„Meine neue Heimat“

Jugendpflege Lohfelden organisiert Videoprojekt für Flüchtlingskinder

Die Flüchtlingskinder Basam, Vyan und Fawaz  auf der Bühne in der Montessori Theaterschule Déjàvu.
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Stehen mit Requisiten auf der Bühne in der Montessori Theaterschule Déjàvu: Die Flüchtlingskinder Basam (von links), Vyan und Fawaz.

Die Jugendpflege Lohfelden organisiert ein Videoprojekt, in dem sich Flüchtlingskinder mit ihrer neuen Heimat Deutschland auseinandersetzen. In der Montessori Theaterschule Déjàvu standen sie jetzt erstmals auf der Bühne.

Als Basam und Fawaz die Bühne in der Montessori Theaterschule Déjàvu betreten, wartet das Publikum schon ganz gespannt auf die Darbietung der beiden Flüchtlingskinder. Sie spielen eine Szene, in der ein Vampir mit Knoblauch vertrieben wird. Was nach einem banalen Auftritt klingt, kostet Basam und Fawaz einige Überwindung. Beide sind sehr aufgeregt. Vor drei Jahren sind sie aus dem Irak nach Deutschland gekommen, jetzt stehen sie in ihrer neuen Heimat das erste Mal vor Publikum auf der Bühne.

Der Auftritt ist Teil eines Workshops für das Videoprojekt „Meine neue Heimat“ der Jugendarbeit der Gemeinde Lohfelden in Zusammenarbeit mit dem Medienprojektzentrum Offener Kanal Kassel und dem Familienzentrum Lighthouse aus Kassel.

Ziel des Projekts: Die Kinder und Jugendlichen sollen sich mit ihrer neuen Heimat Deutschland künstlerisch auseinandersetzen. Wie stellt sich Deutschland für sie dar? Welche Erwartungen, Träume und Ängste haben die jungen Menschen?

Videoprojekt von Flüchtlingskindern: Ende Oktober soll ein Film präsentiert werden

Zum Abschluss mehrerer Workshops, in denen die Kinder und Jugendlichen unter anderem den Umgang mit der Kamera lernen und sich in der Schauspielerei ausprobieren können, soll ein Film entstehen, der Ende Oktober der Öffentlichkeit präsentiert werden soll.

Die Teilnehmer standen in der Theaterschule erstmals für ihr Projekt auf der Bühne.

„Wir kennen die Kinder, seit ihre Eltern 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise nach Deutschland gekommen sind“, sagt Maike Oertel, die das Projekt für die Jugendpflege Lohfelden leitet. Was die elf Teilnehmer verbindet: Alle Kinder sind erst später nach Deutschland nachgekommen, haben zuvor im Irak ohne einen Teil ihrer Eltern oder Geschwister gelebt. „Das, was diese jungen Menschen erlebt haben, hat kein deutsches Kind erlebt. Sie haben alle die gleiche Vergangenheit“, sagt Oertel. Das Videoprojekt sei deshalb so wichtig, weil sie auf der Bühne und vor der Kamera aufblühen, sich gesehen fühlen.

Videoprojekt von Flüchtlingskindern: Workshops kommen bei Teilnehmern sehr gut an

„Das Projekt macht mir sehr viel Spaß, ich bin selbstbewusster geworden und habe meine deutsche Sprache verbessert“, sagt der 17-jährige Zyad. Der Junge flüchtete 2017 aus dem Irak nach Deutschland. Das Projekt helfe, die neue Heimat besser kennenzulernen und zu verstehen. Und auch Vyan und Nadia gefällt das Videoprojekt. „Unser Traum ist es, dass wir Schauspielerinnen werden“, erzählen die Mädchen. Die Workshops seien eine gute Übung. Die Familie – auch im Irak – warte bereits auf den Film.

Worüber der Film handeln soll, steht noch nicht fest. Ein Drehbuch wird erst in den kommenden Wochen entstehen. „Das Besondere ist, dass die Kinder und Jugendlichen über ihren Film selbst bestimmen. Sie schauspielern, drehen und schneiden selbst“, sagt Oertel.

Petra Sturm-Thomas, Leiterin der Montessori Theaterschule Déjàvu, unterstützt das Projekt gern: „Wir sind sehr glücklich, die Gruppe bei uns zu haben. Alle sind mit großer Spielfreude dabei. Diese Erfahrung wird ihnen auf ihrem weiteren Weg sicher helfen.“

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