Marktplatz: Werner Baus verkauft seine Kalliope Spieluhr aus der Gründerzeit samt Zubehör

Marktplatz: Glockenheller Klang von Stahlplatten

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Musik von der Stahlplatte: Werner Baus verkauft die Spieluhr mit zwölf verschiedenen Tonträgern. Weitere der etwa 23 Zentimeter durchmessenden Stahlmusikplatten kann man nachkaufen.

Eschenstruth. Im Zeitalter digitaler Musik ist eine Spieluhr aus der Gründerzeit mit ihrem zarten, glockenhellen Klang schon etwas Besonderes.

Werner Baus hat seine Leidenschaft für solche antiken Musikapparate schon als Jugendlicher entdeckt. Damals holte der heute 76-Jährige zu seiner Konfirmation eine solche Spieluhr, die seine Großeltern vererbt hatten, vom Dachboden und bezauberte seine Gäste mit ihrem einzigartigen Klang.

Später hat der Rentner aus seiner Sammelleidenschaft ein Hobby gemacht, mit dem er viele Menschen glücklich gemacht hat: Viele Jahre betrieb er das über die Grenzen der Region hinaus bekannte Musik-, Radio- und Kinomuseum in Eschenstruth, das er vor rund einem Jahr aus Altersgründen geschlossen hat.

Aus dem Bestand des Museums verkauft der Eschenstruther nun eine voll funktionsfähige Kalliope Spieluhr von 1890 mit schönem Nussbaum-Gehäuse, die er selbst liebevoll restauriert hat, zusammen mit einem Dutzend Stahlmusikplatten. „Diese Spieluhren waren gewissermaßen der Vorläufer des Plattenspielers“, erklärt Werner Baus. In größeren Versionen hätten diese mechanischen Wunderwerke in Gaststätten gestanden, wo man sie durch Einwurf eines Geldstücks zum Spielen gebracht habe.

Die Melodien sind nicht auf Vinyl gepresst, sondern als Notenfolge in 23 Zentimeter durchmessende Stahlplatten eingestanzt. Die eingestanzten Haken der Platte treiben Zahnrädchen an, die wiederum Metallzungen auf dem sogenannten Tonkamm der Spieluhr anreißen und auf diese Weise Töne erzeugen.

Die Spieluhr wird mit einer Handkurbel aufgezogen. Beim Abspielen kann man ein Glockenspiel zuschalten, was den Melodien mehr Klangfülle verleiht.

Die mitverkauften Stahlplatten sind eine Fundgrube für Musik-Nostalgiker. Dazu gehören das bekannte Lied „Heinerle, Heinerle, hab' kei Geld“ aus der Operette „Der fidele Bauer“, die 1907 unter Leitung von Robert Stolz uraufgeführt wurde, oder das Marschlied „Bis früh um Fünfe, kleine Maus“ des 1946 gestorbenen Berliner Komponisten Paul Lincke. Zu Weihnachten kann man mit der Spieluhr, die in den Kalliope Werken Leipzig gebaut wurde, „Stille Nacht“ und „Oh du fröhliche“ erklingen lassen. „Viele weitere Musiktitel sind auch heute, nach 120 Jahren, noch erhältlich“, sagt Baus.

Er habe guten Kontakt zu einem Unternehmen in England, das solche Stahlmusikplatten mit Wunschmelodien anfertigt. Da helfe er dem Käufer der Spieluhr gern weiter. Die Kosten für solch eine neu angefertigte Platte beliefen sich auf 20 bis 25 Euro. Auch auf Flohmärkten könne man mit etwas Glück fündig werden. (pdi)

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