Neuer Zebrastreifen kommt erst im April

Wenn der Schulweg zur Gefahr wird: Eltern in Lohfelden haben Angst um ihre Kinder

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Nur wenige verhielten sich so wie dieser Autofahrer, der anhielt und die Kinder an der Stelle des alten Zebrastreifens an der Kasseler Straße die Straße überqueren ließ.

In Lohfelden sind Eltern besorgt um ihre Kinder. Seit der Sanierung der Kasseler Straße fehlt der Zebrastreifen an einem Knotenpunkt des Schulwegs.

Die Eltern fordern eine Übergangslösung. Doch das ist nicht so einfach. Acht Kinder warten am Rand der Kasseler Straße auf Höhe der Hausnummer 20 in Lohfelden. Sie schauen eifrig nach links und rechts. Einige strecken sogar die Hand heraus. Der Bürgersteig ist abgesenkt, die Markierungen am Boden zeigen: Hier war oder soll wieder ein Fußgängerüberweg hin. Man könnte als Autofahrer also annehmen, dass die Kinder die Straße überqueren wollen. Trotzdem halten nur wenige Autos und der Linienbus bei einem kurzen Test an.

Bis zur Sanierung der Kasseler Straße war das anders. Bis dahin war an dieser Stelle – klar gekennzeichnet mit teils beleuchteten Schildern – ein Zebrastreifen. Den hätten einige Vollmarshäuser Eltern gerne so schnell wie möglich zurück – und nicht erst wie geplant im Frühjahr. Zumindest eine Übergangslösung, die den Schulweg für die Kinder sicherer macht, fordern sie. Ihre Vorschläge reichen dabei von einer Baustellenampel über Warnschilder bis zur Einrichtung einer 30er-Zone. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das erste Kind angefahren wird“, sagt Mutter Christina Dann. Sie ist eine der Initiatorinnen einer Unterschriftenliste und eines offenen Briefes, der das Problem beschreibt.

Probleme vor allem im Dunkeln und bei Regen

„Insbesondere bei Dunkelheit und Regen können Kinder Entfernungen und Geschwindigkeiten der Autos aufgrund der Blendwirkung der Scheinwerfer kaum einschätzen“, steht in diesem Brief. Das sei besonders im Winter morgens auf dem Schulweg ein Problem, sagt Dann.

„Momentan begleiten wir abwechselnd die Kinder“, sagt Dann. Einige Eltern würden die Kinder nur noch mit dem Auto zur Schule fahren. Schüler Mika Moldenhauer geht momentan an einer anderen Stelle über die Straße. Dort ist es heller und er kann die Straße besser einsehen, denn auch die Beleuchtung am Überweg ist momentan nicht so ideal wie zuvor. „Früher mit dem Zebrastreifen war das auf jeden Fall besser“, sagt der Zehnjährige.

Der nächste Fußgängerüberweg befindet sich etwa 400 Meter entfernt an der Abzweigung zur Vollmarshäuser Straße. Die 800 Meter Umweg empfinden die Eltern als zu weit. Der alte Weg über den Zebrastreifen sei die kürzeste Verbindung zur Grundschule und der Kindertagesstätte Vollmarshausen. In der Nähe lägen auch die Sporthalle und die Haltestelle Vollmarshausen Mitte. „Hier geht es uns ja nicht nur um unsere Kinder, sondern auch um alle anderen, die über die Straße müssen“, sagt Vater Michael Clobes. Hinzu komme, dass die Autofahrer seit der Sanierung der Straße deutlich schneller unterwegs seien und so die Gefahr für Fußgänger noch größer sei.

Neuer Zebrastreifen soll im April kommen

"Auch wir wünschen uns natürlich die höchstmögliche Sicherheit für unsere Fußgänger und die Kinder“, sagt Lohfeldens Erster Beigeordneter Norbert Thiele. In den Osterferien, wenn das Wetter wieder konstant besser ist, werde die Kasseler Straße erneut gesperrt. Denn Teile der Straße seien nicht eben genug und müssten von der Baufirma abgefräst und erneut geteert werden. Im Zuge dieser Arbeiten und der Sperrung würden dann auch die fehlenden Markierungen inklusive Zebrastreifen aufgebracht. 

Die Gemeinde rät, bis dahin einen anderen Schulweg zu wählen und die Fußgängerüberwege im Bereich Kasseler Straße Haus Nummer 2/Nummer 3 oder im Bereich Welleröder Straße 4 zu nutzen. Auch könnten besorgte Eltern die Verkehrswacht Hessen kontaktieren, die in Zusammenarbeit mit der Unfallkasse Hessen ein Schulwegtraining anbietet. 

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Bei der Umsetzung und der Rechtssicherheit der Alternativen gebe es hohe Hürden, so Thiele. „Wir sind sehr froh, dass hier wieder ein Fußgängerüberweg entsteht.“ Grundsätzlich seien nämlich für die Errichtung von Fußgängerüberwegen die verkehrsrechtlichen Vorgaben zu beachten. Und die seien heutzutage strenger als früher. Es müsste zum Beispiel ein Verkehrsaufkommen von 50 bis 100 Fußgängern pro Stunde und gleichzeitig bis zu 750 Fahrzeugen pro Stunde erreicht werden. In Lohfelden habe eine Messung am 23. Januar stattgefunden, die gezeigt habe, dass diese Zahlen nicht erreicht würden.

Mobile Messung geplant

Von 7 Uhr bis 10.15 Uhr hätten dort lediglich vier Fußgänger die Straße überquert, 732 Fahrzeuge befuhren die Kasseler Straße. Auch eine weitere Befürchtung der Eltern bestätigte sich nicht: Nur neun Fahrzeuge (1,23 Prozent) überschritten die zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde. „Trotzdem werden wir nochmals eine mobile Messung dort durchführen“, versichert Thiele.

Eine rechtlich gesicherte Aufbringung einer temporären Markierung in Form gelber Streifen sei außerhalb von Bauarbeitsstellen nicht möglich. „Das suggeriert den Kindern und Eltern eine Sicherheit, die nicht gegeben ist“, sagt Thiele. Für Autofahrer sei nicht zweifelsfrei erkennbar, inwieweit die Markierung Gültigkeit habe, wenn ohne weitere Anordnung von Beschilderungen plötzlich Markierungen auf der Straße seien.

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Inwiefern das Aufstellen einer Bedarfsampel möglich und sinnvoll ist, soll in der nächsten Sitzung des Gemeindevorstandes beraten werden, sagt Thiele. Die Verringerung der Höchstgeschwindigkeit sei in aller Regel nur dann rechtlich möglich, wenn die Straße unmittelbar an einer Schule, an einer Einrichtung für Kinder oder Senioren vorbei führt. Das sei hier nicht der Fall.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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