NVV rückt von Plänen ab

Kreis Kassel: Aus für Regiotram im Lossetal und von Kassel nach Baunatal

Unser Bild zeigt die Regiotram bei ihrer Jungfernfahrt durch das Lossetal am 28. Januar 2006.
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Große Aufregung herrschte, als Anfang 2006 die Regiotram durch das Lossetal ihren Betrieb aufnahm. Nur anderthalb Jahre später wurde der Verkehr wieder eingestellt, weil die Züge an anderer Stelle gebraucht wurden. Unser Bild zeigt die Regiotram bei ihrer Jungfernfahrt durch das Lossetal am 28. Januar 2006.

Mit der Regiotram könnte man schneller von Kassel nach Baunatal und durchs Lossetal fahren. Der NVV legt seine Pläne für die Erweiterung jedoch auf Eis.

Kreis Kassel – Viel Energie und Zeit hat der NVV in die Idee gesteckt, wieder eine Regiotram zur Beschleunigung des Verkehrs im Lossetal zu etablieren. Gleiches gilt für die Strecke von Kassel-Wilhelmshöhe bis nach Baunatal-Großenritte. Es wurde untersucht, geplant, abgewogen und kalkuliert.

Am Ende sprachen die Ergebnisse von zwei groß angelegten Machbarkeitsstudien eine klare Sprache. „Auf beiden Strecken macht der zusätzliche Einsatz von Regiotram-Zügen keinen Sinn“, sagt NVV-Geschäftsführer Steffen Müller im Gespräch mit der HNA.

Zwar ließe sich mit den RT-Zügen eine Beschleunigung des Verkehrs rund um Kassel erzielen – wenn auch nur um einige Minuten. „Jedoch würden eine Reihe anderer Nachteile entstehen, die letztlich die Qualität und Zuverlässigkeit des Fahrgastverkehrs deutlich mindern würden“, sagt Müller.

Aus für Regiotram im Lossetal: Kaum freie Kapazitäten auf den Strecken rund um Kassel

Tatsächlich seien die entsprechenden Strecken schon jetzt so stark befahren, dass es kaum Möglichkeiten gebe, zusätzlich noch einen RT-Verkehr zu integrieren. „Würden wir das tun, müssten wir Trams aus dem Fahrplan nehmen, um Platz für die Regiotrams zu schaffen.“

In Baunatal gebe es dann aber weniger Fahrten der Tram-Linie 2 zur Hauptverkehrszeit, im Lossetal wären nur noch zwei statt drei Fahrten pro Stunde zwischen Helsa und Oberkaufungen möglich. Die Anbindung von Hessisch Lichtenau in die Kasseler Innenstadt mit der Tram-Linie 4 würde von zwei Fahrten pro Stunde auf eine reduziert werden.

Regiotram in Kassel: Verknüpfung mit Netz der Deutschen Bahn mache die Sache heikel

Zudem wären umfangreiche bauliche wie auch signal- und sicherheitstechnische Investitionen nötig. „Einfach deshalb, weil die gesamte Infrastruktur neben der Tram- dann auch noch für die Regiotram-Technik ausgelegt sein müsste“, sagt Müller. Davon abgesehen müssten weitere RT-Züge gekauft werden. Das aber sei unbezahlbar, weil die Züge wegen ihrer Flexibilität (tauglich für Straßen- und Eisenbahnbetrieb) grundsätzlich sehr teuer seien. „Auch können wir keine Züge von den anderen RT-Linien abziehen. Die Verbindungen zum Beispiel nach Hofgeismar und Melsungen laufen einfach zu gut. Dort würden wir nur wieder Löcher reißen.“

Der wohl wichtigste Grund aber sei, dass die Zusammenführung von Tram und Regiotram betriebstechnisch äußerst fragil sei. „Beide Systeme behindern sich gegenseitig, was erhebliche Auswirkungen auf die Pünktlichkeit und auf die Verlässlichkeit, also die Stabilität des Betriebs hätte“, sagt Müller. Hintergrund seien eingleisige Streckenabschnitte, auf denen sich Tram- und Regiotram-Züge begegneten und auch Gleiskreuzungen, die notwendig wären, um den Bahnhof Wilhelmshöhe an einem Bahnsteig für den Nahverkehr zu erreichen. Müller: „Es wäre vor allem diese Verknüpfung mit dem Netz der Deutschen Bahn, die die Sache heikel macht. Da muss es an einer Stelle nur zu einer Verspätung kommen, und schon sind alle nachfolgenden Züge betroffen. Die Verspätungen schaukeln sich hoch, bis letztlich kein Fahrplan mehr erkennbar ist“.

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Verkehr in Kassel: NVV will Taktung der Trams und Busse verbessern

So will der NVV nun auf anderen Wegen den Verkehr zwischen Hessisch Lichtenau und Kassel wie auch zwischen Baunatal und Kassel weiter optimieren. „So arbeiten wir jetzt daran, statt einer Verkehrsbeschleunigung das Angebot im bestehenden Rahmen zu verbessern. Im Lossetal soll nun zwischen Kassel und Oberkaufungen ein verlässlicher 15 Minuten-Takt entstehen.“ Von Kassel in Richtung Baunatal prüfe der NVV die Möglichkeit einer schnellen Busverbindung sowie den regelmäßigen Einsatz von Trams mit zusätzlichen Anhängern. Dazu sei der NVV schon im Gespräch mit dem Betreiber KVG.

Eine Verlängerung der Züge ginge aber wiederum mit der Notwendigkeit einher, die Haltepunkte entsprechend baulich zu verlängern. Auch das erfordere wieder viel Planung. Bis zur Umsetzung solch eines Angebots „werden wir gut und gerne das Ende der 2020er-Jahre erreicht haben.“ (Boris Naumann)

Ein verbessertes Angebot verspricht der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) seinen Fahrgästen zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember hingegen im Wolfhager Land.

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