Die Vollmarshäuser Fußballfrauen verlieren nicht den Spaß

Gut gelaunt trotz 0:91 Toren

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Gut gelaunt: Die Fußballerinnen der FSK Vollmarshausen mit (von links) Chelzea Hortmann, Anna Althans, Selina Dengel, Chiara Hortmann, Saskia Seidel und Michelle Kördel. Es fehlen im Bild: Julia Brandau, Hilal Hoffmann, Leyla Nasbo, Sabrina Macke, Judith Monsch, Lea Dombrowski und Samira Sanden.

0:91 Tore, dazu null Punkte auf dem Konto, Schlusslicht der Kreisliga: Die Fußballfrauen der FSK Vollmarshausen haben viel Spaß an ihrem Sport und sind ein Beispiel dafür, dass vieles eine Frage der Perspektive ist.  

Sie stehen mit leeren Händen da. Null Punkte nach zwölf Spielen. Sie haben bislang nicht ein einziges Mal über einen eigenen Treffer gejubelt und sogar schon 91 Gegentore kassiert – im Schnitt also sieben, bis acht pro Spiel. Klar, was das in der Tabelle bedeutet: Platz elf von elf, Schlusslicht der Kreisliga A. Wer nur die blanke Statistik betrachtet, der könnte also schnell denken, dass bei den Fußballerinnen der FSK Vollmarshausen Trauerstimmung herrscht.

Pustekuchen. Vielmehr sind die 13 Spielerinnen das beste Beispiel dafür, dass das olympische Motto auch in den Niederungen des Fußballs gilt: Dabei sein ist alles. Und hinzu kommt eben noch eine gehörige Prise Humor: „Wir haben akzeptiert, dass wir nicht die Spitzenreiter sind – und wegen der Niederlagen lassen wir uns nicht den Spaß nehmen. Auch wenn es für unsere Gegnerinnen meist wie ein Torschützenfest ist: Ausgelacht werden wir nicht. Und es bringt ja nichts, sich zu ärgern. Wenn wir unser erstes Tor schießen, werden wir das feiern wie einen Sieg“, sagt Sabrina Macke. Sie hat rein vom Papier her den bemitleidenswertesten Job – seit gut zwei Monaten steht sie zwischen den Pfosten. „Angenehm ist es nicht, bekennt sie. Eigentlich spiele ich im Sturm.“ Doch nachdem sich ihre Vorgängerin verletzte und nicht wieder ins Tor wollte, entschied sie sich, auszuhelfen. „Sagen wir mal so: Ich würde gern wieder draußen spielen und den Job als Torhüterin ungern länger machen“, erklärt sie.

Auch dieser Umstand sagt viel aus über die Vollmarshäuser Fußballerinnen und ihre Idee vom Fußball. Teamgeist wird großgeschrieben.

Zweimal pro Woche trainieren sie, nicht immer sind alle da. In der Kreisliga ist es möglich, auch mit sieben gegen sieben zu spielen, das Spielfeld ist dann ebenfalls entsprechend kleiner. „Viele Mannschaften bekommen noch weniger Frauen zusammen als wir“, erklärt Chiara Hortmann. Mit ihr hat alles begonnen. Im März, April hatte sie die Idee, eine eigene Mannschaft zu gründen. Mit Beharrlichkeit gelang es ihr, einen Kreis fußballbegeisterter Frauen zusammenzutrommeln. „Viele sind neu dabei, viele haben noch nie Fußball gespielt.“

Gemeinsam stellen sie sich der Herausforderung Kreisliga. Heute Nachmittag hätte das letzte Spiel vor der Winterpause stattfinden sollen, in Flechtdorf wäre es um 15 Uhr angepfiffen worden. Doch am Freitagnachmittag wurde es abgesagt. Die Hoffnung auf den ersten Treffer oder gar das erste Unentschieden ist somit auf 2020 vertagt.

Nah dran am ersten Punktgewinn waren sie schon einige Male, etwa beim 0:2 gegen Ittertal. „Und beim 0:11 gegen Wettesingen haben uns unsere Gegnerinnen gesagt: So wie ihr heute gespielt habt, habt ihr den letzten Platz nicht verdient“, berichtet Macke.

Die höchste Niederlage setzte es bislang übrigens gegen Calden III: 0:22 hieß es am Ende. Doch womöglich gibt’s dafür sogar noch einen Preis. Ein hessischer Radiosender sucht gerade Teams, die besonders hohe Niederlagen kassiert haben. Es ist eben alles nur eine Frage der Sichtweise. Trainer und Spielerinnen gesucht

Die Fußballerinnen der FSK Vollmarshausen sind ständig auf der Suche – nach neuen Spielerinnen sowieso, vor allem nach Stürmerinnen und einem Trainer. „Unser bisheriger Coach ist abgesprungen. Wir suchen deshalb jemanden, der den Ehrgeiz hat, uns etwas beizubringen, zu motivieren und die Lust am Training und Spielen zurückzubringen“, sagt Chiara Hortmann. Einzige Voraussetzung: Spaß am Fußball haben. Ein Trainerschein sei nicht zwingend, erklärt die Fachfrau.

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