Impfaktion

Vom Fahrerhaus in die Impfkabine: Team des Landkreises Kassel sprach Trucker am Lohfeldener Rüssel an

Sprachen die Trucker in ihren Lkw an: Franziska Temme (von links), Jeni Solbrig und Nicole Spangenberg.
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Sprachen die Trucker in ihren Lkw an: Franziska Temme (von links), Jeni Solbrig und Nicole Spangenberg.

Auf impfwillige Lkw-Fahrer hat es Nicole Spangenberg abgesehen, als sie am Sonntagvormittag gemeinsam mit ihren Kolleginnen Franziska Temme und Jeni Solbrig am Lohfeldener Rüssel den noch mäßig gefüllten Lkw-Parkplatz ansteuert.

Lohfelden - In Sachen Fremdsprachen sind die Drei gut aufgestellt – Russisch, Englisch, Italienisch, Rumänisch und sogar ein bisschen Polnisch haben sie im Repertoire, um die Brummifahrer vom kleinen aber wichtigen Pieks im mobilen Impfzentrum zu überzeugen, das für zwei Tage vor der Raststätte aufgebaut ist.

„Zur Not haben wir unsere Mobiltelefone, die uns beim Übersetzen helfen können“, sagt die Verwaltungsleiterin des Caldener Impfzentrums, während sie schon an der ersten Fahrerkabine klopft. Steffen Müller aus Aschersleben öffnet und teilt ihr freundlich mit, seit einigen Wochen geimpft zu sein. „Die Idee ist aber wirklich super, es gibt nämlich noch immer viel zu viele Menschen, die sich scheuen“, sagt er und verspricht, über Funk für die Aktion zu werben.

Auch der Belgier Carsten Mertens will Spangenberg und deren Team unterstützen, hat spontan die Idee, in speziellen Lkw-Gruppen in den sozialen Netzwerken für das Impfen am Rande der Autobahn zu trommeln. „Vielleicht fährt der ein oder andere Kollege ja spontan raus“, sagt er und verkündet, selbst schon seit Mai mit dem Vakzin von Johnson & Johnson versorgt zu sein.

Der wartet neben dem von Biontech/Pfizer auch im mobilen Impfzentrum gleich um die Ecke. Vier Teams mit insgesamt rund 25 Mitarbeitern stehen hier in fünf knallroten Zelten bereit und hoffen, möglichst viele Impfdosen verteilen zu können. Vorbereitet werden die von Christian Heckmann und Kollegen im zur mobilen Apotheke umgebauten Lastwagen, und da wird penibel auf Hygiene geachtet.

„Wir arbeiten mit sterilen Arzneimitteln, die auch entsprechend steril aufbereitet werden müssen“, erklärt Heckmann und berichtet unter anderem von einem Medizinkühlschrank mit Notstromabsicherung, der eine gleichbleibende Temperatur für die sensiblen Impfstoffe garantieren soll.

Johnson & Johnson sei weniger das Problem, Biontech/Pfizer sei da schon sensibler, die sechs aus einem Fläschchen gezogenen Dosen müssten innerhalb einer Stunde verarbeitet werden. „Deshalb warten wir mit der Vorbereitung der Spritzen immer, bis sich sechs Menschen angemeldet haben, schließlich wollen wir keine Dosen verwerfen müssen“, so der junge Apotheker.

Bis es so weit ist, dauert es am Montagvormittag allerdings eine ganze Weile. Von einem Ansturm Impfwilliger ist hier nichts zu spüren, lediglich vereinzelt fragen bereits Geimpfte nach einer Auffrischung ihres Impfschutzes. „Den bieten wir im Landkreis erst ab Mittwoch an, werden dann wieder direkt in den Altenheimen unterwegs sein“, sagt Peter Stahl, ärztlicher Leiter des Caldener Impfzentrums, der trotz schleppenden Starts am Lohfeldener Rüssel optimistisch bleibt und an das mobile Impfen vor Ort glaubt: „Wir haben bei vorherigen Aktionen gesehen, dass wir viele Menschen wirklich nur erreichen, wenn wir zu ihnen kommen.“

Über die noch bis Dienstag, 22 Uhr, laufende Aktion am Autohof sollen neben Impfwilligen aus der direkten Umgebung auch Durchreisende wie die Lkw-Fahrer erreicht werden, und auf die hoffen auch Nicole Spangenberg und Kolleginnen noch trotz des schleppenden Auftakts. Am Abend wollen sie erneut den großen Lkw-Parkplatz ansteuern, der dann hoffentlich besser frequentiert ist – idealerweise mit impfwilligen Asphaltcowboys. (Sascha Hoffmann)

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