidtsche Schack

Das Unternehmen Schmidtsche Schack mit Hauptsitz in Lohfelden und Niederlassungen auf der ganzen Welt ist ein Anlagenbauer, der sich auf die Herstellung großer Industrieaggregate zur Energieübertragung spezialisiert hat. Das Unternehmen beschäftigt 280 Mitarbeiter in Lohfelden und insgesamt etwa 400 Mitarbeiter weltweit. Das Thema Energiewende ist für das Unternehmen aktuell einer der größten Innovationstreiber. Derzeit beschäftigt sich Schmidtsche Schack vorrangig mit Produkten für nachhaltige Wertschöpfungsprozesse, die zum Beispiel aus Hausmüll oder Biomasse nachhaltiges Flugbenzin herstellen. Schmidtsche Schack ist Weltmarktführer in vielen Produktionsbereichen und befindet sich aktuell auf Expansionskurs.

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