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Wasserbüffel überweiden Schilfgürtel an Vollmarshäuser Teich in Lohfelden

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Von: Boris Naumann

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Das Bild zeigt den schlammigen Uferbereich des neuen Vollmarshäuser Teiches.  Nur wenige Pflanzen ragen aus den Schlick.
Tabula rasa: Nichts ist mehr von dem einst so dichten Schilfgürtel rund um den Neuen Vollmarshäuser Teich zu sehen. Normalerweise müssten um diese Jahreszeit wenigstens erste Triebe der Schilfpflanzen aus dem Schlick emporwachsen. © Boris Naumann

Es war guter Wille – und ein Experiment –, als im Mai 2021 das RP Kassel der Beweidung des Naturschutzgebietes (NSG) Vollmarshäuser Teiche in Lohfelden zustimmte.

Lohfelden - Sechs Wasserbüffel sollten jedes Jahr ab dem 15. Juli vier Monate lang die schützenswerten Tümpel durch Fraß von übermäßigem Bewuchs befreien, damit dort vorkommende Amphibien- und Libellenarten weiter existieren können. Sinnvoll fand das auch der Nabu Kaufungen-Lohfelden, der zu diesem Zeitpunkt schon seit vielen Jahren den im Jahr 2003 künstlich angelegten Neuen Vollmarshäuser Teich (kein NSG) keine 250 Meter weiter westlich pflegte. Denn: Im Laufe der Jahre hatte sich auch dort das wachsende Schilf derart ausgebreitet, dass es die komplette Wasserfläche drohte zu überwachsen.

Insofern stimmte der Nabu ebenfalls einer Beweidung des Neuen Vollmarshäuser Teiches durch die Wasserbüffel zu. Der landwirtschaftliche Betrieb Gundelach schaffte sechs Tiere an und startete 2021 die Beweidung – auch am Neuen Vollmarshäuser Teich, dort aber ohne zeitliche Begrenzung.

„Jetzt zeigt sich, dass die Büffel binnen zweier Jahre den kompletten Schilfgürtel so stark dezimiert haben, dass seltene, von diesem Lebensraum abhängige Vogelarten wie der Schilfrohrsänger oder die Rohrammer ihrem Brutgeschäft nicht mehr nachgehen können“, sagen Martin Lange und Manfred Henkel vom Nabu.

So kam es zu einem Treffen vor Ort am 26. April diesen Jahres. Mit dabei waren der Nabu, der AK Umwelt und Naturschutz der Agenda 21, die Untere Naturschutzbehörde und – mit Dirk Gertenbach – auch die Gemeinde Lohfelden. Und es wurde eine Vereinbarung getroffen:

Demnach soll die Fläche mit dem Neuen Vollmarshäuser Teich nun durch einen Zaun in zwei Teile geteilt werden – in den westlichen Teichbereich und den östlichen Weidebereich. Beweidung des Teichbereiches soll fortan nur noch für vier Wochen ab dem 1. August plus einer weiteren Beweidungsphase zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen dürfen. Damit wird dem Schilfgürtel als Lebensraum die Möglichkeit gegeben, sich zu erholen.

Doch keimen nun Zweifel am dauerhaften Erfolg dieses Konzepts auf: „Die Büffel rennen den geplanten Zaun schon vor dem August um, wenn im Sommer das Wasser auf ihrer östlichen Seite versiegt, die Tiere aber im westlichen, abgezäunten Teil noch viel Wasser erahnen“, sagt Max Gundelach. Damit werde der Schutz des Schilfgürtels wieder gefährdet, weil die Tiere sich schon vorher Zugang zu den Pflanzen verschafften.

Der Vorschlag Gundelachs: „Im östlichen Teil des Areals, das den Büffeln ganzjährig zur Verfügung steht, sollte noch ein Tümpel für die Tiere angelegt werden, damit ganzjährig Wasser vorhanden ist.“ Eine Zusage seitens der Gemeinde sei in dieser Hinsicht schon gemacht worden.

Zudem sei es sinnvoll, die gemeindeeigene, derzeit aber verpachtete Pferdewiese zwischen dem Neuen Vollmarshäuser Teich und dem NSG ebenfalls für die Büffel-Beweidung in eine Feuchtwiese umzuwandeln. Das hätte den Vorteil, dass die Tiere nur dann auf den abgezäunten westlichen Teichbereich des Neuen Vollmarshäuser Teiches entlassen werden müssen, wenn sich das Schilf dort wieder über die Maßen ausbreitet – also vielleicht nur alle zwei oder drei Jahre. „Auch können wir damit leben, die Wasserbüffel-Herde von sechs auf vier Tiere zu reduzieren.“

Auch der Nabu kann diesem Vorschlag etwas abgewinnen. Jedoch drängen Martin Lange und Manfred Henkel auf eine zügige Lösung. „Denn noch so ein Jahr der Überweidung, und vom Schilf ist nichts mehr übrig“, sagen beide. Auch sei es sinnvoll, den Neuen Vollmarshäuser Teich so einzuzäunen, dass wenigstens ein Teil des Schilfgürtels dauerhaft vor einer Beweidung durch die Wasserbüffel geschützt ist.

Dennoch: Die Gundelachs wie auch der Nabu werden sich mit der Umsetzung ihrer Vorschläge wohl erst noch etwas gedulden müssen. „Weil den am 24. April getroffenen Vereinbarungen keine Einwendungen gefolgt sind, gelten jetzt zunächst einmal diese Übereinkünfte“, sagt Dirk Gertenbach von der Gemeinde Lohfelden. In jedem Fall müsse zunächst einmal der Zaun gebaut werden. Der zusätzliche Tümpel für die Büffel im östlichen Weideteil des Areals werde im Herbst umgesetzt. „Zeigt sich, dass die Büffel schon vor dem August durch den Zaun brechen, kommen sie auf eine andere Wiese“, sagt Gertenbach. „Das alles ist letztlich ein Versuch: Wenn es nicht läuft, wird nachgebessert.“

Das hofft vor allem der Nabu: „Es wäre schade um dieses wertvolle Habitat“, sagt Lange, „von solchen Lebensräumen gibt es ohnehin nur wenige rund um Kassel.“

Von Boris Naumann

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