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Nabu: Krötenwanderung bei Lohfelden durch Strommastenbau gestört

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Von: Moritz Gorny

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Das Bild zeigt die Nabu-Mitglieder Martin Lange (von links), Bernd Rudolph und Dieter Werner. Sie stehen auf einem Acker. Vorne im ein Amphibienzaun, im Hintergrund eine Baustelle.
Packen vor Ort an, um die Amphibienwanderung zu unterstützen: Die Nabu-Mitglieder Martin Lange (von links), Bernd Rudolph und Dieter Werner üben Kritik an der Platzierung der Amphibienzäune (vorn links) rund um die Tennet-Baustelle im Hintergrund. © Moritz Gorny

Eigentlich soll die neue Höchstspannungsleitung Wahle-Mecklar bei der Energiewende helfen und somit beim Naturschutz.

Lohfelden/Kaufungen - Stattdessen treibt der Bau den Mitgliedern des Naturschutzbundes (Nabu) Kaufungen-Lohfelden Sorgenfalten auf die Stirn. Denn aus ihrer Sicht behindert das Projekt zwischen Niederkaufungen und Vollmarshausen die Amphibien dabei, zu ihren Laichgründen zu kommen.

Wo eigentlich Erdkröten, Berg- und Fadenmolche unterwegs sein sollen, ist jetzt eine Baustelle für einen Strommasten. Besonders kritisch ist für die Nabu-Mitglieder, wie die Amphibienzäune um den Bau herum aufgestellt worden sind. Teils von der Firma Tennet, die die Masten baut, teils über das Regierungspräsidium (RP) Kassel, das für den Naturschutz verantwortlich zeichnet und teils von Nabu-Mitgliedern selbst, die die Amphibien an den Zäunen aufsammeln und ihnen den Weg zu den Laichgründen ebnen.

„Die Amphibien haben kaum eine Chance. Denn so, wie die Zäune stehen, heben sie sich zum Teil auf“, sagt Manfred Henkel. Manche seien so platziert, dass die Tiere in den Baustellenbereich kriechen. Teils gebe es Lücken oder die Barrieren würden vom Luftsog vorbeifahrender Laster umgeworfen.

„Die Kommunikation war schwierig“, resümiert Martin Lange. Zwar hätten sich vor der Amphibienwanderung die Parteien getroffen, um abzustimmen, wie wo welche Zäune aufgebaut werden sollen. „Bei der Umsetzung haperte es aber“, sagt Dieter Werner. Gerade die Zäune, die das RP aufstellen sollte, seien erst sehr spät und nach einem Anruf platziert worden. Vom RP heißt es: „Der Oberen Naturschutzbehörde liegen keine Hinweise vor, dass Amphibienschutzzäune in diesem Bereich nicht korrekt aufgestellt wurden“, sagt Sprecher Hendrik Kalvelage. Er betont, dass die Behörde im engen Austausch mit dem Nabu stehe. Auch Tennet-Sprecher Marco Bräuer spricht von Austausch und verweist auf das Treffen. Die Ergebnisse seien in ein Zaunkonzept geflossen und ein Team der ökologischen Baubegleitung von Tennet prüfe die Zäune regelmäßig.

Die Nabu-Mitglieder stellt das nicht zufrieden. Von Jahr zu Jahr schrumpfe die Zahl der Amphibien an der Landesstraße. „Vor 20 Jahren waren es noch 5000 Tiere, vergangene Saison haben wir 500 gesammelt“, sagt Werner. Die Situation verbessere sich nicht, wenn der Strommast steht.

Daher fordern die Naturschützer eine Tunnelanlage unter der Straße, um den Amphibien das Passieren zu erleichtern. Dadurch fiele nicht nur die Abstimmung zwischen einzelnen Stellen weg, sondern auch die Arbeit vor Ort für die Nabu-Mitglieder. „Denn wir sind alle um die 80 Jahre alt und müssten uns nicht mehr durchs Unterholz schlagen“, sagt Lange.

Die Anlage, die die Naturschützer fordern, wäre auch im Sinne der Gemeinde Lohfelden, sagt Bauamtsleiter Rolf Schweitzer. „Bürgermeister Uwe Jäger hat das Thema schon bis ins Landesministerium getragen, als dort noch die Zuständigkeit für die Autobahn 44 lag.“ Jägers Wunsch: Vor dem Baubeginn der A 44 zwischen Kassel-Ost und Helsa-Ost in Form eines Tunnels einen Ausgleich zu schaffen. Sein Vorstoß blieb erfolglos. Der Naturschutz muss also vorerst weiter mit Abstimmung sowie Eimern und Muskelkraft passieren.

Von Moritz Gorny

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