Spannende Aufgabe

Viertklässler aus Hoof haben einen Audioguide zum Schicksal der Juden erstellt

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Sprechen, aufnehmen, schneiden: Medienpädagogin Susanne Holbein half den Viertklässlern Fynn (von links), Peter, Sophie, Nazani und Ole beim Erstellen des digitalen Audioguides. 

Die Viertklässler der Marie-Hassenpflug-Schule haben einen digitalen Audioguide zur Geschichte der Juden in Hoof erstellt. 

Es gibt Schicksale, die ans Herz gehen. So wie das von Kärry Wertheim. Bis in die 30er-Jahre lebte das jüdische Mädchen mit seiner Familie in Hoof. Der Ermordung durch die Nationalsozialisten entging sie damals nur, weil sie mit einem Kindertransport ins sichere England gebracht wurde. Ihre Mutter und ihre fünf Geschwister starben jedoch. „So etwas zu hören, hat uns sehr traurig gemacht“, sagt die neunjährige Sophie. Sie gehört zu den Viertklässlern der Marie-Hassenpflug-Schule, die einen digitalen Audioguide zur Geschichte der Juden in Hoof erstellt hat. Eine spannende, aber auch anspruchsvolle Aufgabe.

Anlass für das schulische Medienprojekt war die für 2020 geplante Verlegung von Stolpersteinen in Hoof. Vor Häusern, in denen einst jüdische Familien gelebt haben, wird Künstler Gunter Demnig dann Gedenksteine in den Boden einbringen. Vier dieser Adressen stehen nun im Mittelpunkt des Audioguides: die ehemalige Synagoge, das Haus Korbacher Straße 332/334, das Haus Korbacher Straße 365 und die Schmiedegasse 12 – das einstige Wohnhaus der Familie Wertheim. Wer hier gelebt hat, erfahren Zuhörer in vier- bis achtminütigen Texten. Außerdem gibt es viele Informationen zum jüdischen Glauben und Alltag.

Begleitet wurde das Projekt nicht nur von Christian Abendroth (Förderverein Schauenburger Märchenwache und Geschichtsverein Schauenburg), der den Schülern den geschichtlichen Hintergrund erläuterte, sondern auch von Medienpädagogin Susanne Holbein und ihrem Team vom Verein Medienblitz Hessen. Sie halfen beim Erstellen der Texte und gaben Tipps, wie man das Geschriebene möglichst spannend vorträgt. Sogar kleine Spielszenen wurden eingebaut. Anschließend lernten die Schüler, wie man die Aufnahmen schneidet. „Das hat viel Spaß gemacht, aber ich habe meine Stimme gar nicht wiedererkannt“, sagt der neunjährige Fynn.

Und wo kann man den fertigen Audioguide hören? „Geplant ist, an den einzelnen Stationen Schilder mit einem QR-Code anzubringen. Scannt man den ein, kann man sich die Audiodateien herunterladen“, erklärt Susanne Holbein. Auch auf der Internetseite www.medienblitz-hessen.de ist der Audioguide zu finden.

Termin: Die Texte für ihren Audio-Guide stellen die Schüler am Samstag, 31. August, bei einem Rundgang durch Hoof vor. Treffpunkt ist um 13 Uhr an der Kirche, Gäste sind willkommen. Die Texte sind auch im Freien Radio Kassel zu hören: Am Sonntag, 1. September, ab 16 Uhr.

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